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Marktsteft
Streit

"Wenn Städter aufs Land ziehen, gibts immer Ärger": Nachbarn streiten sich über Tierhaltung

Eine Kleintierhaltung mitten im Ort erzürnt den Nachbarn. Über Facebook macht er auf die Umstände aufmerksam. Aber hat er mit seinen Vorwürfen Recht?
 
Winterfest sind die „Walliser Schwarznasen“, die Jürgen Krauß auf seinem Grundstück hält. An der Haltungsform der Tiere übt sein Nachbar seit Wochen Kritik. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Es sind heftige Vorwürfe, die Paul Schäfer-Dominski über die sogenannten sozialen Medien verbreitet. In Marktsteft würden Tiere nicht artgerecht gehalten und verwahrlosen. Das Veterinäramt sieht die Sache anders. Der Besitzer der Tiere sowieso.

„Hier geht es vor allem um Emotionen“, sagt Bürgermeister Thomas Reichert, der die Fehde seit Jahren beobachtet. Im Ortskern, direkt am Fahrradweg, lebt Jürgen Krauß seit vielen Jahren. Mit Tieren ist er aufgewachsen. Früher gab es einen Stall voll mit Schweinen, angrenzend an sein Grundstück. Dort sind jetzt ein Wohnwagen und andere Gerätschaften geparkt. Paul Schäfer-Dominski hat den Stall gekauft. Über die Modalitäten haben beide Seiten unterschiedliche Ansichten. Die Kommunikation ist seither schwierig – um es vorsichtig auszudrücken.

Nachbar: "Kann die Augen bei so viel Leid nicht verschließen"

Vom ehemaligen Stall und der Freifläche davor hat man Einblick in das Grundstück von Jürgen Krauß. Landwirtschaftliche Geräte stehen dort herum, Kisten und Holzpaletten. Besonders aufgeräumt wirkt es nicht, das gibt auch der Besitzer zu. Aufräumen müsse er mal, aber dass er seine Tiere schlecht behandle, sei üble Nachrede. Eine Anzeige will er deshalb bei der Polizei aufgeben.

Seit Anfang November macht Paul Schäfer-Dominski mit Bildern und Videos per Facebook auf die – seiner Meinung nach – untragbaren Zustände aufmerksam. Sein Vorwurf: Die Tiere vegetierten vor sich hin, bekämen nicht genug zu trinken und zu essen, stünden in den eigenen Exkrementen. Gerade in den letzten Tagen, bei den kalten Temperaturen, hätten sie jämmerlich gefroren, weil nicht genügend Stroh da gewesen sei.

Der Dachdeckermeister aus Kitzingen hat mehrfach das Veterinäramt angeschrieben und kürzlich auch die Polizei kontaktiert. „So geht es nicht weiter“, schimpft er. „Ich kann die Augen bei so viel Leid nicht verschließen.“ Auch für Bürgermeister Thomas Reichert ist eine Grenze überschritten. Als „Zumutung für den Ort“ bezeichnet er die Tierhaltung. Immer wieder seien Hühner ausgebüxt und auf der Straße umhergeflattert. Mit dem Bau- und Ordnungsamt sei er schon häufiger in Kontakt gewesen. Einige Schreiben seien rausgeschickt worden. „Aber letztendlich haben wir keine rechtlichen Grundlagen, etwas zu ändern“, sagt er und formuliert eine Binsenweisheit. Grundsätzlich sei es immer gut, sich in die jeweiligen Situationen hineinzudenken. Gesagt, getan. Jürgen Krauß denkt nämlich in eine ganz andere Richtung.

Betroffener: "Wenn Städter aufs Land ziehen, gibt es immer Ärger."

„Wenn Städter aufs Land ziehen, gibt es immer Ärger“, meint er. „Weil die keine Ahnung von Tierhaltung haben.“ Sein Nachbar schon gleich gar nicht. Früh und abends füttere seine Tiere, versichert Krauß. Wenn es draußen noch oder schon wieder dunkel ist. Wenn sein Nachbar tagsüber vorbeischaut, ist das Futter von den Tieren schon verputzt. Den Mist lasse im Winter jeder Landwirt liegen, weil der den Tieren Wärme spende.

Seine Schafe und Schweine seien überdies von einer besonders robusten Sorte, die gut mit den Temperaturen zurecht kommen. Dass das Fenster zum kleinen Schweinegehege kaputt gewesen sei, gibt er zu. Die Schweine hätten es in ihrem Spieldrang von innen zerstört. Er werde es zeitnah ersetzen. Überhaupt erfülle er alle Auflagen von Seiten des Veterinäramtes, was dessen Leiterin Dr. Claudia Baldauf bestätigt (siehe Interview). Die gesetzlich geforderten Mindestanforderungen wurden bisher immer eingehalten oder sofort nachgebessert. Für Paul Schäfer-Dominski ist diese Tierhaltung mitten im Ort trotzdem keinesfalls nachvollziehbar. „Wenn das hier in Ordnung ist, bricht für mich eine Welt zusammen.“