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KITZINGEN

Reaktionen auf Schließung des Museums fallen emotional aus: „Unbegreiflich“ und „beschämend“

Im Netz und per Leserbriefen äußern Kitzinger ihr Unverständnis
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Ab sofort dauerhaft geschlossen: Um diese Entscheidung des Kitzinger Stadtrates gibt es viel Wirbel. Per Telefon, Leserbriefen und Kommentaren im Internet melden sich viele Bürger zu Wort. Foto: Foto: Ralf Dieter

Die Wellen schlagen hoch. Unmut macht sich breit. Die endgültige Schließung des Städtischen Museums sorgt für Unverständnis. Per Leserbrief, Anruf in der Redaktion und Post in den sogenannten sozialen Medien melden sich Stadt- und Landkreisbewohner zu Wort.?Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling ist auch fünf Tage nach dem Stadtratsbeschluss, den Museumsbetrieb vollständig einzustellen, fassungslos. „Ich wusste von nichts“, sagt er. Grundsätzlich werde er bei wichtigen Entscheidungen wie der Erweiterung des Rathauses oder dem Bau des Hotels am Main rechtzeitig und umfassend eingebunden. In Sachen Museum habe ihn niemand informiert. „Das ist schon sehr erstaunlich“, wundert sich Dr. Knobling und bekennt: „Ich fühle mich übergangen.“

Das Museum bezeichnet er als historisches Gedächtnis der Stadt, dessen Aufgabe auch darin bestehe, die Geschichte der Stadt zu ordnen, wichtige Zeitzeugnisse zu inventarisieren und wissenschaftliche Publikationen zu veröffentlichen. „All das wurde geleistet“, versichert er. Dass die Besucherzahlen in den letzten Jahren nicht zufriedenstellen konnten, leuchtet ihm ein. „Aber das ist in Nürnberg oder Würzburg nicht anders.“

„Ich fühle mich übergangen.“
Dr. Harald Knobling, Stadtheimatpfleger

„Kein Museum der Welt ist rentabel“, schreibt Elvira Kahnt in ihrem Leserbrief. Es diene vielmehr den Bürgern einer Stadt oder eines Landes zur Bewahrung ihres Erbes, ihrer Besonderheiten, fügt die ehemalige Stadträtin an und betont: „Nur durch die Geschichte, auch der nächsten Umgebung, können wir uns die Gegenwart erklären und die Zukunft gestalten.“ Kahnt befürchtet, dass dem Museum andere kulturelle Einrichtungen folgen werden, die nicht genug „abwerfen“. „Oder vielleicht auch unbequem geworden sind.“ Eine ähnliche Befürchtung hatte ihre Parteikollegin und Kulturreferentin Dr. Brigitte Endres-Paul schon in der Stadtratssitzung geäußert. Auf Facebook legt sie nach. Die Schließung des Museums sei der erste Schritt zur Abschaffung des kulturellen Lebens in Kitzingen. „Weitere werden folgen.“ Eine Einschätzung, die OB Stefan Güntner bereits am Tag nach dem Stadtratsbeschluss im Gespräch mit dieser Zeitung als völlig falsch darstellte. Die Kultur sei auch für ihn ein wichtiger Faktor im Leben der Stadt. Er wolle sie keinesfalls zerschlagen. Bernhard Ziegler mahnt die Stadt in seinem Leserbrief dennoch an, in Zukunft sehr vorsichtig zu sein mit dem Umgang des Wortes „Kultur“ – insbesondere in Bezug auf die Eigenwerbung. Der Mehrheit der Kitzinger wird die dauerhafte Schließung des Museums wohl egal sein, vermutet er. „Ich meine aber, dass die Abwicklung des Museums auch dem Ruf unserer Stadt Schaden zufügt.“

Ähnlich sieht das Christine Jenike. „Es gibt kaum eine Stadt in der Größenordnung Kitzingens, die sich so unter Wert verkauft“, moniert sie auf Facebook. Dabei hätte man mit einem entsprechenden Konzept, das zum Teil ja schon existiert, und entsprechender Werbung eine Touristenattraktion für Kitzingern schaffen können. Eine Attraktion, die Kitzingen dringend nötig habe.

„Kein Museum der Welt ist rentabel.“
Elvira Kahnt, ehemalige Stadträtin der SPD

Als „einfach beschämend“ bezeichnet Karin Böhm das Vorgehen rund um die Schließung des Stadtmuseums und fragt: „Wie kann eine Stadt in der Größe Kitzingens sich anmaßen, die Schließung eines Museums der Kitzinger Stadtgeschichte ohne Beteiligung der Bürger selbstherrlich zu entscheiden?“ Auch Rudi Krauß findet diese übereilte Vorgehensweise „sehr beschämend.“ Gerade für eine Stadt wie Kitzingen, die darauf hofft, das Staatsarchiv zu erhalten. „Unbegreiflich“, findet Liane Thau den Vorgang. So viele kleinere Orte leisten sich ein Museum. Das Gleiche gelte für eine Mehrzweckhalle. Ihr Fazit: „Kitzingen fällt zurück!“

Jürgen Wolfarth ruft in der Redaktion an und zeigt sich „hell empört und furchtbar entsetzt“ über die dauerhafte Schließung. Er war öfters im Museum, hatte die Reise in die Vergangenheit genossen und geplant, dem Museum seine mehr als 120 Jahre alte Plattenkamera aus Holz mit historischem Zubehör als Dauerleihgabe zu überlassen. Was jetzt damit wird, weiß er nicht.

Für Katharina Orlob hat die Kultur in Kitzingen offenbar ausgedient. „Noch dazu wurden die Bürger mit schönen Worten und leeren Versprechungen geblendet, um Stimmen zu sammeln.“ Während des OB-Wahlkampfes war von keinem Kandidaten die Schließung des Museums angekündigt worden. Auch nicht vom Wahlgewinner Stefan Güntner. Der muss sich jetzt, zusammen mit Hauptamtsleiter Ralph Hartner, um die Abwicklung des Museums kümmern. Für Stadtheimatpfleger Dr. Harald Knobling ist vorrangig, dass ein geeignetes Depot gefunden werden muss, in dem die Ausstellungsstücke sicher und trocken gelagert werden können. Man könne nicht alles aufbewahren, dürfe sich aber auch nicht von allen Zeugnissen der Vergangenheit trennen. Knobling kann sich vorstellen, dass einmal im Jahr in der Rathaushalle eine Sonderausstellung zu einem bestimmten Schwerpunkt in der Kitzinger Geschichte abgehalten wird. Das wäre eine kleine Alternative. „Aber die wird das Museum natürlich nicht ersetzen.“