Jetzt ist es amtlich und vom Bayerischen Kultusministerium bestätig: Die Richard-Rother-Realschule in Kitzingen legt zum Jahresende ihren Namen ab und heißt ab dem 1. Januar 2016 Staatliche Realschule Kitzingen.

Das hat die Schule per Pressemitteilung am Dienstag mitgeteilt. Damit ist die Namensänderung offiziell aus München bestätigt, die die Schulgremien beschlossen hatten. Damit kehrt die Schule zu ihrem ursprünglichen Namen Staatliche Realschule Kitzingen zurück.

Das Zeichen ist weithin sichtbar und steht für eine Zäsur: An der Bushaltestelle vor der Kitzinger Realschule in der Glauberstraße fehlt seit einiger Zeit der Name Richard Rother – übrig geblieben ist nur das Wort Realschule.

Ende Juli 2015 hatte die Schule die Abkehr vom Namen beschlossen, auch der Kreistag hat zugestimmt. Was noch ausstand, war die offizielle Zustimmung und Bekanntmachung des Kultusministeriums.

1982 war die Schule zu Ehren Richard Rothers nach dem Holzschnitzer und Bildhauer benannt worden, der Kulturpreisträger in Würzburg und Kitzingen ist und für sein Wirken nach dem Krieg auch das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Mit der jetzt erfolgten Umbenennung geht ein über Jahre erbittert geführter Streit über die Verstrickungen des Künstlers während der NS-Zeit zu Ende.

Noch 2013 hatte sich die Schule gegen eine Namensänderung ausgesprochen, „historische Belastungen des Namensgebers" verneint, auch wenn die damalige Rektorin Irma Walter „eine gewisse Nähe zum NS-Regime“ eingeräumt hatte.

Auslöser der zweiten Überprüfung des Schulnamens innerhalb von zwei Jahren war ein Beitrag dieser Zeitung am 28. April („Rothers Nazi-Verstrickungen“). Dabei ging es vor allem um die Frage, ob Rother, dem die Stadt Kitzingen eine Ausstellung zu seinem 125. Geburtstag gewidmet hatte, als Namensgeber für eine Bildungseinrichtung geeignet ist. Das wurde jetzt verneint und die Rückkehr zum ursprünglichen Namen beschlossen.

Wichtige Grundlage für diese Umkehr bot die Ausstellung „Tradition und Propaganda“ 2013 in Würzburg. Dort waren Rother-Werke mit antisemitischen Darstellungen und Nazi-Propaganda gezeigt worden – Werke, die bis dahin unter Verschluss waren. Auch in Kitzingen waren in Teil zwei der Ausstellung „Druckgrafik 1920 bis 1950“ Arbeiten Rothers zu sehen, die für Judenhass und Kriegsverherrlichung stehen, sprich für die volle NSDAP-Propaganda.

Ende Juli hatte Direktor Michael Rückel dann mitgeteilt, dass die drei schulinternen Gremien – Elternbeirat, Lehrerkollegium und Schülerausschuss – einmütig beschlossen hätten, den Namen „Richard-Rother-Realschule“ abzulegen. Zur Begründung hatte es seinerzeit geheißen, dass zum Verständnis der Realschule als weltoffene und SOS-Schule" (Schule ohne Rassismus) die bei der Kitzinger Kunstausstellung veröffentlichten Werke Richard Rothers nicht passen, die „stellenweise antisemitische und nationalsozialistische Charakterzüge enthalten.“