Der TSV gewinnt in Sulzfeld mit 2:1. Doch die Ereignisse der Vorwoche kann der Erfolg nicht überstrahlen. Trainer Christopher Dietl bescherten sie gar unruhige Nächte.
TSV Sulzfeld – TSV Aub 1:2 (0:0)
Torhütern wird in der Regel ein spezieller Charakter zugeschrieben. Waghalsig werfen sie sich bisweilen ins Getümmel, um Unheil von ihren Mannschaften abzuwenden. Als gewissermaßen letzte Instanz zwischen den Pfosten entscheiden sie im Spiel oft über Erfolg oder Misserfolg. Die Spannweite vom Helden zum Pechvogel ist klein. Doch vielleicht sind es eben diese Extreme, welche das Torhüterspiel so reizvoll machen.
Thim Schuster zum Helden des Nachmittags zu erklären, wäre am Samstag in Sulzfeld vielleicht etwas übertrieben gewesen. Davon, ein Pechvogel zu sein, war der Schlussmann des TSV Aub jedoch weit entfernt. Dafür, dass es für Schuster kein ganz normales Fußballspiel war, hatten die Ereignisse des vorigen Wochenendes gesorgt. Im Heimspiel gegen den SV Willanzheim soll der TSV-Keeper von einem Betreuer der Gäste mit dem Eiskoffer attackiert worden sein, worauf er eine Platzwunde am Ohr davontrug. Weil er sich entsprechend zur Wehr setzte, bekam er vom Schiedsrichter die Rote Karte vorgehalten. Mindestens für die Partie in Sulzfeld wäre Schuster demnach eigentlich gesperrt gewesen. Doch bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts wurde die Sperre unter der Woche ausgesetzt, so dass Aub auf seinen Stammtorwart bauen konnte.
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Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Schuster lieferte eine starke Vorstellung ab. Daran änderte selbst die Tatsache nichts, dass er beim Gegentreffer eine unglückliche Figur machte. Aubs Trainer Christopher Dietl hatte ob des drohenden Ausfalls seiner Nummer eins unter der Woche in Jakob Schiffler gar flugs einen U-19-Torwart der Würzburger Kickers verpflichtet. Doch Schuster stand unbeeindruckt seinen Mann, was einerseits von Nervenstärke, aber auch von einer gewachsenen Persönlichkeit zeugt. Vom Anpfiff weg war der Mann zwischen den Pfosten hellwach und vereitelte bereits nach wenigen Sekunden eine Doppelchance Samba Jallows glänzend. Beim Kopfball Jallows an die Unterkante der Latte hatte Schuster kurz darauf zudem das Glück auf seiner Seite. Die ganze Woche über habe er mit seinem Schlussmann wie auch dem gesamten Team gesprochen, um das Erlebte zu verarbeiten, erklärt Dietl, der nicht glaubt, dass Schuster noch eine nachträgliche Sperre erwartet.
An geregeltes Training sei kaum zu denken gewesen. „Ich habe ihm gesagt, dass er ganz normal sein Spiel machen soll. Denn das Torwartspiel an sich hat mit der Sache, die passiert ist, ja gar nichts zu tun“, so Dietls Worte an den Schlussmann. Er selbst habe nach dem Vorfall, „echte Probleme“ gehabt, den Spaß am Fußball wiederzufinden, gibt der Übungsleiter Einblick in sein Seelenleben. Geschlafen habe er unter der Woche fast gar nicht. Der ganze Klub sei geschockt gewesen. Den Rat seines Trainers beherzigte Schuster auf dem Platz indes und zeigte auch gegen den strammen Schuss von Ferdinand Merbecks seine Klasse (25.). „Bärenstark, was Thim geleistet hat. Er hat uns in der ersten Halbzeit im Spiel gehalten“, sagte Dietl.
Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. Und so haderte Sulzfelds Coach Markus Wolf hernach mit der Chancenverwertung seines Teams. „Wir waren klar die bessere Mannschaft, machen aber die Tore nicht. In fünfzehn Spielen haben wir erst 17 Treffer erzielt. Das zeigt eindeutig, wo unsere Probleme liegen.“ In der Tat hatte der TSV forsch begonnen, sich aber für den Aufwand nicht belohnt. Thim Schuster stand dem Sulzfelder Glück im Auber Kasten schlicht im Weg. Dass Wolf an der Seitenlinie mehrfach gestikulierend und kopfschüttelnd darauf hinwies, dass der Schlussmann doch eigentlich rotgesperrt sei, war für Schuster selbst vielleicht die größte Auszeichnung des Nachmittags.
Die Gäste hatten sich in der Partie derweil fußballerisch eher schlichter Mittel bedient. Häufig flog der Ball mit vielen guten Wünschen im Gepäck hoch und weit nach vorne. „In unserer Situation müssen wir einfachen Fußball spielen und das Mittelfeld schnell überbrücken. Wenn das nur mit langen Bällen gelingt, ist mir das aktuell total egal“, rechtfertigte sich Dietl für die Spielweise. Die rief indes auch seinen Gegenüber Wolf auf den Plan. „Wir versuchen, Fußball zu spielen, Aub will nur zerstören – und dann machen die aus anderthalb Chancen zwei Tore“, verstand Sulzfelds Trainer die Welt nicht mehr.