Landkreis Kt Ist es eine artgerechte Haltung? Oder müssen die Tiere auf dem Marktstefter Grundstück leiden? Fragen an die Leiterin des Kitzinger Veterinäramtes, Dr. Claudia Baldauf:

Seit wann sind dem Veterinäramt die Zustände in Marktsteft bekannt?

Claudia Baldauf: Es werden schon seit Jahren Schafe, Schweine, Kaninchen und Geflügel gehalten. Die Schafe sind im Sommer auf den Weiden in Marktsteft und Umgebung. Die Anzahl der gehaltenen Tiere hat sich in den letzten Jahren verringert.

Sind es überhaupt Zustände? Oder werden die Tiere artgerecht und entsprechend ihren Bedürfnissen gehalten?

Baldauf: Die Haltung entspricht einer kleinbäuerlichen Viehhaltung, wie diese noch vor einem Jahrzehnt häufig in den unterfränkischen Dörfern anzutreffen war, mit frei laufenden Legehühnern im Hof, ein paar Schweinen in der Strohbucht im Stall und den Schafen auf der Weide beziehungsweise aufgrund des Winters derzeit auf der Hofstelle. Die Tiere dienen der Eigenversorgung mit Eiern und Fleisch.

Um welche Rassen handelt es sich?

Baldauf: Bei den Schafen handelt es sich um die alte Schweizer Rasse der Walliser Schwarznasen, eine dickbewollte und genügsame Rasse aus den Schweizer Bergen, die Wind und Wetter lieben, dennoch steht ihnen ein eingestreuter Unterschlupf zur Verfügung. Die Schweine sind Durocschweine, auch eine alte Rasse aus Amerika, die im Winter besonders viele rotbraune Borsten bekommen und für ihre Robustheit gegen Krankheiten, für ihre guten Muttereigenschaften und ihr ruhiges Wesen bekannt sind. Gerne wird diese Rasse als Freilandschwein gehalten, da sie gegen Hitze und Kälte widerstandsfähig ist.

Die Tiere werden mitten im Ort gehalten. Ungewöhnlich?

Baldauf: Die Akzeptanz gegen diesen Art der Tierhaltung sinkt von Jahr zu Jahr, besonders wenn es nur noch wenige Tierhalter in den Dörfern gibt, da natürlich auch Nachteile, wie Lärm, Geruch und Fliegen im Sommer, damit verbunden sind. Problematisch wird es außerdem, wenn eine Hofstelle nicht besonders aufgeräumt ist. Von Seiten des Veterinäramtes kann aber nur dort eingeschritten werden, wo eine Gefährdung der Tiergesundheit vorliegt.

Wie oft war das Veterinäramt schon vor Ort?

Baldauf: Seit November, seitdem der Nachbar sich an uns und die Medien gewandt hat, war das Veterinäramt insgesamt schon sieben Mal vor Ort. Hinzu kamen einige Telefonate. Die letzte Kontrolle fand Mitte Januar statt und war beanstandungsfrei, auch wenn Verbesserungsvorschläge gemacht wurden. Eine Nachkontrolle am vergangenen Freitag hat ergeben, dass die am Tag vorher besprochenen Nachbesserungen eingehalten wurden.

War die Kälte in den letzten Tagen für die Tierhaltung vor Ort ein Problem?

Baldauf: Für viele unserer Nutztierrassen ist die Kälte, solange diese trocken ist, weniger ein Problem als ein feuchtkaltes, windiges Wetter oder Hitze. Es muss nur gewährleistet sein, dass ein trockener Untergrund zum Liegen vorhanden ist und die Wasserversorgung sichergestellt wird, da das Wasser natürlich immer zufriert.

Zeigt sich der Besitzer der Tiere kooperativ?

Baldauf: Von Seiten des Amtes können nur die gesetzlich geforderten Mindestanforderungen gefordert werden und diese wurden bisher immer eingehalten oder sofort nachgebessert.

Von wie vielen Hühnern, Schweinen und Schafen reden wir? Und: Wie viel Platz darf ein Schwein/Schaf für sich beanspruchen?

Baldauf: Fünf Schweine und vier Schafe werden vor Ort gehalten. Für Schweine ist pro Schwein ab 100 Kilogramm ein Quadratmeter in der Tierschutz-Nutztierverordnung vorgeschrieben, die vier Mastläufer im Bereich 30 bis 50 Kilogramm benötigen einen halben Quadratmeter. Für Schafe gibt es keine konkreten Vorgaben in dieser Verordnung, es muss in der kalten Jahreszeit ein trockener, gegen Wind und Regen geschützter Liegeplatz vorhanden sein und alle Tiere müssen sich gleichzeitig legen können.

Gibt es vergleichbare Haltungsformen im Kreis oder ist das ein besonderer Fall?

Baldauf: Jede Nutztierhaltung im kleinen Stil ist in ihrer Art und Weise einzigartig.