Der Radfahrer bremst abrupt. „Wann macht Ihr auf?“, will er wissen. Die Antwort von Frank Gimperlein zaubert ein Lächeln auf sein Gesicht. Am Donnerstag geht es wieder los mit dem Kitzinger Stadtschoppen am Stadtbalkon. „Da freut sich die Welt“, sagt der Mann lachend und schwingt sich wieder aufs Rad. Sehr wahrscheinlich, dass die beiden Männer sich schon bald auf ein Glas Wein wiedersehen.

Pressetermin am Dienstag auf dem ehemaligen Gartenschaugelände am Etwashäuser Mainufer. Noch müssen Frank Gimperlein und Katrin Weber vom Stadtmarketingverein mit dem starken Wind kämpfen, als sie für ein Foto das Fenster im Verkaufsstand auf dem ehemaligen Gartenschaugelände öffnen. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch, zumal die kräftigen Böen am Donnerstag längst verschwunden sein sollen. Dem Beginn der Stadtschoppen-Saison steht also nichts im Weg. Es ist ein Startschuss, auf den viele Kitzinger, Bürger der Region und Touristen schon warten. Der Stadtschoppen ist seit seiner Gründung im Jahr 2017 zum beliebten Treffpunkt geworden.

Am Donnerstag, 27. Mai, ist es also endlich soweit. Bis voraussichtlich 17. Oktober steht jede Woche von Donnerstag bis Sonntag Weingenuss am Stadtbalkon an. Fester Partner ist an allen Wochenenden die Winzergemeinschaft Franken (GWF), so Gimperlein, „dazu kommt jede Woche ein anderer Spitzenwinzer aus ganz Franken.“ Denn 08/15-Weine sollen am Stadtbalkon nicht ausgeschenkt werden, sondern besondere Tropfen, die man nicht überall bekommt und vielleicht auch noch nicht kennt. Das garantiert nicht nur Abwechslung, sondern passt auch bestens zum Veranstaltungsort, schließlich ist Kitzingen als historische Weinhandelsstadt bekannt. Winzer zu finden, sei nicht schwer, sagt Frank Gimperlein, denn der Stadtschoppen am Etwashäuser Mainufer gilt längst als tolle Plattform, um sich zu präsentieren. „Die Winzer sind stolz, dass sie dabei sein dürfen.“

Den Anfang macht, wie schon in den letzten Jahren, diese Woche das das Fürstlich Castell'sche Domänenamt. Normalerweise gibt ein Programmflyer einen Überblick darüber, welcher Winzer wann an der Reihe ist. Darauf hat der Stadtmarketingverein diesmal verzichtet. Schließlich kann es durchaus sein, dass die Inzidenzwerte das Programm doch noch durcheinanderwirbeln und wieder Schluss sein muss mit der Außengastronomie. Welches Weingut am jeweiligen Wochenende ausschenkt, ist daher jeweils auf kitzingen-kanns.de im Internet nachzulesen.

Jeweils donnerstags bis sonntags von 17 bis 22 Uhr ist der Verkaufsstand geöffnet. „Bis zum Sun-Downer“, sagt Katrin Weber. Denn geht am Abend die Sonne unter, ist die sowieso schon sehenswerte Stadtsilhouette vom Gartenschaugelände aus ein echter Hingucker und der lässt sich bei einem guten Wein gleich doppelt genießen.

Eine Bedienung gibt es nicht, jeder holt sich seinen Schoppen selbst. Mit gebührendem Abstand natürlich, schließlich gilt es die Corona-Regeln zu beachten. Die FFP2-Maske darf nur am Tisch abgelegt werden, stehen zwei Hausstände an einem Tisch, braucht jeder einen Coronatest, außer man ist zweimal geimpft. Die Kontaktdaten werden aufgenommen, wobei die Luca-App von Vorteil, aber keine Pflicht ist. Ganz normale Regeln also, wie sie in der Außengastronomie eben gelten.

Wer einen Schoppen trinkt, dem tut auch eine „Unterlage“ gut, und so werden nicht nur Weine verkauft, sondern es gibt auch Bratwürste sowie jedes Wochenende eine andere kleine kulinarische Spezialität. Auf Musik wird zunächst verzichtet, denn die verleitet zum Tanz – und der ist aus Corona-Gründen derzeit nun mal nicht erlaubt. Gimperlein und Weber bedauern das. „Wir geben den Künstlern gerne eine Plattform“, betonen sie, „nur momentan geht es nicht.“ Eine Veranstaltungsreihe wie der Stadtschoppen, der alleine im vergangenen Jahr 20.000 Besucher anlockte, ist ohne Partner nicht machbar. So sind Katrin Weber und Frank Gimperlein froh, auch in diesem Jahr auf die Licht-, Kraft- und Wasserwerke bauen zu können, auf die fleißigen Helfer vom Bauhof, auf die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, die das Gelände in eine grüne Oase verwandeln. „Auch mit der Stadt und dem Landratsamt arbeiten wir Hand in Hand.“ Wenn am Donnerstag die ersten Flaschen geöffnet und Gläser gefüllt werden, gibt es übrigens noch eine Besonderheit: Erstmals wird der Stadtschoppen – ähnlich wie eine Kirchweih – im Beisein des Oberbürgermeisters und des Hofstaates ausgegraben, verrät Frank Gimperlein. Wobei natürlich kein Bierfass zutage gefördert wird, sondern eine Flasche Silvaner, die dann mit einem Schelch ans Etwashäuser Mainufer gebracht wird. Wenn das kein Grund ist, das Glas zu heben auf eine tolle Stadtschoppen-Saison 2021!