Doch neben der Milch zählt auch die Schönheit. Hier gibt es eine Parallele zum Menschen – bei beiden Spezies gibt es Miss-Wahlen. Die Laufstege der Rinder sind Hallen wie die Dettelbacher Frankenhalle und die Ansbacher Rezathalle. Hier präsentieren Landwirte regelmäßig ihre schönsten Tiere. Sie putzen ihre Rinder fein heraus. Auf großen Schauen werden sogar professionelle Kuhfitter, also Styling-Profis, angeheuert –, damit von der Rasur bis hin zum Fellglanz alles stimmt und die Vorzüge des Tieres bestmöglich zur Geltung kommen. „Manches Mal wird sogar Goldspray hergenommen, damit das Fell besonders schön glänzt“, erzählt Ute Wanner aus Wässerndorf.
Sie und ihr Mann Klaus nutzen kein Spray, aber natürlich waschen auch sie die Tiere vor jeder Schau und bürsten kurz vor dem Bewertungslauf noch einmal das Fell. Die Wanners halten rund 60 Milchkühe; die allerschönste ist aktuell die 2002 geborene Fleckvieh-Dame Sira.
„Wenn wir mit ihr das Laufen geübt haben, hat sie sich schon richtig in Position gebracht“, erzählt Klaus Wanner lachend. Dennoch: Auch wenn sie ein „sehr gutes Fundament“, eine wunderbare Bemuskelung und schöne Milchadern besitzt – einen Sonderstatus im heimischen Stall bekommt sie nicht. „Sie wird behandelt wie alle anderen“, betont Klaus Wanner. „Sie lebt in einer ziemlich ruhigen Herde, da gibt es eh kaum Reibereien.“ Sira, die derzeit trocken steht, also in der „Mutterschutz-Phase“ ist, sei von Natur aus sehr gutmütig. „Sie lässt viel mit sich machen. Aber wenn's ihr langt, dann langt's ihr auch. In Dettelbach hatte sie zum Beispiel nach der Schau die Schnauze voll und war kaum noch zu halten, so schnell wollte sie aus der Halle raus.“
Pro Monat präsentieren sich mehrere Hundert Rinder in der Frankenhalle. „Bei den Auktionen des RZV konnte in diesem Wirtschaftsjahr ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden“, freut sich Wolfgang Wanner. In allen Gattungen – vom Bullen bis zum Mastkalb – stellte er einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen fest. Und darüber hinaus, betont Wanner, sei die Nachfrage von innerhalb und außerhalb Bayerns ebenfalls groß. „Schöne, gesunde, leistungsfähige, unkomplizierte Tiere möchte man eben überall haben.“
Tiere wie Sira also. „Sie hat das Potenzial, vielfache Mutter und eine sehr gute Milchkuh zu werden“, sagt Klaus Wanner. Schönheitskönigin ist sie ja schon. Aber wie wird man das überhaupt? „Das ist wie beim Menschen“, meint Ute Wanner. „Manchen sieht man das Alter an oder ob sie viele Geburten hinter sich haben – andere dagegen sehen auch nach zehn Kälbern wunderschön aus. Vor allem braucht es eben die entsprechenden Gene.“ Zum exzellenten Körperbau kommt bei Sira ein perfektes Euter, das nicht zu tief sitzt, sondern oberhalb der Sprunggelenke ihrer Hinterbeine endet. „Man sieht gut das Zentralband, das mitten durch das Euter läuft“, erklärt Klaus Wanner ein Schönheitsmerkmal.
Seine Frau Ute ergänzt: „Auch das ist wie beim Menschen: Ein großer, fester Busen ist für Schönheitsköniginnen wichtig.“ Eins allerdings unterscheide tierische und menschliche Miss-Wahlen doch: „Während es bei Frauen oft heißt, der Hintern sei zu dick, werden Kühe für ihren gut aufgefleischten Popo gerühmt.“
Über 100 000 Kühe
Der Rinderzuchtverband Franken e.V. ist mit über 3.200 Mitgliedern, die in Mittel-, Unter- und Randgebieten Oberfrankens über 100.000 Herdbuchkühe (v. a. Fleckvieh, Holstein, Gelbvieh) halten, eine der größten Zucht- und Vermarktungsorganisationen Süddeutschlands. In Ansbach und Dettelbach werden jährlich über 30.000 Kälber, 1.600 Jungkühe und 400 Zuchtbullen ins gesamte Bundesgebiet abgesetzt; fast 3500 Tiere werden in die ganze Welt exportiert.