Taubenplage in Kitzingen? Weit entfernt von Venedig!

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Taubendreck auf der Fensterbank: Für Jürgen Wolfarth, Anlieger am Kitzinger Marktplatz, kein seltener Anblick. Fotos: Wolfarth
Jürgen Wolfarth
Die Gesimse am Marktplatz sind immer wieder voll mit Taubendreck.
Jürgen Wolfarth

Vor sieben Jahren startete das Kitzinger „Taubenprojekt“. Die Stadt verweist auf sichtbare Erfolge. Ein Anwohner des Marktplatzes hat eine andere Meinung

„Weder am Mainufer noch am Marktplatz finden sich Scharen von Tauben, die nach Essen suchen.“ So stand es vor ein paar Tagen in der Zeitung. Jürgen Wolfarth wunderte sich darüber. Wolfarth wohnt direkt am Marktplatz. Er macht ganz andere Beobachtungen. Fensterbänke und Gesimse, die von Taubendreck verunreinigt sind, beispielsweise. Die Stadt bleibt jedoch bei ihrer Version. Und führt gewichtige Argumente ins Feld.

Frank Winterstein kann sich noch gut erinnern. Vor zehn Jahren war Kitzingen nicht nur für den Falterturm und das Rathaus bekannt. „Der Marktplatz ähnelte auch ein wenig dem Markusplatz in Venedig“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes in Kitzingen. Massen an Tauben bevölkerten die Innenstadt. Das Kitzinger Taubenprojekt hat dem ein Ende bereitet.

Drei Maßnahmen wurden 2013 beschlossen: ein Fütterungsverbot, die damit einhergehende Aufklärung der Bürger und die Ansiedlung der Vögel in extra Schlägen, die genau kontrolliert werden. In Harald Knott fand die Stadt einen engagierten Mitstreiter. Seit sieben Jahren betreut er das Projekt, füttert die Tauben täglich, versorgt sie mit frischem Wasser und ersetzt ihre Eier durch Attrappen.

„Tauben bringen keine Krankheiten.“
Harald Knott, Taubenprojektbetreuer

Im Rathaus begann das Projekt. Unter dem Dach wurde ein Taubenschlag eingerichtet. Nach zwei Jahren musste das Projekt gestoppt werden. Eine Mitarbeiterin hatte ihre gesundheitlichen Probleme mit dem Taubenschlag in Verbindung gebracht. Knott schüttelt noch heute den Kopf. „Tauben bringen keine Krankheiten“, sagt er und führt Mitglieder seines Taubenzüchter-Vereins als Beweis an. „Da gibt es über 90-Jährige, die gesund sind, obwohl sie seit Kindesbeinen an mit Tauben zu tun haben.“

Wie auch immer: Die Tauben vom Rathaus mussten umziehen. Kein einfaches Unterfangen. „Tauben sind sehr standorttreu und bleiben normalerweise dort, wo sie geboren wurden“, erklärt Knott. Genau das verursacht momentan Probleme in der Kitzinger Badgasse. Dort ist ein Loch in einem Dachboden zugenagelt worden. „Jetzt sitzen die Tauben vor dem Loch und scheißen alles voll“, sagt Knott.

Auch an den Fenstersimsen am Marktplatz beobachtet Jürgen Wolfarth immer wieder Taubendreck. Sieben Mal habe er eine Fensterbank von kleinen Zweigen und Stöcken reinigen müssen. „Die legen die Tauben dahin, damit ihre Eier nicht runterfallen“, hat er beobachtet.

Punktuell werde es immer wieder Probleme geben, bestätigt Frank Winterstein vom Ordnungsamt und verweist auf das ehemalige Foto-Studio Koch in der Schweizergasse. Durch eine kaputte Scheibe sind dort immer wieder Tauben ein- und ausgeflogen. „Zum Glück gab es innen doch keine große Ansiedlung.“

Weder am Marktplatz noch am Mainufer finden sich viele nach Essen suchende Tauben. Das Fütterungsverbot habe auch positive Auswirkungen auf die Entenpopulation. Davon ist Frank Winterstein überzeugt. Die Enten machen sich ebenfalls deutlich seltener auf Essenssuche. Der unschöne und lästige Tauben- und Entenkot habe sich durch die eingeführten Maßnahmen bereits deutlich reduziert– auch wenn es immer wieder Fälle wie die am Marktplatz geben kann.

Insgesamt sei das Projekt, das vor sieben Jahren startete, jedoch ein voller Erfolg, versichert Winterstein. Derzeit gibt es zwei große Taubenschläge in der Stadt. Einer befindet sich seit 2016 in einem Brückenpfeiler der Alten Mainbrücke. Seit zwei Jahren gibt es einen weiteren im Dachgeschoss eines Gebäudes in der Marktstraße. Etwa 1500 bis 2000 Tiere betreut Harald Knott pro Taubenschlag. Ein weiterer wäre durchaus wünschenswert, dorthin könnten dann auch diejenigen Tiere umgesiedelt werden, die derzeit in der Badgasse und am Marktplatz zu beobachten sind.

Taubenprojekt in Kürze

Suche: Derzeit sucht die Stadt nach weiteren Standorten für eine Taubenunterkunft und bittet die Bürger um Unterstützung. Aufgelassene Dachböden im Innenstadtbereich sind besonders bevorzugt. Meldung unter Tel. 09321/203104 oder per Email sicherheit@stadt-kitzingen.de

Keine Nistmöglichkeiten: Neben der Suche nach neuen Standorten ruft die Stadt die Bürger dazu auf, mögliche Nistmöglichkeiten an ihren Häusern zu verschließen.

Helfer: Das Kitzinger Taubenprojekt ist nur durch die tatkräftige Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern möglich. Jährlich wendet die Stadt rund 3500 Euro für Taubenfutter auf.