Steffen Drescher macht kein Hehl aus seinen Gefühlen. „Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt er. Freudentränen waren es nicht. Die ausgefallene Session 2020/2021 macht den Narren im Landkreis zu schaffen.

Steffen Drescher hat den Fasching förmlich mit der Muttermilch eingesogen. Die Mutter war Büttenrederin, der Vater ebenfalls sehr aktiv. Der kleine Steffen stand schon mit fünf Jahren auf der Bühne. Kein Wunder, dass sich Steffen Drescher auch als Erwachsener engagiert. Als Vorsitzender der Dettelbacher Karnevalsgesellschaft hatte er sich auf diesen Dienstag gefreut.

„Es war halt richtig langweilig.“
Elmar Gimperlein über das Faschingswochenende

Der Landkreisfaschingsumzug sollte heuer durch die Dettelbacher Gassen ziehen. „Der Umzug ist existenziell für unsere Gesellschaft“, betont Drescher. Wenn sich die Narren nach dem Umzug noch einmal zum Feiern in der Maintalhalle treffen, generieren die Dettelbacher Einnahmen, die ihnen durch die kommenden drei Jahre helfen. Drescher hofft jetzt auf das kommende Jahr. Wie er diese Tage verbringt? „Leidend“, sagt er. Die Kultsendung „Fastnacht in Franken“ hat er zusammen mit seiner Frau auf Großleinwand in seinem Bistro „Peanuts“ geschaut. „Normalerweise ist die Bude voll“, sagt er. „Da kommen einem schon die Tränen.“

Geweint hat Elmar Gimperlein nicht am vergangenen Wochenende, das eigentlich den Höhepunkt der Faschingssession markiert. „Es war halt richtig langweilig“, sagt der Gesellschafts-Präsident des „Höpper-Elfer“ in Albertshöfer. Was er in diesen Tagen lernt: Fernsehen kann kein Ersatz für eine Veranstaltung mit Gardetänzen und Büttenreden sein. „Live ist live“, weiß Gimperlein, der am Samstag und Sonntag immer wieder mal einen Blick in den strahlend blauen Himmel geworfen hat. „Das war Kaiserwetter für Faschingsumzüge“, kommentiert er.

Am meisten vermisst Gimperlein die Begegnungen, die freundschaftlichen Kontakte zu anderen Vereinen und Elferräten, die sich im Lauf der Jahre aufgebaut haben. Er setzt jetzt auf das kommende Jahr und auf den 11.11.2021. Die Orden sind schon vorhanden und das Prinzenpaar steht fest. Das Corona-Faschingsjahr will Gimperlein mit närrischer Würde ertragen. „Wir müssen es über uns ergehen lassen.“

Eigentlich hätten Conny Müller und Veronika Braun in diesen Tagen etliche Auftritte. Die Solo-Tänzerinnen der Narrengilde Laub trainieren Monatelang auf diese Tage hin. „Schon traurig, dass nichts stattfindet“, sagt die 13-jährige Conny Müller. Immerhin: Online hält sie Kontakt zu ihrer Trainerin, die virtuelle Trainingsstunden anbietet. „Den Tänzern geht die Faschingszeit schon ab“, weiß Sabine Schwingler. Als Präsidentin der Narrengilde Laub hat sie schon viele turbulente Jahre erlebt. Bei den zwei Prunksitzungen ist der Saal immer komplett ausverkauft.

„Natürlich vermissen wir es alle, die Leute zum Lachen zu bringen.“
Dr. Rainer Müller, Sitzungspräsident KiKaG

„Das wäre in diesem Jahr undenkbar gewesen“, sagt sie. Fasching feiern und Abstand halten? Unmöglich. Im Oktober haben die Lauber ihre zwei Sitzungen abgesagt und eine Alternative für ihre Mitglieder gefunden. Per Skype haben sie Ausschnitte aus vergangenen Sitzungen geschaut und virtuell miteinander angestoßen. Auf Instagram wurden Bilder gepostet. „Nicht das Gleiche, aber ganz interessant“, kommentiert Schwingler, die einem ruhigen Faschingsjahr auch etwas abgewinnen kann. „Ich bin schon so lange im Geschäft, da tut das zur Abwechslung mal ganz gut.“

„Es fehlt etwas, aber es hat auch was Angenehmes“, kommentiert Ralf Schweiger das besondere Faschingsjahr 2021. Normalerweise bestehen diese Tage aus „purem Stress“, sagt der Geschäftsführer der Kitzinger Karnevalsgesellschaft. Jetzt seien die Tage mal ganz entspannt. Mit gutem Gewissen hätte man eh nicht feiern können. „Die Menschen haben wegen Corona doch ganz andere Sorgen“, sagt er.

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Dr. Rainer Müller. Einerseits hat er das ruhige Wochenende genossen. „Das ist ja sonst Stress pur“, erinnert der Präsident der Kitzinger Karnevalsgesellschaft. Andererseits vermisst er die Begegnungen. Müller hat rund 300 Faschingsorden bestellt, die an Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft verteilt werden. Die Mitglieder sollen ihn bei einem Sommerfest bekommen.

Am Montagnachmittag hat Müller innegehalten und an den sonstigen Höhepunkt der Faschingssaison, die Rosenmontagssitzung mit Verleihung des Schlappmaulordens, gedacht. „Natürlich vermissen wir es alle, die Leute zum Lachen zu bringen“, gesteht er. Im Fernsehen hat er sich einige Faschingssendungen angeschaut. „Aber ohne Publikum kommt die Stimmung nicht so rüber“, sagt er. Auch deshalb hat die KiKaG auf eine Online-Sitzung verzichtet.

Am meisten tun Müller die älteren Mitglieder leid, für die es in dieser Session überhaupt keine Möglichkeit zum Treffen und zum Austausch gab – kein Ordenskommers, keine Ehrungen, gar nichts. Hinter den Kulissen wird aber schon an der kommenden Session gearbeitet. Anfragen an Künstler sind schon rausgegangen – „die freuen sich, wenn sie nicht vergessen werden“ – und ein Nachfolger für Dr. Markus Söder als Schlappmaul will auch gefunden werden. „Wir haben schon Ideen und einige Anfragen gestellt“, verrät Müller, der sich jetzt schon auf den 28. Februar 2022 freut. „Wenn Markus Söder als Bundeskanzler eine Rede für seinen Schlappmaul-Nachfolger hält“, sagt er mit einem Grinsen.