Landkreis Kt Der Kreisjugendring hat vor der Bundestagswahl 2021 zum ersten Mal die Jugendlichen im Landkreis Kitzingen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend. Vorsitzender Sven Balke sieht das auch so.

Frage: Wer war zur Jugendbriefwahl aufgerufen?

Sven Balke: Bei der Jugendbriefwahl zur Bundestagswahl handelte es sich um eine Kooperationsveranstaltung vom Kreisjugendring Kitzingen und den Gemeinden. Von insgesamt 31 Gemeinden haben sich letztendlich 30 beteiligt. Dies war sehr erfreulich, da dadurch die Bedeutsamkeit von Partizipation vor Ort zu erkennen war. Gemeinsam haben wir entsprechend alle 14 bis 17-Jährigen aus den teilnehmenden Gemeinden des Landkreises Kitzingen angeschrieben.

Haben Sie alle potenziellen Teilnehmer rechtzeitig anschreiben können?

Balke: Die Übergabe der versandfertigen „Wahlunterlagen“ erfolgte Anfang August, sodass die Gemeinden genügend Vorlaufzeit hatten, den Versand an die Zielgruppe vorzunehmen.

Sie wollten die Ergebnisse vor der Bundestagswahl veröffentlichen. Warum hat das nicht geklappt?

Balke: Wir als Jugendring verstehen uns als Sprachrohr der jungen Generation. Entsprechend war es uns ein Anliegen, auf die Stimmen der Jugend vorab aufmerksam zu machen. Zu betonen ist an der Stelle, dass es sich um eine Meinungsumfrage bei nicht wahlberechtigten jungen Menschen handelt. Gemeinsam mit den Direktkandidat:innen hätten wir uns zur Ergebnisveröffentlichung im Stadtteilzentrum Kitzingen getroffen und dies für die „Jungwähler:innen“ live übertragen.

Und warum hat das nicht funktioniert?

Balke: Im Pressepulk der offiziellen Wahlergebnisse gehen die Ergebnisse unserer Meinungsumfrage schlichtweg unter. Natürlich hat es für die Kids und Jugendlichen einen ganz anderen Stellenwert, wenn ihre Ergebnisse von der Erwachsenenwelt Beachtung finden. Wenn sich gegebenenfalls angeregte Diskussionen ergeben und sich die Generationen über unterschiedliche Sichtweisen austauschen. Leider wurde bei der angedachten Veranstaltung, einhergehend mit der Veröffentlichung, ein Risiko zur Wahlbeeinflussung gesehen. Um dieses Risiko zu minimieren und jegliche Folgen auszuschließen, wurde uns von der Wahlkreisleitung eindringlich nahegelegt, die Veröffentlichung nach Schließung der offiziellen Wahllokale vorzunehmen. Diesem Rat sind wir gefolgt und haben entsprechend die ursprünglichen Planungen verworfen.

Wo sind die Ergebnisse veröffentlicht?

Balke: Seit Sonntag 26. September, 18 Uhr, sind die Ergebnisse auf unserer Homepage einsehbar. Ergänzend haben sich die Direktkandidat:innen via Videobotschaften an die Jungwähler:innen gewandt, um ihren Dank auszusprechen.

Sind Sie mit der Resonanz von rund 15 Prozent zufrieden?

Balke: Mehr geht immer! – Das Projekt war für uns ein Erfahrungsraum, aus dem wir unsere Erkenntnisse für die Zukunft schöpfen. Wichtig ist, dass Partizipation im Allgemeinen immer Kontinuität, Aufklärung und Übung bedarf. Ohne Face-to-face Kontakt ist es schwierig, Jugendliche mit ins Boot zu holen, in Kontakt zu kommen und politische Bildung zu betreiben. An der Stelle sind wir auf örtliche Player wie Verbände, Schulen, Jugendzentren etc. angewiesen.

Hatte Corona einen Einfluss auf die übersichtliche Resonanz?

Balke: Die Kontaktbeschränkungen in Zeiten von Corona, sowie die Sommerferien waren diesbezüglich nicht förderlich. Politische Bildung braucht Begegnung, dies ist eine wichtige Erkenntnis, die wir uns für zukünftige Projekte mitnehmen. Trotz dessen haben wir in den Gemeinden gesehen, dass bei der Jugend Interesse an Politik besteht.

Was ist Ihnen bei der Auswertung der Ergebnisse besonders aufgefallen?

Balke: In Abtswind, Mainbernheim und Nordheim hat sich mehr als jeder vierte an der Jugendbriefwahl beteiligt. Unser Bestreben ist es, politische Bildung auch in Zukunft fortzuschreiben, an die Ergebnisse anzuknüpfen und weitere Veranstaltungen zu initiieren. Gut vorstellen können wir uns beispielsweise auch Fahrten in den Bundes- oder Landtag, gemeinsam mit den Vertretern aus unserem Wahlkreis.

Was ist für Sie die größte Überraschung des Ergebnisses?

Balke: Überrascht waren wir über den relativ hohen Zuspruch der Jungwähler:innen gegenüber der FDP. Mit ihren wirtschaftsliberalen Positionen erreicht die Partei meist einkommensstärkere Wähler überdurchschnittlich gut, zu denen man Schüler:innen, Auszubildende etc. in der Regel nicht zählen kann. Auffällig war, dass die Ergebnisse je nach Gemeinde stark variierten.

Haben die politischen Parteien Ihrer Meinung nach die Interessen junger Menschen im Blick?

Balke: Spricht man mit jungen Menschen, so würde diese Frage meist verneint werden. Gegenüber der jungen Generation unserer Gesellschaft besteht in der Regel eine recht bevormundende Haltung. Es wird über deren Kopf hinweg über ihre Zukunft entschieden, obwohl sie diese gestalten müssen. Das kann und darf nicht sein. Daher spricht sich auch unsere Landesebene, der Bayerische Jugendring, für die Absenkung des Wahlalters aus. Vertreter junger Menschen sollten außerdem unbedingt feste Plätze in politischen Gremien erhalten, um ihre Generation zu repräsentieren.

Welche Interessen stehen bei jungen Menschen im Mittelpunkt ihres politischen Denkens?

Balke: Die Zukunft! Junge Menschen sorgen sich um ihre Zukunft. Um die Zukunft der Umwelt, der beruflichen Perspektive, der Rente und des bezahlbaren Wohnraums.

Wird es erneut eine Jugendbriefwahl geben?

Balke: Die Jugendbriefwahl wurde innerhalb eines Arbeitskreises des Kreisjugendrings initiiert und organisiert. Ob wir dieses Format nochmals nutzen werden oder die traditionellen Wahllokale im Sinne der U18 Wahl einrichten werden, ist offen.

Jugendbriefwahl

Die Ergebnisse sind im Internet unter www.kjr-kitzingen.de abrufbar. Alle 30 teilnehmenden Gemeinden sind dort einsehbar.

Erststimmen; CDU (33 Prozent); SPD (21); FDP (16); Grüne (12); Freie Wähler (10); Die Linke (4); AfD (4).

Zweitstimmen: CDU (22 Prozent); SPD (19); Grüne (16); FDP (14); Freie Wähler (9); Die Linke (4); AfD (4).