Warum ein Durch-und-Durch-Geesdorfer ausgerechnet Fan von Hannover 96 ist und warum für ihn das Pokalhalbfinale weniger zählt.
Gleich zwei interessante Spiele stehen für den FC Geesdorf auf dem Oster-Programm. Auf die Frage, ob das Bezirksliga-Lokalderby am Samstag beim Nachbarn Wiesentheid oder das Pokal-Halbfinal-Heimspiel am Montag gegen den TSV Gochsheim für ihn wichtiger ist, muss Oliver Hahn nicht lange überlegen. „In der Saison geht es für uns eigentlich um nichts mehr, im Pokal wollen wir so weit, wie möglich kommen. Wiesentheid ist ein Derby, das willst du natürlich nicht verlieren. Für mich ist das Spiel wichtiger“, gibt der Mittelfeld-Akteur in der Vorschau zu.
Seine Erklärung folgt prompt: „Wir wollen wieder die Nummer eins im Markt werden. Das ist unser Saisonziel, wenn nichts anderes mehr geht.“ Etwas kurios verliefen die letzten Spiele der Ortsrivalen, denn da gab es zumindest in den Punktspielen keine Heimsiege. 2:2 hieß es diesmal in Geesdorf nach einem hitzigen Duell. Wenig später gewann der FC im Pokal mit 1:0.
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Die Nummer eins im Ort zu sein, ist also durchaus wichtig für Oli Hahn, der außerhalb des Platzes eher einer der Marke „lockerer Vogel“ ist. Der 24-Jährige ist immer für einen Spruch zu haben, ein geselliger Typ, der auch gerne mal um die Häuser zieht. Wenn es um sein Hobby Fußball geht, ist der vielseitig Einsetzbare aber eisern. Hahn ist ein Mannschaftsspieler, der sich nicht schont.
Das belegen zwei Beispiele. Urlaub während der Runde gehe nur von Sonntag nach dem Spiel bis Samstag abend vor dem nächsten Spiel. Das müsse eben auch die Freundin akzeptieren, so Hahn. Seit längerem plagt er sich mit Leistenproblemen herum, die von einer Entzündung im Hüftgelenk stammen. Das richtig auszukurieren, sei schwierig, auch weil er beruflich viel auf den Beinen sein müsse. Fußball spielen gehe schon einigermaßen. Nur wenn es wirklich nicht anders geht, werde eben mal beim Training pausiert, um zumindest bei den Spielen dabei zu sein. Das war gerade anfangs der Runde oft nötig, weil Geesdorf etliche Akteure ausfielen.
Mittlerweile hat sich das FC-Lazarett aber wieder gelichtet. Gerade beim souveränen 3:0-Sieg über Euerbach im Pokal habe die Mannschaft wieder ihre alten Stärken gezeigt. Da sei die Mannschaft wieder als solche aufgetreten, in der jeder für jeden kämpfte, hat Oliver Hahn erfreut festgestellt. Das eben, was Geesdorf ausmacht. Zuvor, beim 1:4 gegen Riedenberg habe das anders ausgesehen.
Es herrschte Redebedarf. Die Spieler setzten sich deshalb zusammen. In Geesdorf spielt der Stamm der Mannschaft seit Jahren miteinander. Man kennt und versteht sich. Spielertrainer Hassan Rmeithi geht in Kürze in sein siebtes Jahr. „Hassan bringt immer wieder neue Sachen. Wir verbessern uns immer wieder“, sieht Hahn keinerlei Abnutzung. Die Mannschaft habe nach wie vor den nötigen Ehrgeiz, den Biss und den Zusammenhalt. Oliver Hahns kleiner Traum wäre es, einmal mit Geesdorf Landesliga zu spielen, wie er zugibt. Natürlich weiß er, dass das wegen der Rahmenbedingungen schwierig ist, aber „man muss sich ja Ziele setzen“, sagt der drahtige Kämpfertyp, der aktuell auf der Sechs ran darf.
Vom Beruf ist Hahn Tierwirt. Mit seinen Namensvettern hat er dabei nicht direkt zu tun, dafür aber mit Legehennen und Wachteln, die er im Lehr- und Versuchszentrum in Kitzingen versorgt, abwechselnd auch an Wochenenden. Tiere mag er schon immer. Von klein auf kümmerte er sich mit um die Enten und Gänse, die zuhause einst im Garten gehalten wurden.