In Unterfranken steht eine ganz besondere Immobilie zum Kauf – ein Schloss mit Hotel. Sein Besitzer erklärt inFranken.de, warum er sich von dem Anwesen trennt.
Wohnen wie ein Graf – oder doch Napoleon? Harald Wörner verkauft sein Schloss in Neuses am Sand, einem Gemeindeteil der Stadt Prichsenstadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Herzstück der historischen Anlage "Wörners Schloss" mit Treppenturm sind ein Wellness-Hotel mit Saunen und ein Restaurant, die Wörner selbst betreibt. Auch viel Grund mit Weingut und Ackerland gehört zu Wörners Besitz. Von all dem möchte sich der 55-Jährige nun trennen. Der Kaufpreis beginnt bei zwei Millionen Euro aufwärts.
"Es gibt viele Beweggründe", kommentiert der Schlossbesitzer, Weinbauer und Coach gegenüber inFranken.de. Eine "ständige Verantwortung" sei es, die Wörner nicht mehr schultern mag, aber auch gesundheitliche Gründe. "Burnout, Tinnitus, das macht natürlich keinen Spaß." Er sei "am Rande seiner Kapazitäten. Das kann sich manch einer gar nicht vorstellen, wie lange die Tage sind."
Keine Nachfolge bei Schloss: "Wollen Verantwortung nicht aufladen"
Wörners Söhne möchten das Anwesen inklusive der Einrichtungen und Grund nicht übernehmen. "Sie wollen sich definitiv nicht die Verantwortung aufladen." Zudem finde Wörner keine Mitarbeiter auf dem Land mehr, zwei seiner vier Mitarbeiter hören dieses Jahr noch auf. Dementsprechend schließt Wörner das Hotel und Restaurant Ende November 2026 – mit oder ohne Käufer. "Wer noch vorbeikommen will, muss es definitiv vorher tun." Was danach passiert, sei ungewiss. Und doch: "Es ist an der Zeit, loszulassen vom Besitz."
Der 55-Jährige, der 2000 das Anwesen und das Weingut von seinen Eltern übernahm, blickt dem Ende einer Ära mit erstaunlicher Ruhe entgegen. Seinen Söhnen macht er keinen Vorwurf, dass sie das Anwesen nicht übernehmen wollen: "Erst war ich schon enttäuscht, aber jetzt ist es irgendwie toll, dass man früher in die Freiheit kommt."
Wörner schaut auf die Zeit "mit Liebe und Dankbarkeit" zurück. Er und seine Frau Sandra, die aus dem Hotelbusiness kommt, haben am Schloss viel verändert, erzählt er inFranken.de. 1998 – schon halb unter seiner Führung – entstand das Hotel, 2006 das Restaurant, die Kunstgalerie und der Renaissance-Garten. "Ich brauche die Abwechslung. Ich mache gerne zwei Stunden das, dann zwei Stunden dieses." 2009 gestalteten Wörner und seine Frau die gesamte Schlosseinrichtung nach Feng-Shui-Regeln um. Bis vor ein paar Jahren richteten sie zudem viele Hochzeiten aus. Auch diese Ausflugsziele in Franken strotzen nur so vor Romantik.
Schlossbesitzer hofft auf passenden Käufer – so reagieren die Gäste
"Es wäre ein 6er im Lotto, wenn sich ein Käufer findet, der Weinbau und Hotel weitermachen will – wenn er alles zusammen in ähnlicher Form weiterführen will. Aber das wird sehr schwierig", meint Wörner. Er sucht schon länger nach einem Käufer, hatte aber bislang kein Glück.
Nun sucht er öffentlich, ganz ohne Makler. Seine Kunden informierte er am vergangenen Mittwoch (21. Oktober 2026) in einem Brief über den Verkauf. "Fast jeder drückt sein Bedauern aus." Es gebe tolles Feedback, alle wünschten Wörner Erfolg für die Zukunft. Seine Weinmarke Cosmowein will er noch weiterlaufen lassen – "eine Weile noch." Wörner ist gelernter Weinbauer, studierte dafür, nachdem sein Vater 1975 die Viehhaltung im Schloss aufgegeben hatte, um auf den Weinbau umzusteigen.
Das Schloss hat eine lange Geschichte, wie Wörner schildert: 1498 wurde es als Wasserschloss vom Bistum Würzburg gegründet. Seitdem war das Anwesen ein landwirtschaftliches Gutsschloss. 1812 nächtigte laut der Webseite sogar Napoleon mit seiner Frau in dem Schloss. Daran erinnert eines der Hotelzimmer – die Napoleonsuite. Auch diese Burgen und Schlösser in Franken sind auf alle Fälle einen Besuch wert.
Schloss in Neuses am Sand: Seit 1936 in Familienbesitz – "geschäftliches Loslassen"
1936 kaufte ein Verwandter der Wörners das Anwesen vom damaligen Grafen von Schönborn. 1950 übernahmen es Wörners Großeltern, danach Wörners Vater.
"Natürlich hängt man an dem Schloss. Ich bin hier aufgewachsen. Wir wohnen aber seit vielen Jahren nicht mehr im Schloss, weil wir privat und Beruf getrennt haben", so Wörner. Es sei ein geschäftliches Loslassen, nicht privat, trotz der vielen Erinnerungen.
Wörner lässt das Danach auf sich zukommen. Doch einige Ideen hat er schon, will sich weiter auf seine Coaching-Tätigkeit zum Thema Bewusstseinswahrnehmung und Burnout-Prävention konzentrieren. Auch der Weinbau bleibt ihm noch erhalten. Wörner hat sogar schon ein Buch über Ernährung geschrieben. "Zu 100 Prozent wird sich etwas auftun, wofür ich keinen Besitz brauche." Weitere Nachrichten aus Kitzingen und Umgebung findest du in unserem Lokalressort.