Auch die Gemeinde Mainstockheim bewirbt sich mit einem eigenen Bewässerungskonzept für die Weinberge am Pilotprojekt der Staatsregierung zur dezentralen Bewässerung von fränkischen Weinbergslagen. Am Donnerstag stellten Vertreter der Entwicklungsbüros ihren Vorschlag bei großem Besucherandrang dem Gemeinderat vor, der anschließend einstimmig die Vorlage des Konzeptes in München beschloss.

"Mehrwert" – das ist das Zauberwort, das hinter dem Projekt in Mainstockheim steht. Denn nur alleine die Weinberge mit Wasser zu versorgen, das ist in der heutigen Zeit und bei den veranschlagten Kosten von knapp zehn Millionen Euro einfach zu wenig. Mehrwert, so Andrea Eick vom Büro Arz, könne nur dann erwirtschaftet werden, wenn das nötige Wasser oberflächig gewonnen werden kann und dann auch wieder dem Boden zugeführt wird. Deshalb wird für das Konzept Regenwasser und teilweise der Abfluss von Quellen genutzt. Der alte Trinkwasserbrunnen fällt aus, da er aus Grundwasser gespeist wird, das tabu ist.

Mainstockheim wäre auch vor Hochwasser besser geschützt

Durch die Sammlung und Speicherung des Oberflächenwassers in den Weinbergen könne die tiefer gelegene Gemeinde Mainstockheim zudem besser vor Hochwasser bei Starkregen geschützt werden. Weiterer Vorteile sind weniger Bodenerosion durch vollflächige Begrünung und damit auch ein geringerer Nitrateintrag.

Ein Speicher für das Wasser ist der Boden selber, wie Wolfgang Patzwahl vom Büro B.T.W. erläuterte. Feuchter Boden kann besser Wasser speichern, als trockener. Deshalb sollte mit einer regelmäßigen Bewässerung bereits begonnen werden "eh der Weinberg grün wird". Denn fällt dann Regen auf den Boden, ist der Oberflächenabfluss deutlich geringer. Ein ähnliches Projekt läuft in Volkach bereits seit zehn Jahren.

Um aber diesen Boden feucht zu halten, sind natürlich bauliche Maßnahmen nötig. Die Planung teilt die Mainstockheimer Weinbergsflur in zwei Bereiche: Nördlich des Ortes, oberhalb der Trinkwasserbrunnen und westlich entlang des Riedbachs. Der Vorteil: Die Planung der Bewässerung kann in zwei Teilabschnitten erfolgen. Grundsätzlich erhält jedes dieser Gebiete ein großes Speicherbecken, von dem aus die Bewässerung erfolgt, dazu kommen kleinere Pufferbecken.

Nur in Ausnahmesituationen auf Mainwasser zurückgreifen

Insgesamt, so die Berechnungen von Arz, sollte der Oberflächenabfluss für die Bewässerung ausreichend sein: Ermittelt wurden gut 44 000 Kubikmeter pro Jahr, benötigt werden gut 37 000 Kubikmeter, nur in Ausnahmesituationen sollte auf Mainwasser zurückgegriffen werden. Wie viele Winzer sich am Projekt beteiligen müssen, blieb offen. Eine entsprechende Frage beantwortete Patzwahl mit: "Je mehr, desto besser."

Die Kosten: Insgesamt umfasst die mögliche Bewässerungsfläche rund 73 Hektar Weinberge. Für die Struktur, also die Speicherbecken, die Pumpen und die nötigen Leitungen errechnet das Büro rund 8,7 Millionen Euro. Die Bewässerungskosten teilen sich in die Wasseraufbereitung für etwa 800 000 Euro und die Betropfungsleitungen im Weinberg selber mit 300 000 Euro auf. 50 Prozent dieser Kosten, bis zu einer Gesamtsumme von zehn Millionen Euro, trägt der Freistaat.

Mainstockheim nicht der einzige Bewerber

Wie der Rest finanziert wird, ist noch offen. Eine Möglichkeit wäre die Suche nach Investoren, eine andere die Gründung eines Wasserverbands, der dann das Wasser an die beteiligten Winzer verkauft. Und natürlich dürfte auch die Gemeinde Mainstockheim einen Anteil tragen – schon alleine der Hochwasserschutz ist einiges wert. Allerdings sind das wohl erst die nächsten Schritte, denn Mainstockheim ist nicht der einzige Bewerber für das Pilotprojekt.