Frank Lehner muss sein mühsam errungenes Weltmeisterschafts-Ticket verfallen lassen.
Vergangenes Jahr ging der Stern des Iphöfer Triathleten Frank Lehner mit seiner Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf Hawaii auf, wo er als „Daylight-Finisher“, die bisherige Krönung seiner Laufbahn erlebte. Der 46-Jährige bestätigte seine tolle Vorjahresform beim 70.3-Ironman in Luxemburg, der Halbdistanz im Triathlon, und erkämpfte sich damit neuerlich ein WM-Ticket. Dieses Ticket wird er aber aus organisatorischen Gründen verfallen lassen, womit der Kitzinger Steve Hartmann voraussichtlich als einziger Sportler die Farben des Weinlandkreises Kitzingen Anfang September in Australien vertritt.
Heuer wurden viele Ecken unseres Kontinents von Hochwasserkatastrophen heimgesucht. Aus diesem Grund mussten die Luxemburger Veranstalter, was auch in Deutschland mehrmals der Fall war, den Wettkampf auf einen Duathlon reduzieren. Denn die Strömung war zu stark und der Wasserpegel zu hoch in der Mosel. Das bedeutete für die Athleten die ungewohnte Konstellation, dass sie zweimal laufen mussten, vor und nach dem Radfahren. Das machte Frank Lehner wenig aus, weil er auf dem Rad und in den Laufschuhen stärker einzuschätzen ist als im Wasser. Die ersten 5,8 Kilometer ging er gewohnt verhalten an und wechselte nach 24:18 Minuten aufs Rad.
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Die 90 Kilometer lange Radstrecke um das Städtchen Remich entpuppte sich laut Frank Lehner, als „landschaftlich reizvoll, aber auch technisch anspruchsvoll“.
Die zweite Disziplin bewältigte er in 2:29,17 Stunden und schnürte dann erneut die Laufschuhe für einen abschließenden Halbmarathon, den er in 1:28,37 Stunden schaffte. Nach der Gesamtzeit von 4:28,12 Stunden lief der Gesundheitsbotschafter eines Iphöfer Weltunternehmens über die Ziellinie und schlug sich damit prächtig. Denn er belegte den siebten Platz in seiner Altersklasse (45 bis 49 Jahre). Bei der Siegerehrung erfuhr er dann zu seiner Überraschung, dass er einen der begehrten 30 Plätze für die 70.3-Weltmeisterschaft ergattert hatte. Freilich kam die Leistung nicht ganz überraschend, denn er hatte vorher „hervorragende Trainingsergebnisse“ für sich bilanziert. Er sah den Wettkampf nur als „Formtest“ an auf dem Weg zu seinem primären Ziel in diesem Jahr: Die Triathlon-Challenge am 17. Juli im mittelfränkischen Roth, dem deutschen Mekka dieser Sportart. Der dortige Wettbewerb besitzt zwar (noch) nicht den Ironman-Status, zählt aber zu den weltweit renommiertesten Triathlon-Veranstaltungen.
„Es gilt für jeden guten Triathleten: in Roth sollst du einmal mitgemacht haben“, schildert Frank Lehner ein ungeschriebenes Gesetz in der Triathlon-Szene.
„Es ist schon schade, wenn du dich für die WM qualifizierst, aber aus organisatorischen Gründen passen musst“, sagt der 46-Jährige und verbirgt nicht seinen Stolz, nach dem Vorjahr erneut ein WM-Ticket an Land gezogen zu haben. Als berufstätiger Amateur sei es aber nicht ohne weiteres realisierbar, kurzfristig zu einem Wettkampf nach Australien zu fliegen. Er sieht es mit einem weinenden und einem lachenden Auge, dass er die 70.3-WM absagt. „Vielleicht habe ich dafür Glück und schaffe es irgendwann noch einmal nach Kona“, meint der Iphöfer und liebäugelt mit einer nochmaligen WM-Teilnahme auf Hawaii.
70.3-Triathlon
Die Ironman 70.3-Rennserie wurde 2006 eingeführt und wird über 70,3 Meilen (113 Kilometer) ausgetragen. Das entspricht der Streckenlänge der Triathlon-Mitteldistanz mit 1,9 Kilometern Schwimmen, 90 Kilometern Radfahren und 21 Kilometern Laufen. Der Lizenzgeber World-Triathlon-Corporation legt die Veranstaltungen als Qualifikationsrennen weltweit auf und vergibt bei den einzelnen Wettbewerben die so genannten Slots für die Weltmeisterschaft.