Die Bundesregierung macht Ernst in Sachen Wasserstoff-Technologie. „Gemeinsam mit der Industrie haben wir für Forschung, Entwicklung und Demonstrationsvorhaben bis ins Jahr 2016 rund 1,4 Milliarden Euro bereitgestellt“, erläuterte Staatssekretärin Dorothee Bär. Alleine für die Förderung der Wasserstoff-Tankstelle in Geiselwind sind 1,2 Millionen Euro geflossen. Sie ist die erste von insgesamt 50, die bis Ende des Jahres in den Metropolregionen und entlang der Hauptverkehrsachsen entstehen sollen. Bis ins Jahr 2023 soll es 400 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland geben. Die Notwendigkeit steht für Bär außer Frage: „Es gibt nichts Schlimmeres als eine neue Technologie, für die es keine ausreichende Infrastruktur gibt.“ Der Standort Geiselwind sei deshalb geradezu ideal, verknüpft er doch die Großstädte Stuttgart, Frankfurt und München.

Forschung läuft seit vielen Jahren

Der Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoff-Infrastruktur geht einher mit dem geplanten Markthochlauf von Brennstoffzellenfahrzeugen verschiedener Hersteller. Erst kürzlich hat Toyota sein Modell Mirai vorgestellt, das seinen Elektromotor mit Wasserstoff antreibt. Binnen vier Wochen sind immerhin 1500 Exemplare bestellt worden. Bis zum Jahr 2017 sollen die Kapazitäten auf 3000 Neuwagen hochgefahren werden. Auch andere namhafte Automobilhersteller forschen seit vielen Jahren in Sachen Wasserstoff-Technologie. Daimler seit den 90er Jahren. Der Großkonzern hatte eine Serienreife bereits für das Jahr 2004 angekündigt. Immerhin: vor vier Jahren demonstrierte das Unternehmen die Zuverlässigkeit der Technologie, als zwei Fahrzeuge zu einer Weltumrundung aufbrachen und nach 125 Tagen wieder unversehrt in Stuttgart ankamen. Jetzt soll das erste Daimler-Fahrzeug, das mit Wasserstoff betrieben wird, im Jahr 2017 Serienreife erlangen.

„Die Vernetzung der nationalen Wasserstoff-Infrastruktur ist der Erfolgsfaktor für die Markteinführung von Elektrofahrzeugen mit Brennstoffzelle“, betonte Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter der Abteilung Konzernforschung und Nachhaltigkeit bei Daimler. Der Autokonzern beteiligt sich an der Finanzierung der ersten 20 Tankstellen, was Prof. Kohler als Signal verstanden wissen will. „Es gibt keinen Weg, der an dieser Technologie vorbei führt“, betonte er. Zumal die Technologie jetzt ausgereift sei. Die Reichweite von Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen liegt aktuell bei rund 400 Kilometern und wird in Kürze auf rund 550 Kilometer steigen. „Und die Betankungszeit dauert auch nicht viel länger als bei Dieselfahrzeugen.“

Das weltweit operierende Gas- und Engineeringunternehmen „Linde Group“ hat bei der Technologie enorme Fortschritte gemacht. „Die Tankstellen sind immer kleiner geworden“, erklärte Markus Bachmeier. Tatsächlich ähnelt die Zapfsäule in Geiselwind einer ganz normalen Benzin- oder Dieseltanksäule. Vier bis sechs Fahrzeuge pro Stunde können dort betankt werden. Der große Tank, der rund 30 Meter in die Höhe ragt, fasst 250 Kilogramm Wasserstoff. „Mit einem Kilogramm Wasserstoff fährt ein Auto rund 100 Kilometer weit“, erklärte Bachmeier.

19 Unternehmen aus der Automobilbranche, der Gase-Industrie, der Energiewirtschaft und dem öffentlichen Personennahverkehr haben sich vor Jahren zum Projekt CEP zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Wasserstoff als Kraftstoff in Deutschland etablieren. Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur unterstützt dieses Ziel, an dem laut Staatssekretärin Dorothee Bär kein Weg vorbei führt. Vor allem dann nicht, wenn der Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann.

„CO2-neutrale Antriebsarten gewinnen immer mehr an Bedeutung“, bestätigte Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber. Die Bundesregierung steht diesbezüglich – wie die anderen Staaten in der EU – unter Zugzwang. Eine EU-Vorgabe besagt, dass der CO2-Ausstoß bis ins Jahr 2050 um 80 Prozent gesenkt werden muss.

Der Startschuss in Geiselwind markiert für Dorothee Bär den Beginn der Markteinführung für Wasserstoffmobilität. Wie schnell eine neue Technologie Fuß fassen kann, verdeutlichte Dr. Weisgerber anhand eines Beispiels. Vor 15 Jahren habe kaum jemand digital fotografiert, heute sei es längst Standard. „Wenn es bei der Wasserstoffmobilität ähnlich läuft, wäre das auch ein großer Schritt für den Innovationsstandort Deutschland.“

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Wie das Handelsblatt berichtete, werden die Anfangsinvestitionen für ein flächendeckendes Tankstellennetz in Deutschland auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Und der Leiter des CAR-Institutes der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer wird im gleichen Blatt mit folgender Einschätzung zitiert: „Die Marktchancen für die nächsten zehn bis 15 Jahre sind gleich Null.“