Endlich wieder zusammensitzen, plaudern, lachen, singen: Nach mehr als einem Jahr Corona-bedingter Pause durften sich die Willanzheimer Senioren kürzlich endlich wieder in größerer Runde treffen. „Die Geselligkeit hat gefehlt“, sagen die Mitglieder über die letzten Monate – eine Aussage, die viele Menschen im Landkreis Kitzingen sofort unterschreiben würden.

„Der für den 22. April 2020 vorgesehene Seniorennachmittag entfällt.“ Säuberlich mit Hand geschrieben, ist dieser Satz unten auf einem liebevoll gestalteten Brief zu lesen. Was Ilse Wolbert nicht ahnen konnte, als sie das Schreiben verfasste: Es werden noch viele weitere Absagen folgen müssen in den nächsten Monaten. Erst ein Jahr und drei Monate später ist es möglich, zum nächsten Beisammensein einzuladen.

Viele Einschränkungen

Der Ort könnte passender nicht sein: Mitten im Weinparadies, in der Weinstube Kernwein in Seinsheim, sitzen ältere Frauen und Männer aus Willanzheim, Tiefenstockheim und Iphofen sowie eine Seniorin aus Oberscheinfeld beisammen und lauschen den Begrüßungsworten von Ilse Wolbert. Sie hat mit dem Gesundheitsamt geklärt, ob das Treffen stattfinden darf, was erlaubt ist und was nicht. Die zurückliegenden Monate seien nicht leicht gewesen, sagt die Leiterin der Runde. Es habe viele Einschränkungen im gesellschaftlichen, aber auch im kirchlichen Leben gegeben. „Kein Händedruck, keine Umarmungen, keine Besuche.“ Nicht nur ihr ist bei diesen Worten anzusehen, wie sehr das alles gefehlt hat über Wochen, Monate, mehr als ein Jahr. Sie dankt Pfarrer Popp, der auch während der Pandemie Alte und Kranke besucht habe, ihnen Mut zugesprochen und ihnen zugehört habe. „Sie haben damit den Älteren das Gefühl gegeben, dass sie in dieser schwierigen Zeit nicht allein sind.“

Ein Zeichen, das über all die Zeit auch von Ilse Wolbert selbst kam. Denn jenem ersten Schreiben vom April 2020 folgten viele nach. Jeden Monat erhielten die Senioren einen Rundbrief – mit persönlichen Gedanken, Gedichten, Liedern. Sie habe sich überlegt, was sie beitragen kann, damit die Senioren Wertschätzung und Verbundenheit spüren, sagt die Willanzheimerin. „Das war mein Beitrag in dieser Pandemie. Das war mir eine Herzensangelegenheit.“ Wie gut das bei den Leuten angekommen ist, hat sie an den Anrufen gemerkt, die nach Verteilung bei ihr eingingen. „Manche haben jedes Mal angerufen.“

In ihren Rundbriefen hat sich Wolbert an den Jahreszeiten orientiert – und am Kirchenjahr. Denn viele der Mitglieder sind regelmäßige Kirchgänger – dass Gottesdienste nur unter Einschränkungen gefeiert werden konnten, der gemeinsame Gesang lange nicht möglich war, das hat den Senioren zusätzlich zugesetzt. Statt wie üblich nach dem Gottesdienst noch vor der Kirche in kleinen Gruppen zu plaudern, ging jeder schnell nach Hause, verunsichert, auf Sicherheit bedacht. „Viele haben sehr gelitten“, sagt Ilse Wolbert. Vor allem jene, die runde Geburtstage hatten, gerne im großen Kreis gefeiert hätten, mit der Familie, aber auch mit gleichaltrigen Freunden und Bekannten. „Diese Leute habe ich angerufen und ihnen zur vereinbarten Zeit ein Geschenk vor die Tür gestellt.“ Durchs offene Fenster wurde kurz geplaudert, mehr war kaum möglich. Sich gegenseitig schützen, sei das Ziel gewesen, deshalb wurde Abstand gehalten und auf Treffen verzichtet. Aber wichtig sei auch, sich gegenseitig aufzumuntern, Verständnis zu haben, das Positive zu sehen. „Da müssen wir eben jetzt durch“, sagt Wolbert. Und gemeinsam gehe das nun mal leichter.

Die meisten Senioren, die dem Kreis angehören, sind in die Familie integriert, das helfe. Noch schwieriger sei es für Alleinstehende, wenn der Partner schon verstorben sei. „Und vor allem für die Leute in Altenheimen.“ Regelmäßig besucht Ilse Wolbert dort Bewohner, auch das nicht möglich während der Pandemie.

Als im Juli die Einladung zum Sommerfest kam, hat keiner der Senioren gezögert, sie anzunehmen. „Gott sei Dank darf man sich wieder treffen“, war vielmehr die Reaktion. Endlich wieder Gelegenheit, miteinander zu feiern, gemeinsam Zeit zu verbringen. Und die Senioren nutzen die Gelegenheit, sich bei Ilse Wolbert für ihre Briefe zu bedanken. „Sie hat immer etwas Schönes geschrieben“, sagt Hannah Schmitt, die seit langem regelmäßig zum Seniorentreff kommt. „Es ging ans Herz“, meint Lenchen Braun. Viele haben die Briefe nicht nur gespannt erwartet, sondern auch jedes Exemplar aufgehoben. Darüber tauscht man sich aus beim ersten „echten“ Treffen und über vieles andere, die Laune ist gut, die Zeit vergeht wie im Flug. Denn was sagt Hedwig Blaß über das regelmäßige Treffen im Seniorenkreis: „Wenn man mal mit trüben Gedanken hingeht, sind sie weg, sobald man hier angekommen ist.“