Vor vier Monaten haben Studenten in der Volkacher Altstadt einen Bio- und Naturweinladen eröffnet. Seit dem 15. Juli testen Lisa Jain und ihr Freund Johannes Christ in der touristischen Hochsaison die berufliche Selbstständigkeit beim Weinverkauf. In dieser Woche endet das Pilotprojekt, das sich wegen der Corona-Beschränkungen im Studienbetrieb nahezu anbot. War es eine gute Idee für das junge Team? Wie lautet ihre Bilanz?

Für Lisa Jain, die am Freitag den Weinladen "Weinbarium" pünktlich um 14.30 Uhr öffnet, war es ein gelungenes Projekt und ein wichtiger Schritt in ihrem Leben:  "Diese Erfahrungen sind unbezahlbar. Selbstständigkeit kann man nicht aus Büchern lesen." Seit die 24-jährige Studentin der Kulturwissenschaften und Philosophie und der gleichaltrige Johannes Christ aus Nordheim zusammen sind, nehmen sie sich jedes Jahr in den Sommermonaten ein neues Projekt vor mit dem Ziel, sich gemeinsam weiter zu entwickeln.

Die Idee, einen Bio- und Naturweinladen zu eröffnen, hatte Johannes im Juni dieses Jahres. Er stammt aus einem Bio-Weingut in Nordheim. "Wir hatten eine sehr kurze Vorbereitungszeit", sagt Lisa zu der Spontanaktion. Mit Aaron Roggenbuck (21, Abiturient aus Lülsfeld) und Roselle Knaus (18, Abiturientin aus Nordheim) fand man Freunde, die sich mit in das Selbstständigkeitsboot setzten.

Vier Monate mietfrei

Auf der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit half dann der Zufall. Volkachs Tourismus-Chef Marco Maiberger unterstützte die jungen Leute und brachte sie mit dem Volkacher Hotelier und Gastronom Philip Aczél zusammen. Ihm gehört seit geraumer Zeit das Anwesen am Marktplatz (ehemals Behringer) samt dem Gebäude, in dem früher der Gemüseladen Dorsch seine Kunden empfing. "Herr Aczél war begeistert von der Idee und stellte uns für vier Monate die Räume kostenfrei zur Verfügung", schildert Lisa und ergänzt: "Ursprünglich wollten wir eine Wohnung für unser Vorhaben anmieten."

Dadurch, dass das Unternehmer-Quartett keine Pacht zahlen musste, konnte der Startschuss schon Mitte Juli fallen. Die Vinothek wurde mit einer gebrauchten Einrichtung ausgestattet. Mit viel Euphorie gingen die Newcomer ans Werk, mussten aber schnell feststellen, dass die Mühlen der Bürokratie langsam und schwierig mahlen. "Wir dachten, dass es ein bisschen leichter ist mit den Behörden", gibt Lisa zu. Die Folge war, dass Getränkeausschank und Außenbestuhlung dem Rotstift zum Opfer fielen. Blieb quasi nur das Feilbieten von Bio- und Naturweinen samt Probiermöglichkeit im Weinbarium, das die Studenten nach dem lateinischen Wort Herbarium (lat. Herba: Kraut) benannten. "Ein Herbarium ist eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen," klärt Lisa auf. Im Weinbarium erkennt man die Liebe der Betreiber zur Natur: gepresste Pflanzensammlungen zieren die Wände. Johannes Christ studiert Ökologie und findet die Pflanzbilder, darunter eine herbarisierte Weinbergszeile, sehr ästhetisch.

Soziales und Ökologisches mit Genuss verbinden

Von Anfang an hatten sich die Studenten das Ziel gesetzt, Soziales und Ökologisches mit Genuss zu verbinden. "Wir haben gute Beziehungen zu unseren regionalen Produzenten gepflegt,", schildert Lisa. Im Weinbarium boten sie die Erzeugnisse von 13 Biowinzern aus der Region und Naturweine an. Die Nachhaltigkeit immer im Blick, gaben sie ihre Erfahrungen an die Weininteressierten weiter. Dabei legten sie großen Wert auf die ökologischen Folgen der Produkte und des Weinladens. "Viele unserer Kunden gingen zufrieden aus unserem Laden. Wir haben hier viele neue Freundschaften geknüpft", lautet Lisas Bilanz.

Wer Lisa und ihr Team kennen lernen will, hat in dieser Woche die letzte Chance. Der Pop-Up-Laden in der Hauptstraße 15 in Volkach öffnet am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 14.30 Uhr. Danach steht für sie das Studium wieder im Mittelpunkt und – vielleicht ein Onlinehandel mit den Bio-Produkten.