Wie aus dem einen Fast-Absteiger der Saison 2014/15 in der Spielzeit 15/16 ein Meister wurde.
„Unverhofft kommt oft“, sagt der Volksmund. Diese Floskel könnte nach der diesjährigen Meisterschaft der A-Klasse Würzburg 2 auch auf den SV Gelchsheim zutreffen. Denn noch in der vergangenen Saison kämpfte der Verein aus dem Ochsenfurter Gau gegen den Abstieg in die B-Klasse, ehe Heiko Esser im Sommer das Ruder übernahm und die Rotweißen zu einem ungeahnten Höhenflug führte.
Nur eine Saison spielte der Sportverein aus dem südlichen Würzburger Landkreis in der jüngeren Vereinsgeschichte in der Kreisklasse, nämlich in der Spielzeit 2012/13. Damals war die Elf unter Christian Högler souverän auf-, aber auch wieder sang- und klanglos abgestiegen. Nach Platz vier im darauffolgenden Jahr hatten die Rotweißen sogar damit zu kämpfen, nicht bis in die B-Klasse durchgereicht zu werden. Talentierte Spieler wie Joachim und Steffen Barthel verließen den Verein in Richtung Marktbreit. Jonas Hoos folgte vor der Saison. Er ging nach Eibelstadt.
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Dennoch landeten die Verantwortlichen mit der Verpflichtung Heiko Essers einen überraschenden Coup auf der Trainerposition. Der 28-Jährige hatte vorher unter anderem in Kleinrinderfeld gekickt und mit seinen Toren den SV Gaukönigshofen in der Kreisklasse und den SV Fuchsstadt in der A-Klasse gehalten. „Die Mannschaft war nicht so schlecht, wie sie platziert war zum Ende der Saison. Die Jahre davor haben sie zudem gezeigt, dass sie nicht dahinten reingehören“, begründet Esser den Wechsel in den Ochsenfurter Süden. Zudem kamen mit Arian Kalic, Maximilian Hoos und Markus Pehlert sowie Jonas Neckermann erneut vielversprechende Talente aus der Jugend heraus.
Zwar verletzte sich Neckermann nach vier Spielen, aber vor allem Pehlert und Hoos entwickelten sich zu absoluten Stammspielern. Potenzial war also vorhanden, den Blick nach ganz oben richtete der Spielertrainer aber zunächst nicht. Denn mit dem Ochsenfurter FV, seinem ehemaligen Verein Gaukönigshofen oder Tückelhausen-Hohestadt hatten andere Mannschaften bereits im Vorfeld Ambitionen auf den Titel angemeldet. „Wir wollten die Jugendspieler einbauen und uns spielerisch verbessern. An eine bestimmte Platzierung dachte ich im Vorfeld nicht“, versichert der Spielertrainer.
Doch der ehemalige Kleinrinderfelder schaffte es, der Mannschaft um Kapitän Daniel Leimig das verloren geglaubte Selbstvertrauen wieder einzuimpfen und gab mit seinen Toren den Weg vor. Lediglich eine Niederlage kassierte die Esser-Elf in der Vorrunde – ausgerechnet bei seinem Ex-Verein Gaukönigshofen. „Trotz der Pleite habe ich gemerkt, dass etwas nach oben gehen könnte, wenn wir unsere Leistung konstant bringen und an uns arbeiten“, erinnert sich der Übungsleiter. So sollte dann auch kommen. Gelchsheim blieb bis zum Jahresende ungeschlagen. Mit großem mannschaftlichen Zusammenhalt und der besten Offensive der Liga sicherten sich die Rotweißen bereits die „Wintermeisterschaft“.
Und auch im neuen Jahr ließen sie sich vom Platz an der Sonne nicht mehr verdrängen. Erst im April folgte in Ochsenfurt die zweite Niederlage, eine weitere dann ausgerechnet gegen Fuchsstadt, Essers vormaligen Club. „Neben dem Angriff wusste auch unsere Defensive zu überzeugen. Wir hatten nach Randersacker die zweitbeste Abwehr. Auch die Geschlossenheit im Team war ausschlaggebend“, nennt Esser die Schlüssel des Erfolgs. Das zeigte sich besonders, als Gelchsheim in der Endphase nochmals ins Wanken zu kommen schien. Gegen den späteren Absteiger Aub lagen die Rotweißen zweimal zurück und drehten die Begegnung mit großer Moral noch in einen 4:3-Erfolg.
Ab diesem Zeitpunkt wusste Esser, dass es zum Titel reichen würde: „Das war der letzte Schritt. Die Partie war emotional, es war ein Derby. Danach war mir klar, dass wir es schaffen.“ Gelchsheim marschierte souverän über die Ziellinie und feierte zwei Spieltage vor Saisonschluss den Titelgewinn. Meisterwürdig fielen dann auch die Feierlichkeiten aus, die am liebsten auch in der Kreisklasse weitergehen sollen. Besonders die Nachbarschaftsduelle gegen Sonderhofen und Hopferstadt werfen bereits ihre Schatten voraus. „Eine tolle Aussicht“, wie auch Esser findet.