„Himmliche Mittagspause“ am 10. Juni: Hobbyastronom Florian Bleymann gibt Tipps, wie man die „angeknabberte Sonne“ gefahrlos betrachten und fotografieren kann.
Die Urgewalt der Natur auf der einen Seite – vollkommene innere Ruhe auf der anderen. Es sind die Gegensätze, die Florian Bleymann faszinieren. Der Elektro-Ingenieur ist ein Mann der Zahlen, der Naturgesetze, der Mathematik und Physik. Und zugleich erdet ihn nichts mehr, als in aller Ruhe einfach stundenlang in den Himmel zu schauen. Der Franke ist Hobby-Astronom und -Fotograf. Naturphänomene wie Gewitter, Sonnen- und Mondfinsternisse, Wetterleuchten und Wolkenformationen begeistern ihn. Zur partiellen Sonnenfinsternis (Sofi), die am 10. Juni auch in Franken zu sehen sein wird, gibt er Tipps, wie man die „angeknabberte“ Sonne gefahrlos beobachten und fotografieren kann.
„Allgemein spricht man von einer Finsternis, wenn der Schatten eines Himmelskörpers auf die Oberfläche eines anderen trifft. Die kosmische Lichtquelle ist in unserem Fall die Sonne“, erklärt der Franke. „Bei einer Sofi fällt der Schatten des Mondes auf die Erdoberfläche. Der Mond befindet sich dann zwischen Sonne und Erde.“
Phänomen von 11.30 bis14 Uhr zu sehen
In Deutschland werden heuer nur wenige Prozent der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt – im Norden mehr als im Süden. In Franken kann man etwa von 11.30 bis 14 Uhr beobachten, wie sich der Neumond zwischen Erde und Sonne schiebt. Es wirkt, als ob ein Stück der Sonne – je nach Region zehn bis 15 Prozent – abgebissen würde. „Wenn man nicht darauf achtet, wird man das nicht groß bemerken“, sagt Florian Bleymann, der bei den fränkischen Hobbyastronomen vom „Forum Stellarum“ aktiv ist. „Aber wenn man mit einer Schutzbrille in die Sonne schaut, ist das schon ein Erlebnis.“
Ganz wichtig ist: „Niemals direkt in die Sonne schauen! Schon gar nicht mit einem Fernglas oder Teleskop ohne speziellen Sonnenfilter, sonst drohen bleibende Augenschäden. Man kann sogar ganz erblinden.“ Auch handelsübliche Sonnenbrillen schützen nicht ausreichend, betont Bleymann, „ebensowenig wie berußte Gläser, CDs, schwarze Filmstreifen, Solarienbrille oder Verpackungsfolien“. Wer gefahrlos auf unser Zentralgestirn schauen will, der brauche eine sogenannte Sonnenfinsternisbrille.
Die nächste "Sofi" in Deutschland? 2081
Florian Bleymann hat seine „Sofi-Brille“ bereits 2015 „eingeweiht“, als er die damalige partielle Sofi von zuhause aus beobachtete. Sein Teleskop ist ebenfalls mit einem Filter ausgerüstet. „Ich hoffe, dass das Wetter passt. Dann macht das Beobachten auch Spaß, wenn die Sonne nur zu einem kleinen Teil bedeckt wird.“ Was in 150 Millionen Kilometern Entfernung passiert – so weit ist die Sonne von der Erde weg – beziehungsweise in 380 000 Kilometern (Distanz Erde – Mond) rückt durch ein gutes Teleskop sozusagen in greifbare Nähe. Bei astronomischen Entfernungen: Das Licht, das in der Sekunde 300 000 Kilometer zurücklegt, braucht von der Sonne bis zur Erde acht Minuten!
Die nächsten beiden totalen Sofis in Europa werden übrigens 2026 und 2027 in den Pyrenäen beziehungsweise in Spanien zu sehen sein. In Deutschland wird die Sonne erst im Jahr 2081 wieder vollständig vom Mond verdeckt werden. „Da wäre ich 97, und wenn ich nicht viele Enkel habe, die mich rausschleppen…“, sinniert Bleymann.
Er geht lieber auf Nummer sicher und setzt auf die Sofi 2026. „Vom Forum Stellarum aus fahren bestimmt zehn Leute runter nach Spanien“, schätzt Florian Bleymann. Er selbst will natürlich auch live dabei sein.