Laura Goller konnte es nicht fassen. Der lang ersehnte Urlaub schien so nah. Und dann das: Personalausweis abgelaufen. Und ein Termin beim Kitzinger Einwohnermeldeamt in weiter Ferne. Die 28-Jährige setzte alle Hebel in Bewegung – und hatte schlussendlich auch ein wenig Glück.

Die Corona-Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Nicht nur bei den Gastronomen, Kulturschaffenden und Sportlern. Auch in manchen Behörden. Im Kitzinger Einwohnermeldeamt beispielsweise. Dort kommen die Mitarbeiter kaum noch nach mit der Flut an Anfragen. Kein Wunder: Die Abteilung war 14 Tage lang wegen eines Corona-Falles geschlossen. Eine Menge Arbeit ist liegen geblieben. Und die Bürger mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Laura Goller hat am 30. Mai bemerkt, dass ihr Personalausweis ein paar Tage später ablaufen wird. Also hat sie bei der Stadtverwaltung angerufen, um einen vorläufigen Ausweis zu beantragen.

Kundenaufkommen steigt

Am 11. Juni soll es schließlich nach Kroatien gehen. Dass sie mit ihrer Anfrage spät dran war, ist ihr durchaus bewusst. „Aber wer prüft schon regelmäßig, wie lange ein Ausweis gilt?“, fragt sie. Und überhaupt: Zwölf Tage sollten doch langen, um einen Termin zu bekommen. Die online-Terminvergabe belehrte sie eines Schlechteren. Der nächste verfügbare Termin? Am 8. Juli! Fünf Wochen nach ihrer Anfrage. Die 28-Jährige wollte das nicht akzeptieren, rief Anfang letzter Woche im Rathaus an und ließ sich mit unterschiedlichen Ansprechpartner verbinden. Die Antwort blieb überall die Gleiche: nichts zu machen. Pressesprecherin Claudia Biebl bittet um Verständnis. Die 14 Tage Schließung haben ihre Spuren hinterlassen, andere Mitarbeiter hätten nicht so schnell in die spezielle Thematik eingelernt werden können. Hinzu kommen die beengten Verhältnisse im Einwohnermeldeamt. Maximal zwei Kunden dürfen dort wegen der nach wie vor geltenden Hygienevorschriften gleichzeitig anwesend sein. So lässt sich der Bearbeitungsstau natürlich nicht sehr schnell beheben. Und das Kundenaufkommen war in den letzten Tagen auch noch besonders hoch – die Menschen dürfen wieder reisen – und Laura Goller ist nicht die Einzige, die eine kurzfristige Anfrage hat.

Tipp für frustrierte Bürger

Eine erhöhte Nachfrage spüren auch die Mitarbeiter des Würzburger Bürgerbüros. Rund eineinhalb Wochen dauert es, bis man dort einen Termin erhält. „In den Pfingstferien haben einige Mitarbeiter Urlaub genommen“, berichtet Pressesprecher Georg Wagenbrenner. Gleichzeitig erhöht sich die Nachfrage – gerade bei KfZ-Zulassungen. Auch wenn die Wartezeit in der Corona-Hochphase schon mal drei Wochen betrug – Wagenbrenner spricht auch jetzt von einer durchaus angespannten Situation, berichtet von Beschwerden frustrierter Bürger. Sein Tipp: Das Terminvergabe-Tool im Internet immer wieder mal auf mögliche kurzfristige Lücken hin überprüfen.

So hat es Laura Goller in Kitzingen getan – und kurzfristig noch einen Termin bekommen. Am letzten Mittwoch war sie auf dem Einwohnermeldeamt und hat sich ihren vorläufigen Personalausweis abgeholt. Dem lang ersehnten Urlaub in Kroatien steht nichts mehr im Wege.

Express-Schalter

Die Stadt Kitzingen hat auf die lange Wartezeit im Einwohnermeldeamt reagiert. Seit dem 17. Mai gibt es dort für bestimmte Dienstleistungen bereits einen sogenannten Express-Schalter. Die personellen Kapazitäten wurden Anfang dieser Woche aufgestockt. Mitarbeiter, die eine entsprechende Ausbildung haben, unterstützen seither ihre Kollegen im Einwohnermeldeamt. Außerdem sind die Öffnungszeiten angepasst worden. In Corona-Zeiten war das Rathaus bislang nachmittags geschlossen. Das Einwohnermeldeamt macht jetzt eine Ausnahme. „Und wir haben seit diesem Montag die personellen Kapazitäten am Schnellschalter verdoppelt“, berichtet Biebl. Eine weitere Verlagerung geschulter Mitarbeiter ins Einwohnermeldeamt soll eine zusätzliche Entlastung bringen. „Wir hoffen, dass wir mit diesen Maßnahmen kurzfristig zu einer Verbesserung der Situation beitragen können“, sagt die Pressesprecherin. Damit die Kitzinger Bürger auch dann reisen können, wenn sie kurzfristig auf einen neuen Personalausweis angewiesen sind.

Die neuen Öffnungszeiten im Kitzinger Einwohnermeldeamt: Montag und Dienstag, 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr; Mittwoch und Freitag, 8 bis 12 Uhr sowie Donnerstag, 8 bis 12 und 13 bis 18 Uhr.

Und woanders?

Wiesentheid: „Bei uns kommt man sofort dran“, sagt Sibylle Karl vom Einwohnermeldeamt in Wiesentheid. Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 war das Amt mal für 14 Tage geschlossen. Ansonsten konnten die Kunden fast immer „durchgängig bedient“ werden. „Wir hatten natürlich auch Glück, dass niemand von unseren Mitarbeitern Corona bekommen hat“, sagt Karl.

Volkach: Das Rathaus in Volkach war während der Corona-Zeit nie für längere Zeit geschlossen. Größere Wartezeiten konnten auch deshalb vermieden werden. In den Pfingstferien konnte es sein, dass Bürger ein paar Tage auf einen Termin warten mussten. „Die Nachfrage hat wieder angezogen“, sagt Sachgebietsleiterin Margit Krämer. Wegen Corona können Angelegenheiten auch weiterhin nur mit vorheriger Terminvergabe geregelt werden. Mindestens 14 Tage wird das noch so bleiben.

Iphofen: Wer im Einwohnermeldeamt der VG Iphofen anruft, der bekommt in der Regel noch am gleichen Tag einen Termin. „Manchmal muss man auch einen Tag warten“, sagt Amelie Eisen. Im April 2020 war die Behörde für zwei Wochen geschlossen, ansonsten an den Werktagen durchgängig offen. So etwas wie einen Bearbeitungsstau kennt man in Iphofen nicht.