Regionalität als Riesenchance

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Ein Hoch auf das Bier: Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl (links), stößt mit Sebastian Rank auf den Tag des Bieres an. Mit dabei, Ranks neunjährige Enkelin Antonia ...

Eigentlich ist alles beim Alten zum Tag des Bieres in der Hausbrauerei Düll in Gnodstadt. Rot-weiße Frankenfahnen verzieren die Hallendecke, von weitem schon riecht es nach hausgemachter Bratwurst und wer pünktlich um 19 Uhr kommt, tut sich schwer, noch einen Sitzplatz zu finden. Also alles wie immer? Nein.

Eigentlich ist alles beim Alten zum Tag des Bieres in der Hausbrauerei Düll in Gnodstadt. Rot-weiße Frankenfahnen verzieren die Hallendecke, von weitem schon riecht es nach hausgemachter Bratwurst und wer pünktlich um 19 Uhr kommt, tut sich schwer, noch einen Sitzplatz zu finden. Also alles wie immer? Nein.

Der Tisch mit den Ehrengästen sticht ins Auge. Denn hier sitzen dieses Mal keine CSU-Größen aus dem Landkreis. Statt ihrer nehmen Vertreter des Bauernverbandes Platz. Aus Bütthard, Biebelried und Kitzingen kommen die Herren, die Walter Heidl, ihren Präsidenten hören wollen.

Sebastian Rank, Seniorchef der Brauerei, hat dieses Mal keinen prominenten Politiker eingeladen. Nach dem Zerwürfnis mit der Kreis-CSU betont der Braumeister den eigentlichen Anlass der Veranstaltung – nämlich die Erinnerung an das Reinheitsgebot, das es seit 1516 gibt. So ist es Rank gelungen, Bauernpräsident Walter Heidl ans Rednerpult zu holen. Und der schafft es tatsächlich, nicht politisch zu sein.

Heidl kommt aus Niederbayern. Sein Dialekt verrät es deutlich. Antonia, Sebastian Ranks neunjährige Enkelin, ortet ihn deswegen geografisch gar nach Österreich. Heidl nimmt's gelassen. Nur die Behauptung, dass er doch rede wie Hubert Aiwanger, lässt ihn erschrocken aufhorchen. Der Chef der Freien Wähler im Bayerischen Landtag war 2014 zu Gast in Gnodstadt. Eine gewisse sprachliche Ähnlichkeit ist vorhanden, stellen viele fest. Eine politische ist nicht zu erkennen.

Und auch sonst verbindet die beiden eher wenig. Während Aiwanger in Gnodstadt eifrig politisch polterte, ist Heidl eher der ruhigere Typ. Seitenhiebe verteilt er kaum. Nur zwei Mal trifft es die Grünen. Einmal muss deren einstige Bundeslandwirtschaftsministerin, deren Namen Heidl längst vergessen hat, Kritik einstecken. Die andere kleine Spitze trifft Anton Hofreiter, der „gut bei den Passionsspielen in Oberammergau auftreten könnte“.

Dann wird der Bauernpräsident aber wieder fachlich. Es ist die „Wahrnehmung der Regionalität“, die Heidl als Riesenchance für die vielfältige Landwirtschaft sieht. „Regionale Produkte haben einen guten Ruf. Der Preis dafür ist gerechtfertigt“, ermuntert Heidl die Landwirte. Und er lobt die Verbraucher, die nach der europäischen Öffnung des Reinheitsgebotes für Bier eben nicht nach dem „ausländischen Glumb“ gegriffen haben. „Das ist im Regal stehen geblieben“, so Heidl. Dies zeige, dass Verbraucherstandards wie das bayerische Reinheitsgebot unverrückbar gelten müssen – auch international. Und der Bauernpräsident weiß: „Wenn's international über Deutschland reden, meinen die Leute Bayern.“

Im Saal wird es unruhig. Heidl ist eben kein Bierzeltredner, der alle mitnimmt. Braugerstenpreise interessieren eben nicht jeden. Erst als der Niederbayer über die „Riesenbürokratie“ beim Mindestlohn schimpft, die der Landwirtschaft aufgebürdet wird, horchen alle wieder auf. „Wir müssen die Politik zur Vernunft bringen“, fordert Heidl – und erntet Beifall.

Meinungen gehen auseinander

Bei den gut 400 Gästen gehen die Meinungen auseinander. Eine Dame am Gnodstadter Stammtisch, die ihren Namen nicht nennen will, fand den Redner gut. Dass es keine politische Polterrede war, hat sie nicht gestört. „Der Tag des Bieres war noch nie eine politische Veranstaltung“, sagt sie.

Auch Georg Stadelmann aus Gnodstadt fand Heidl gut. Rhetorisch als auch thematisch. „Man muss kein Franz Josef Strauß sein, um zu poltern“, sagt er. Andere sagen, das waren keine Themen für die breite Masse, die Heidl angesprochen hat. Die Atmosphäre vergangener Jahre habe gefehlt, sagen sie und blicken gespannt auf 2016. Dann will Sebastian Rank den 500. Jahrestag des bayerischen Reinheitsgebotes in Gnodstadt feiern. Hoffentlich zünftig – so wie immer eben.