Generaloberin Schwester Katharina Ganz spricht von einer frohen Botschaft. Dreieinhalb Jahre haben die Oberzeller Schwestern einen Käufer für ihr Areal in Kirchschönbach gesucht. Auf den letzten Drücker sind sie fündig geworden. Der Kaufvertrag ist unterschrieben.

Doris Schlereth kennt das 4,5 Hektar große Gelände gut. Die Unternehmerin ist in Kirchschönbach aufgewachsen. Ihr Vater und ihr Bruder besuchten den Kindergarten, der damals auf dem Gelände lag. „Mein Herz schlägt für diesen Ort“, sagt Schlereth.

Die stellvertretende Vorsitzende des „Faktor c“, einer Vereinigung von Christen in der Wirtschaft, hat das denkmalgeschützte Schloss, das Marienhaus und den Park erworben. Ganz im Sinne der bisherigen Besitzer. „Wir wollten den gesamten Komplex veräußern“, erklärt Schwester Ganz. Fast 100 Jahre haben die „Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu“ auf dem Gelände und im Ort ihre Spuren hinterlassen, waren unter anderem in der Kindererziehung und in der ambulanten Krankenpflege tätig. Von 1926 bis 1992 betrieben sie ein Fürsorgeheim für Mädchen aus benachteiligten Lebenssituationen. „Aber jetzt müssen wir mit unseren Kräften haushalten“, betont die Generaloberin.

„Wir müssen lernen, loszulassen. Das betrifft auch unsere Gebäude.“
Katharina Ganz, Generaloberin

Rund 1200 Schwestern in 115 Filialen gab es in der Hochzeit der Kongregation. Mittlerweile leben noch 107 Schwestern in Deutschland, das Durchschnittsalter beträgt 80 Jahre. „Wir müssen lernen, loszulassen“, erklärt Schwester Katharina Ganz. „Das betrifft auch unsere Gebäude.“

Interessenten für das Areal mitten im Dorf gab es mehr als genug. Mehr als 40 Anfragen seien in den letzten Jahren eingelaufen. Bearbeitet wurden sie unter anderem von Dr. Roland Horster, dem ehemaligen Generalbevollmächtigten der Fürsten Castell. „Ehrenamtlich“, wie die Schwester dankbar betont.

Die Verhandlungen scheiterten zumeist an der Größe und Komplexität des Areals. Manch ein Interessent wollte „nur“ das Schloss kaufen, das um das Jahr 1700 erbaut wurde, ein anderer hatte „nur“ das Marienhaus im Blick, das 1962 errichtet und in den 90er-Jahren renoviert wurde. 18 Zimmer gibt es dort, die zuletzt als Wohnheim für die verbliebenen Schwestern dienten. Die letzten verließen Kirchschönbach im Jahr 2017.

Doris Schlereth möchte jetzt einen sozialen Träger finden, der das Marienhaus mietet. Das Gelände will sie im Sinne der Franziskanerinnen weiterentwickeln. „Von Schloss Kirchschönbach soll eine nachhaltige soziale, geistliche und wirtschaftliche Entwicklung für die Menschen in der Region ausgehen“, formuliert sie ihre Zielsetzung. Dafür will sie eine gemeinnützige Stiftung ins Leben rufen, die das Areal mit Leben füllt. „Für Details es jetzt noch zu früh“, erklärt sie. Im Vordergrund soll die soziale Nutzung des Geländes stehen.

„Von Schloss Kirchschönbach soll eine nachhaltige soziale, geistliche und wirtschaftliche Entwicklung für die Menschen ausgehen.“
Doris Schlereth, neue Besitzerin

Für die Kirchschönbacher soll es weiterhin offen stehen. Kinder und Familien sollen den Park auch weiterhin zum Spielen und Spazierengehen nutzen können. Auch Veranstaltungen der Kirchengemeinde und anderer Organisationen sind denkbar, vielleicht findet sogar wieder das Schlossparkfest statt, das einst einen Höhepunkt im Jahreszyklus des Dorfes darstellte. Sicher wird ab Januar die Kita des Prichsenstädter Kindergartens vorübergehend ins Schloss umziehen. Geht es nach Doris Schlereth werden auch die Oberzeller Schwestern weiterhin eine wichtige Rolle in Kirchschönbach spielen. „Sie sind jederzeit willkommen und bringen sich hoffentlich in die künftige Ausgestaltung des Geländes ein“, betont sie.

Das Interesse der Unternehmerin kam gerade noch rechtzeitig. Anfang Oktober hatte sie sich an den Generalbevollmächtigten Dr. Roland Horster gewandt. Da waren die Gespräche mit zwei anderen Interessenten schon weit gediehen. „Wir standen kurz vor dem Abschluss“, erinnert sich Generaloberin Katharina Ganz. Am 9. Oktober lernte sie Doris Schlereth zum ersten Mal kennen, am 2. November waren die Verträge beim Notar unterschrieben. „Besser hätte es nicht laufen können“, freut sich die Generaloberin. Eine soziale und kirchliche Nachnutzung des Geländes schwebte auch ihr während all der Verhandlungen vor. Der Verkauf in letzter Minute komme ihr deshalb auch vor wie Gottes Fügung.

Schloss Kirchschönbach

Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Eigentümer mehrmals. Im Jahr 1874 kaufte Graf Friedrich Karl von Schönborn das Schloss. Die Ehe zwischen ihm und Gräfin Julie von Schönborn blieb kinderlos. Kurz nach dem Tod ihres Gatten bestimmte die Gräfin Ende 1913 in ihrem Testament, dass Schloss und Park an die Kongregation der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu übergehen sollten. Am 19. Oktober 1922 wurde die offizielle Schenkungsurkunde unterzeichnet.

Die Schwestern bauten einen Kindergarten und waren in der Krankenpflege im Dorf Kirchschönbach tätig. Von 1926 bis 1992 betrieben sie ein Fürsorgeheim für Mädchen aus benachteiligten Lebenssituationen. Nach der Auflösung des Mädchenheimes zogen die Schwestern selbst vom Schloss in das generalsanierte Marienhaus, um dort ihren Lebensabend zu verbringen.