Sonne oder Wind: Naturstrom vom Grasland

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Viel Grün mit Windrad-Kulisse: 52 Hektar groß ist der einstige Übungsplatz der US-Armee auf den Höhen nahe Kaltensondheim, wo in naher Zukunft Wind- (im Hintergrund, die Rotoren zwischen Erlach ...
Foto: Harald Meyer

Noch hat eine wild wuchernde Natur das Sagen auf der Anhöhe bei Kaltensondheim, wo einst die US-Armee übte und ein umzäuntes Areal mit Wachturm an die militärische Vergangenheit erinnert. In naher Zukunft könnte sich das ändern.

Noch hat eine wild wuchernde Natur das Sagen auf der Anhöhe bei Kaltensondheim, wo einst die US-Armee übte und ein umzäuntes Areal mit Wachturm an die militärische Vergangenheit erinnert. In naher Zukunft könnte sich das ändern: Die 52 Hektar neben der Autobahn sollen verpachtet werden. Interessenten für die Fläche wollten hier einen Solarpark, Windkraftanlagen oder beides errichten, so Roland Albert von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Die Bima als Eigentümer ist bei der Vergabe im Endspurt. Bis Ende Juni könnte laut Albert entschieden sein, welcher der Interessenten seine Idee einer Nutzung mit erneuerbaren Energien auf den Planungsweg bringen darf. Erste Hürde ist dabei die Gemeinde Biebelried, deren Gemeinderat das Projekt im Ortsteil Kaltensondheim beurteilen und darüber entscheiden muss.

„Wir werden uns nicht dagegen wehren“, sagte Bürgermeister Roland Hoh auf Nachfrage. Schließlich habe sich der Gemeinderat grundsätzlich für die Erzeugung regenerativer Energien auf dem Ex-US-Übungsplatz ausgesprochen.

Allerdings wird die Gemeinde ihr Mitspracherecht nutzen, um mögliche Fehlentwicklungen zu verhindern. Eine erste Möglichkeit gibt's laut Hoh am 24. Juni. Da werde einer der Interessenten – nichtöffentlich – seine Nutzungsideen vorstellen. Was Biebelried letztlich für genehmigungsfähig hält, wird der Gemeinderat wohl erst dann beschließen, wenn der von der Bima ausgewählte Pacht-Partner feststeht und seine Projektvorstellungen vorlegt. Entscheidende Genehmigungsbehörde ist dann das Landratsamt.

Neu an den Plänen für die Fläche ist die Verpachtung. Bislang stand immer ein Verkauf zur Debatte. Auch im Biebelrieder Gemeinderat, der allerdings vor einem Jahr das Erstzugriffsrecht auf den Übungsplatz ablehnte. 2,4 Millionen Euro seien schlicht zu viel Geld für die kleine Gemeinde, hatte die damalige Bürgermeisterin, Renate Zirndt, damals erklärt.

Nach dem Ausstieg beschlossen die Biebelrieder Räte jedoch, die Zügel bei der künftigen Nutzung in der Hand zu behalten. Im Oktober 2013 entschied das Gremium, dass der neue Eigentümer – damals ging es noch um den Kauf – bei einer Nutzung für erneuerbare Energien „ein energetisches und steuerliches Konzept zugunsten der Gemeinde Biebelried“ entwickeln muss.

Wertvolle Fauna und Flora

Ganz problemlos ist diese Nutzung nicht. Das Grasland mit einigen Buschgruppen ist zwar laut einer artenschutzrechtlichen Bestandsaufnahme kein Schutzgebiet, besitze aber „eine für den Naturschutz wertvolle Fauna und Flora“. So gebe es Magerrasenflächen und kleine Feuchtbiotope. Konsequenz der Bemühungen der Natur, den Übungsplatz zurückzuerobern, dürfte eine Nutzungsbeschränkung für die Energieerzeugung auf Teilen des Geländes sein, so Albert von der Bima.