Eigentlich hatte sich der Stadtrat Prichsenstadt am Donnerstagabend mit dem Haushalt für das laufende Jahr befassen wollen. Doch Bürgermeister René Schlehr hatte den Punkt von der Tagesordnung genommen und mit der Neufassung des Finanzplanes für die kommenden vier Jahre ersetzt. Den hatte der Haupt- und Finanzausschuss vor einer Woche durchgearbeitet, und die Vorbereitung des Haushaltes wäre wegen der Änderungen im Finanzplan zu kurz gewesen. Nun soll der gesamte Finanzplan mitsamt Haushalt in der März-Sitzung verabschiedet werden.  

Durch die Änderungen erhöht sich der Finanzplan von 16,6 auf nunmehr 19,6 Millionen Euro, mit gravierenden Auswirkungen auf den Haushalt. Neu hinzugekommen sind etwa die Kanalsanierung der Kirchbergstraße in Stadelschwarzach (437 000 Euro), der Bau des Radweges von Prichsenstadt nach Neuses am Sand (650 000 Euro, davon 585 000 Euro Zuschüsse) und die Erschließung des Baugebietes Am Gehäg in Stadelschwarzach mit Straßenbau (352 000 Euro), Kanalbau (142 000 Euro) und Wasserleitungen (62 000 Euro). Die Erschließungskosten kommen durch Grundstücksverkäufe wieder rein. Und: dass bestimmte Geldbeträge für bestimmte Investitionen in den Haushalt einer Kommune eingestellt werden bedeutet nicht, dass das Geld auch ausgegeben werden muss.

Gemeinderäte wünschen sich mehr Radwege

Die Kanalsanierung in Stadelschwarzach sah Schlehr als notwendig an, wie er im Telefonat mit dieser Zeitung sagte. "Der Kanal führt zum neu geplanten Baugebiet Am Gehäg, und wir können nicht einen nicht-sanierten Kanal an der Kirchbergstraße mit einem frisch sanierten Kanal in der B22 verbinden", so sein Argument, "und ich kann auch nicht ein Neubaugebiet an einen sanierungsbedürftigen Kanal anschließen". Die Kosten für den Radweg von Prichsenstadt nach Neuses am Sand, basierend auf einem früheren Antrag von Ratsmitglied Alexander Schöpfel, "stehen auch erstmal nur kalkulatorisch im Finanzplan", so Schlehr. Grund ist das Förderprogramm des Bundes "Stadt und Land", und da könne noch niemand sagen, zu welchem Zeitpunkt welche Radwege gefördert werden können. Wünsche gibt es im Rat nach mehr Radwegen, "also habe ich diesen Radweg als Haushaltsansatz mit reingenommen".  

Auch in puncto Schulden zeigt die Kurve nach oben. Aktuell steht jeder Prichsenstädter rechnerisch mit 102 Euro in der Kreide (Landesschnitt bei vergleichbaren Orten: 580 Euro), doch spätestens 2023 geht es hoch auf 1041 Euro und 2024 gar auf 1213 Euro. Grund sind die vielen Investitionen, die sich der Rat auf die Fahne geschrieben hat.