Sprachfetzen dröhnen durch die Halle in Geiselwind. Russisch, Französisch und Spanisch durcheinander. Menschen drängen sich vor beleuchteten Dartscheiben. 130 Dart-automaten reihen sich aneinander. Chart-Musik schallt durch den Lautsprecher und wird von einer Frauenstimme unterbrochen. Die Durchsage können nur geübte Ohren entschlüsseln. Sascha Stein horcht auf. Der 28-Jährige tritt bei der Dart Europameisterschaft in Geiselwind an. Mit seiner deutschen Mannschaft ist er jetzt an der Reihe.

Zum 18. Mal wird der Wettkampf auf europäischer Ebene ausgetragen. In diesem Jahr in Geiselwind. Viel Hundert Kilometer sind die Sportler aus Russland, der Türkei oder Ungarn nach Unterfranken gereist. Während der Europameisterschaft werden parallel die "Deutschen Liga Mannschafts Meisterschaften" veranstaltet.
Seit Ende Juni laufen die Spiele in der Eventhalle des Strohofer Autohofs.

Nicht nur Kneipensport

Stefan Reichert organisiert das Turnier. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Dartunion und Vorsitzender des Deutschen Sportautomatenbundes. Für ihn hat die Sportart einen ganz besonderen Reiz: "Es ist ein Strategiespiel, das Spaß macht. Man kann recht einfach einsteigen und sich im Wettbewerb messen." Das Spiel werde aber oft unterschätzt. "Aus dem Kneipensport hat sich ein richtiger Sport entwickelt." Er selbst ist kein guter Dartspieler, erzählt der Mann mit dem Schnurrbart lächelnd. Vor 28 Jahren hat Stefan Reichert zum ersten Mal auf einem Turnier bei der Organisation geholfen. Seitdem fesselt ihn der Sport.

Auch Sascha Stein hat sein Herz ans Dartspielen verloren. "Der Sport ist wie eine riesige Familie. Beim Dart schweißt man sich zusammen." Er hat Handball und Fußball gespielt und auch Leichtathletik gemacht. Vor zehn Jahren ist er beim Dart hängengeblieben. Der 28-Jährige aus Heppenheim in Hessen ist durch den Sport schon durch einige Länder gereist. Seit fünf Jahren tritt er mit seiner Mannschaft in der Bundesliga an. In der Deutschen Nationalmannschaft ist er bereits zum vierten Mal.

Sascha Stein ist zufrieden mit seinen bisherigen Leistungen bei der EM. Sein Ziel: natürlich den Titel mit nach Hause nehmen. Daneben gibt es außerdem Preisgeld abzuräumen. Die Sportler können in verschiedenen Disziplinen antreten. Als Einzelspieler und in mehreren Gruppen. Am Ende lockt der Worldcup in Las Vegas.

Sascha Stein wird mit seinem Team aufgerufen. Die Gruppe steuert einen Dartautomaten in der Mitte der Halle an. Um sie herum ballern die Spieler ohne Pause in die blauen und roten Felder der Dartscheibe. Einen Schiedsrichter gibt es nicht: "Das macht der Automat." Sascha Stein greift nach seinen Dartpfeilen. Drei Stück liegen in der Brusttasche seines weißen Poloshirts bereit. Jeder in einer anderen Farbe: Schwarz, Rot und Gold. 18 Gramm wiegen die Pfeile. "Leichter dürfen sie sein, schwerer nicht", erklärt Stefan Reichert. Sascha Stein tritt an die gelbe Linie und bringt sich in Position. Er fixiert das Zielfeld und feuert auf die Scheibe. Wie das Spiel ausgeht, entscheiden auch seine Mitstreiter. Die deutschen Damen haben es schon bis ins Endspiel geschafft.

Die Final-Feier mit der Siegerehrung findet heute ab 19 Uhr in der Eventhalle in Geiselwind statt. Ein Live-Konzert mit Giorgio Camese und freiem Eintritt startet um 21 Uhr.