Der Etwashäuser Gärtnermeister Bernhard Günther engagiert sich schon seit 36 Jahren im Kirchenvorstand der Stadtkirche Kitzingen. Jetzt hat er sich für eine siebte Amtsperiode aufstellen lassen. "Aus Dankbarkeit, weil ich noch die Kraft und auch die Energie dafür habe".

"Ich glaub. Ich wähl" - unter diesem Motto werden am Sonntag, 21. Oktober, in allen Evangelischen Kirchengemeinden der bayerischen Landeskirche neue Kirchenvorstände für die nächsten sechs Jahre gewählt.


Die Kirchenvorstände auf kirchlicher Ebene entsprechen im kommunalen Bereich etwa dem Gemeinderat oder dem Stadtrat. Etwa 144 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher werden es in den 21 Kirchengemeinden des Dekanats Kitzingen sein.

Sie tragen eine erhebliche Verantwortung. An erster Stelle steht die Sorge um das geistliche Leben und den Gottesdienst. Eine weitere Hauptaufgabe ist die Verwaltung. Die Verantwortung für das Personal der Kirchengemeinde, der Erhalt von Kirche, Pfarrhaus, Kindertagesstätte, Gemeindehaus und Friedhof nimmt in den Sitzungen viel Zeit in Anspruch. Manche Kirchenvorstände leiden auch unter diesen "Verwaltungsaufgaben". "Es ist oft sehr spannend, die Gemeinde mitzugestalten.

Wer in diesem Gremium mitwirkt, der hat auch was davon. Kirchenvorstände sind die Grundschulen der Demokratie", meint Dekan Hanspeter Kern schmunzelnd.


Die Arbeit kann aber auch jede Menge Spaß machen. Lustige Erlebnisse kann Gärtnermeister Günther aufzählen, vom jährlichen Schmücken der Stadtkirche zum Erntedankfest mit Gemüse und Feldfrüchten bis zum Holen von Bäumchen aus dem Wald für die Konfirmationen und Jubelkonfirmationen. "Heuer war sogar Dekan Kern selbst mit dabei, da unser Mesner Karl-Heinz Schilling wegen dem Eichenprozessionsspinner nicht mithelfen konnte".
Gemeinschaft wird für den humorvollen und rüstigen Bernhard Günther groß geschrieben - vermisst hat er eigentlich nur KV- Freizeiten, wie sie in manchen Gemeinden üblich sind. Zwei Mal hat er in diesen 36 Jahren die KV-Sitzungen nicht besucht - "da habe ich sie einfach vergessen", gesteht er ohne Umschweife.

In den Gremien treffen sehr unterschiedliche Menschen zusammen.


Es wird viel diskutiert und man lernt, Probleme miteinander zu bewältigen. Viele Kirchenvorstandsmitglieder arbeiten neben den Sitzungen, die meistens monatlich stattfinden, noch in verschiedenen Ausschüssen und Ämtern mit und bringen so ihre Gaben ein.
Bauangelegenheiten, Kindergartenfragen, Jugendarbeit, diakonische und missionarische Aufgaben, Kirchenmusik und Partnerschaftsarbeit sind die besonderen Schwerpunkte in den Gemeinden. Der Kirchenvorstand wirkt mit bei der Gestaltung der Gottesdienste und Gottesdienstzeiten, der Besetzung der Pfarrstellen, verwaltet das Vermögen, beschließt die Anstellung von Mitarbeitenden und legt die Dienstanweisungen fest. Er beschließt den Haushaltsplan und die Jahresrechnung sowie die Erhebung des Kirchgeldes.

Zum ersten Mal aufgestellt


Zum ersten Mal für die KV-Wahl hat sich die Pädagogin Christine Schirm-Cankaya aus Kitzingen aufstellen lassen. Die Kirche hat in ihrem Leben schon immer einen festen Platz gehabt - schließlich waren die Mutter und der Bruder auch schon im Kirchenvorstand. "Ich möchte, so wie es unser Regionalbischof Christian Schmidt in seinem Gottesdienst zur Dekanatssynode ausführte, die leeren Reihen der Kirche wieder mit neuem Leben füllen", erklärt sie. Falls sie gewählt werden wird, will sie sich für Jugendarbeit und Kirchenmusik einsetzen. Als langjähriges Mitglied des Posaunenchores der Stadtkirche und ehemalige Paul-Eber-Kantorei-Sängerin schlägt ihr Herz natürlich für die Musik.

"Manche Mitglieder der Kirchenvorstände sind schon seit vielen Jahren in diesem Leitungsgremium aktiv", berichtet Dekan Kern. Für ihn ein Zeichen, dass sie einerseits ein hohes Vertrauen genießen und andererseits selbst viel Freude an der Mitarbeit im Kirchenvorstand haben. "Mir fallen spontan mehrere Kirchenvorstandsmitglieder ein, die schon in der sechsten oder siebten Amtsperiode tätig sind. So lange ist heute kein Pfarrer mehr in einer Gemeinde."
Mit dem vermehrten Zeitaufwand hätte Christine Schirm-Cankaya keine Probleme: "Wenn man zur Kirche steht und gebraucht wird, dann tut man eben, was man kann!"

Wer darf wählen?
Wahlberechtigt sind alle Mitglieder einer Kirchengemeinde, die seit mindestens drei Monaten zur Gemeinde gehören, am Wahltag 16 Jahre alt sind oder am Wahltag 14 Jahre alt und bereits konfirmiert wurden.

Wie viele Mitglieder?
Die Anzahl der KV-Mitglieder richtet sich nach der Größe der Gemeinde, im Allgemeinen zwischen sechs und 15 Personen. In Kitzingen werden neun Personen gewählt werden und drei dazu berufen. Neu ist es, dass man sich auf bestimmte Zeit auch aus dem Gremium zurückziehen kann, um später wieder dazu zu gehören.

Wie ist die Besetzung?
Gewählt wird nur ein Teil des Kirchenvorstandes, ein weiterer - kleinerer - Teil wird von den neu gewählten Mitgliedern des Gremiums berufen. Auf diese Weise kann sich ein gewählter Kirchenvorstand selbst sinnvoll ergänzen. Aus seinen Reihen wird eine Vertrauensperson gewählt, die ein Bindeglied zwischen dem Vorsitzenden und den übrigen Kirchenvorstands-Mitgliedern sein wird.

Amtseinführung Die neuen Kirchenvorstände werden im Dekanat Kitzingen am 1.Advent in ihr Amt eingeführt.