Zu viel Müll in der Stadt

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Ausblick mit Müll: Der Kitzinger Mainkai ist einer der Orte, an denen Unbekannte ihren Dreck liegen lassen. Fotos: Bauhof Kitzingen
Georg Günther
An den Containerstandorten finden die Stadtreiniger immer wieder große Haufen von illegal entsorgtem Müll.
Georg Günther
So eine Bank könnte ein schöner Ort sein, um die Natur zu genießen.
Georg Günther
Am ehemaligen Gartenschaugelände finden sich immer wieder wilde Müllablagerungen.
Georg Günther

Am Bleichwasen, am Mainkai, im Rosengarten, an den Containerstandorten: Überall finden sich wilde Müllablagerungen. Das Problem ist nicht nur auf die Stadt begrenzt.

Wenn die meisten Leute aus dem Haus gehen, ist der Spuk schon vorbei. Dann haben die Mitarbeiter von Georg Günther schon ganze Arbeit geleistet. Wie viel Müll sie gerade an Samstagen und nach den Wochenenden zu entsorgen haben, können sich die meisten Bewohner Kitzingens gar nicht vorstellen.

Um 5 Uhr in der Früh machen sich die Straßenreiniger des Bauhofes auf den Weg. Ihre Mission: Kitzingen vom Müll befreien. Einer ist für die Innenstadt und den Mainkai zuständig, einer für das restliche Stadtgebiet und ein anderer dreht auf der Kehrmaschine seine Runden. 400 Abfallkörbe werden pro Woche geleert.

„Jetzt lassen es die Leute wieder krachen.“
Georg Günther, Bauhofleiter in Kitzingen

Manche an sieben Tagen die Woche, andere nur einmal. Normalerweise sind die Arbeiter an den Wochenenden sechs bis acht Stunden unterwegs, um die Innenstadt, den Mainkai und das Gartenschaugelände vom Müll zu befreien. „Im Moment sind es bis zu zwölf Stunden“, sagt Günther.

Besonders schlimm hat sich die Lage am ehemaligen Gartenschaugelände entwickelt. Pizzaschachteln, Fast-Food-Verpackungen, Flaschen und vieles mehr türmen sich auf den Rasenflächen und an den Sitzecken. „Die Leute lassen ihren Müll einfach liegen“, ärgert sich Günther.

Eine ganz neue Problematik ist die Vermüllung in diesem Bereich nicht. Seit etwa eineinhalb Jahren beobachtet Günther eine Zunahme an liegen gelassenem Müll. Ausnahme: Während der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Zeit sei das Stadtgebiet so sauber wie nie zuvor gewesen. „Aber jetzt lassen es die Leute wieder krachen“, stellt der Bauhofleiter fest, der grundsätzlich kein Problem damit hat, wenn gefeiert wird. „Aber dann sollte man wenigstens den Müll zu den Abfallkörben tragen.“

Oberbürgermeister Stefan Güntner ist auf die Thematik von einer Bürgerin angesprochen worden. Er hat dem Bleichwasen am vergangenen Freitag zusammen mit seinen Kitzinger Bürgermeisterkollegen und der Polizei einen Besuch abgestattet. Eine Erkenntnis, die er mit in den Stadtrat nehmen will: Vor Ort gibt es nicht genug Abfalleimer. „Wir müssen einen Mittelweg finden“, sagte er am Dienstag in einem Telefonat mit dieser Redaktion. Einerseits soll das Stadtbild nicht vermüllt werden. Andererseits könne es auch nicht sein, dass die Problematik auf die Allgemeinheit abgewälzt wird. Mehr Abfallkörbe und mehr Arbeitsstunden bedeuten letztendlich mehr Müllentsorgungskosten. Denkbar sei auch eine Erhöhung der Bußgelder oder der Erlass einer Satzung, die beispielsweise ein Alkoholverbot am Gartenschaugelände beinhaltet. „Aber Verbote sind erst mal nicht unser Ansatz“, sagt Güntner. Vielmehr will er das Gespräch suchen und die Feiernden sensibilisieren. „Wenn das nicht funktioniert, sind wir irgendwann gezwungen zu handeln.“

Der Bleichwasen ist längst nicht der einzige Ort, an dem die Mitarbeiter des Bauhofes ganze Arbeit leisten müssen. „Am Rosengarten hatten wir auch schon jede Menge Müll auf den Rasenflächen liegen“, erzählt Günther. Und beim Gedanken an die „Alte Poststraße“ wird ihm jetzt noch ganz anders. „Da haben die Kollegen schon mal eine ganze Schweinehälfte wegräumen müssen.“ Einen ganzen Bus, voll mit Müll, habe der Bauhof dort schon mal entsorgen müssen, immer wieder werden in diesem Bereich illegale Müllablagerungen beobachtet. Die Stadt will dort besonders wachsam sein, um die Täter zu erwischen.

Auch im Landratsamt weiß man von der Problematik. „Die illegale Ablagerung von Müll hat massiv zugenommen“, bestätigt Pressesprecherin Corinna Petzold. Im ersten Halbjahr 2020 habe man schon so viel entsorgen müssen, wie im gesamten Jahr 2019. Schwerpunkt seien die Container-Standorte, letztendlich werde aber fast überall Müll weggeschmissen, wo man mit dem Auto hinkommt. Ein „beliebter Ort“ war in der Vergangenheit der Klosterforst. Dort sind zwei Schranken aufgestellt worden. „Seither ist es besser geworden.“

Im Internet ist eine rege Diskussion über die Kitzinger Müllthematik entbrannt. Als Schwerpunkt wird dort auch der Bereich an der Feuerwehr genannt. Dort stünde zwar eine Abfalltonne bereit. „Aber es ist wahrscheinlich cooler, Flaschen gegen die Treppe oder die Wand zu schmeißen“, vermutet eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer bedauert, dass fast jede Bucht am Main mit kaputten Glasflaschen und Dreck übersät ist.

„Am Anfang habe ich noch viel weggeräumt, aber es bringt einfach nichts“, schreibt er. Ein Anfang wäre es seiner Meinung nach, mehr Abfalleimer aufzustellen.

„Verbote sind erst mal nicht unser Ansatz“
Stefan Güntner, Oberbürgermeister

Dieter Pfrenzinger vom städtischen Bauhof ist da skeptisch. „Auch wenn am Gartenschaugelände alle zehn Meter ein Abfalleimer stehen würde, würde es genauso aussehen“, prophezeit er und spricht von einem „respektlosen Verhalten gegenüber den Reinigern der Stadt“. Seiner Meinung nach helfen nur empfindliche Strafen. „Nur wenn es am Geldbeutel weh tut, werden unseren lieben Müllentsorger auf die richtige Schiene gebracht“, meint er. Den Rahmen für das Bußgeld legt die Staatsregierung fest, den Bußgeldbescheid erlässt letztendlich das Landratsamt. Die Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab. Von der Menge und der Art des Mülls, von der Frage ob es sich um einen Privathaushalt oder einen Gewerbebetrieb gehandelt hat. Für weggeworfene Zigarettenschachteln oder Pappbecher drohen beispielsweise 20 Euro, für die illegale Entsorgung von Altreifen 330 bis 1600 Euro. Wer mehr als fünf Kubikmeter Bauschutt ablagert, wird mit 1000 bis 5000 Euro zur Kasse gebeten.