Ortsbäuerin sucht Nachfolgerin

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Rosemarie Friederich liest die abgeblühten Blätter von den Geranien im Hof ihres Bauernhofes. Lange hat die Ortsbäuerin Buchbrunn und das Leben darin mitgeprägt ...
Siegfried Sebelka
Rosemarie Friederich hat sich mit Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar (links) vor dem Dorfladen in Buchbrunn getroffen, den die Ortsbäuerin auch unterstützt, wo sie kann. FOTO: Siegfried Sebelka
Siegfried Sebelka

„Es war eine lange, schöne Zeit." Rosemarie Friederich ist seit 35 Jahre Ortsbäuerin in Buchbrunn. Jetzt ist sie 69 Jahre alt und möchte aufhören.

Ich konnte in unserem Dorf als Ortsbäuerin einiges bewegen.“ Wer das von sich sagen kann, hat nicht alles falsch gemacht. Rosemarie Friederich ist Ortsbäuerin in Buchbrunn. Sie hat das 35 Jahre lang gemacht. Jetzt ist sie 69 Jahre alt und sucht eine Nachfolgerin.

Gelegenheit dazu bieten die alle fünf Jahre beim Bayerischen Bauernverband (BBV) anstehenden Neuwahlen. Wie die Kreisbäuerin Anette vom Berg-Erbar bei einem Treffen in Buchbrunn sagte, laufen die Wahlen bis zum Jahresende. Dann werden nicht nur die 105 Ortsobmänner des BBV im Landkreis neu gewählt, sondern auch die Ortsbäuerinnen.

Zu denen gehört Rosemarie Friederich. Seit 1981 war sie Stellvertreterin und dann Ortsbäuerin im 15 Frauen starken Ortsverband. 2015 erhielt sie das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. Damals würdigte Landrätin Tamara Bischof sie als eine Frau, „die das Gesellschaftsleben der Gemeinde deutlich belebt hat“. Sie habe Aktionen der Landfrauen organisiert, von Infoveranstaltungen über Angebote zum Basteln und Handarbeiten bis zu Spendenaktionen.

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Lange, schöne Zeit

„Alles im Leben hat seine Zeit“, sagte Friederich bei einem Treffen auf ihrem Hof und im Dorfladen: „Es war eine lange, schöne Zeit.“ Doch jetzt müssten Jüngere übernehmen, sagt sie und hofft, dass sich eine junge Frau bereit erklärt einzusteigen.

Sie kann ihr dazu nur raten. Friederich hat viel erlebt, bewegt und Freunde gefunden. Dabei hatte sie andere Pläne. Schneiderin oder Krankenschwester, das wäre ihre Sache gewesen. Geworden sind es die Schwestern. Sie als älteste wurde Bäuerin. Der Winterkurs nach der Berufsschule auf dem Hesselberg, hat ihr Leben geprägt. Und die Fortbildungen zu allen möglichen Themen. „Als Bäuerin kommt alles mal daran.“

Sie hat die Nähschule besucht, sie hat bei einem befreunden Gärtner in der Adventszeit geholfen, für die Gemeinde die Grünflächen und den Friedhof betreut und den Kirchenschmuck übernommen. „Ich versuche, Werte zu erhalten und Wertschätzung zu leben“, sagt sie und beruft sich auf den Vater, die Mutter und Oma als Vorbilder. Dass sie den richtigen Mann zur Hofübernahme bekommen hat, passt ins Bild.

Ein dickes Lob hat sie für das Fortbildungsangebot des Bauernverbands (BBV) und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AFLE). Von der Aufklärung über die Patientenverfügung bis zu Kochkursen und den Lehrfahrten – Friederich nimmt das Angebot wahr: „Man hat eine schöne Gemeinschaft.“ Auch in Buchbrunn habe sie einiges bewegen können. Die Landfrauen haben den Blumenschmuck ins Dorf gebracht und betreuen ihn.

Die Aktivitäten gehen aber auch über das Dorf hinaus. Für die Peru-Hilfe wurde ein Konzert veranstaltet. Für die Landfrauen ist es Tradition, die Rumänienhilfe von Elmar Karl (Bibergau) zu unterstützen. Dabei kann sich Friederich auf viele Hände verlassen.

Sie hat Freunde unter den anderen Ortsbäuerinnen gefunden. „Ein Anschreiben und es wird was Gutes daraus“, sagt sie. Man trifft sich beim Tanzkreis oder in der Strickgruppe, wo vor allem für Rumänien gestrickt wird. Der Besinnungstag in Münsterschwarzach und der Landfrauentag sind Veranstaltungen, die sie nicht missen möchte.

Der Anfang ist gemacht

Jetzt hat sie vor allem drei Wünsche. Da ist der nach der jungen Nachfolgerin. Dass in Buchbrunn die große Dorferneuerung endlich in die Gänge kommt, steht zudem ganz oben. Am Ende noch ein Wunsch, quasi in eigener Sache. Auch wenn in ihren Kuhstall bald die Lichter ausgehen werden. Sie hofft, dass irgendwann wieder Tiere auf den Hof kommen. Denn: „Ein Hof ohne Tiere ist für mich kein richtiger Bauernhof.“ Ein Anfang ist gemacht. Die Enkel haben mit Hühnern angefangen.