Förster Achim Volkamer lädt kleine und große Waldfreunde an diesem Donnerstag zur Hirschkäfer-Rallye ein.
Neben jeder Menge Weinreben gibt es in Sulzfeld am Main auch viele Eichen. „Das freut die Hirschkäfer, die sich im Gemeindewald richtig wohl fühlen“, weiß Förster und Revierleiter Achim Volkamer. Derzeit ist die Schwärmzeit. Insbesondere am Abend kann man die größten europäischen Käfer mit etwas Glück fliegen sehen. Und hören.
Wenn Hirschkäfer ausschwärmen, klingt es, als wären Miniatur-Hubschrauber am Himmel unterwegs. „Brummer“ ist also im doppelten Sinn ein passendes Wort für die stattlichen Insekten. Ihren eigentlichen Namen haben die Hirschkäfer den bei den Männchen geweihartig vergrößerten Mandibeln (Oberkiefer) zu verdanken.
Eine stark gefährdete Art
„Der Hirschkäfer braucht Orte, an denen es warm und hell ist und wo er verrottende Baumstümpfe findet, um dort eine Kinderstube anlegen zu können“, erklärt Förster Volkamer. „Er lebt am liebsten in alten Eichenwäldern, mag aber auch Obstbäume, zum Beispiel alte Streuobstwiesen.“ In „aufgeräumten“ Wäldern findet er zu wenig Mulm – sich langsam zersetzendes Holz –, um sich vermehren zu können. Das hat dazu geführt, dass der Hirschkäfer in Deutschland als stark gefährdete Art gilt (Rote Liste, Stufe 2). Auch EU-weit steht er unter besonderem Schutz. Deshalb hat Achim Volkamer mit dem Sulzfelder Heimat- und Ortsverschönerungsverein sowie der Wasserwacht auf einer sonnigen Anhöhe im Sulzfelder Klingenwald zwei Hirschkäfer-Meiler angelegt.
Diese Meiler sind mehrere Quadratmeter groß. Damit sie weit genug in den Boden reichen, wurde das Erdreich mit einem Minibagger ausgehöhlt. In die Mulde legten die Tierfreunde morsche Wurzelstöcke, die sie mit Erde, Rinde, Holzresten und Ästen bedeckten. „Das ist der ideale Platz für die Eier, von denen ein Hirschkäferweibchen bis zu 100 ablegt. Sie entwickeln sich etwa 25 Zentimeter unter der Erdoberfläche zu Larven, die sich von morschem, verpilztem Holz ernähren“, erklärt Förster Volkamer.
Kirschsaft als Zaubertrank
Drei bis acht Jahre dauert es, bis die Larven sich zweimal gehäutet haben, zehn bis zwölf Zentimeter groß sind und sich dann verpuppen, um im nächsten Frühsommer als fertige Käfer aus dem Boden zu krabbeln. Eine ganz schön lange Zeit, wenn man bedenkt, dass das Leben der Käfer nur vier bis acht Wochen dauert. In dieser Zeit ernähren sie sich vom Saft verletzter Eichen und anderer Laubbäume, naschen aber auch gerne mal die eine oder andere Frucht, bevorzugt Kirschen. „Das ist für die Hirschkäfer wahrer Zaubersaft“, meint Achim Volkamer.
Zum „Saftlecken“ verwenden die Käfer ihre pinselartigen Mundwerkzeuge. Da die Baumsäfte häufig schon etwas vergoren sind, kann es vorkommen, dass die Tiere „betrunken“ herumtorkeln. Manche werden dann von Spechten, Baumfalken, Krähenvögeln oder Eulen als willkommene Eiweißquelle aufgepickt und verspeist.
Die Trinkstellen sind zudem beliebte Hirschkäfer-Rendez-vous-Plätze. Die Männchen, die bis zu neun Zentimeter lang werden können, kommen aus bis zu fünf Kilometern Entfernung angeflogen, um zu trinken und ein Weibchen für sich zu gewinnen. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Der Kampf um die Auserwählte kann Tage dauern und zehrt die Männchen manchmal derart aus, dass sie schon wenig später ermattet sterben. Doch mit den befruchteten Eiern, die das Weibchen ablegt, ist ja die nächste Generation schon angelegt.