Kitzingen Jeden zweiten Samstag verbringt Alexandra Obst im Vereinsheim von Rot-Weiß Kitzingen. Dort steht sie nicht nur hinter dem Tresen, sondern macht im Vorfeld auch die hierfür nötigen Einkäufe und sperrt am Ende die Türe zu. Obendrein betreut sie die beiden Dart-Mannschaften, die an diesen Tagen ihr Heimspiel haben.

Frage: Ursprünglich war der Verein Rot-Weiß-Kitzingen ein Fußballverein. Inzwischen hat hier Dart die Oberhand. Wie kam es dazu?

Alexandra Obst: In der Fußballabteilung gab es einfach immer weniger Aktive. Parallel kamen immer mehr Leute gern bei uns im Vereinsheim zusammen, um eine Runde Dart zu spielen. Irgendwann hat Dart Fußball komplett abgelöst und vor zirka sechs Jahren haben wir schließlich eine C-Klasse-Mannschaft gemeldet.

Inzwischen sind die Spieler der Rot-Weiß-Darter also längst stadtbekannt?

Obst: Genau. Wir haben aktuell zwei Dart-Mannschaften gemeldet: eine in der Bezirksoberliga und eine in der B-Klasse. Die Spiele sind so gelegt, dass die Heimspiele alle 14 Tage auf den gleichen Samstag fallen. Die Auswärtsspiele sind aktuell nicht so weit weg, meist geht es bis in die Schweinfurter Ecke. Früher sind wir auch bis Hammelburg und weiter gefahren.

Spielen Sie selbst denn auch?

Obst: Ich habe damals tatsächlich angefangen – einfach um das ganze Projekt zu unterstützen. Aber nachdem wir zwischenzeitlich drei Mannschaften hatten, war ich verzichtbar und habe dann lieber die Kneipe gemacht. Meine Tochter Selin Kuruoglu spielt aber – und ist nach Erfolgen als Fränkische und Bayerische Meisterin mit 17 Jahren sogar Deutsche Vizemeisterin geworden.

Das macht die Mama sicher stolz!

Obst: Auf jeden Fall. Sie ist jetzt 20 Jahre alt und jetzt ganz neu sogar im Nationalteam aufgestellt. Wäre Corona nicht gewesen, hätte sie letztes Jahr auch die Europameisterschaft in Spanien mitspielen dürfen. Jetzt sind wir gespannt, welche Turniere als nächstes wieder ausgerichtet werden.

Wie erklären Sie sich, dass Dart gerade auch bei jungen Menschen so viel Begeisterung weckt – wenn man zum Beispiel die Einschaltquoten der Dart-WM im Fernsehen betrachtet?

Obst: Dart ist Trendsport und Volkssport zugleich. Menschen unterschiedlichsten Alters können gemeinsam spielen. Es gibt natürlich nach wie vor das Vorurteil, dass Dart eine Art „Säufersport“ ist. Aber es ist längst mehr als das. Dart ist spannend und voller Emotionen – und jeder kann es erleben, auch ohne Sportlerfigur.

Schon seit längerem haben Sie parallel zum Dart eine Spendenaktion laufen. Wie kam es dazu?

Obst: Viele kennen ja Otto Ellmauer, der sich seit Jahren für die Kinderkrebsstation in Würzburg stark macht. Auch für mich ist Otto ein alter Bekannter, da er früher bei Rot-Weiß Fußball gespielt hat. Nachdem das Vereinsheim nicht mehr verpachtet war, hatten wir zwei es ehrenamtlich in die Hand genommen, damit wenigstens noch Weihnachtsfeiern und ein paar andere Feiern stattfinden konnten. Durch den Kontakt zu Otto habe ich natürlich auch sein Engagement für die Station Regenbogen kennengelernt und mir irgendwann gedacht: Warum das Projekt nicht ebenfalls unterstützen? Seitdem gibt es bei uns eine große Spendenbox, die ich alle 14 Tage bei jedem Heimspiel sowie beim Training aufstelle. Dazu spende ich persönlich bei jedem Heimspiel, wenn ich die Wirtschaft mache, mein komplettes Trinkgeld in die Box.

Wurde die Box denn schon geleert?

Obst: Noch nicht, obwohl sie schon gut gefüllt ist. Ich hatte aber die Idee, erst noch ein Dart-Turnier auszurichten, bei dem die Startgebühr an die Station Regenbogen geht. Eventuell gibt unser Aussteller auch noch einen Teil der Einnahmen aus den Automaten dazu.

Gibt es schon nähere Pläne zu diesem Benefiz-Turnier?

Obst: Ich plane es als 64er-Spielplan und peile mal Dezember an. Die Spieler müssen sich vorab anmelden, genaueres gebe ich dann auf Facebook bekannt. Ich hoffe natürlich, dass es gut angenommen wird, auch wenn es nicht – wie sonst üblich auf Turnieren – großartige Preise gibt. Wobei ich zumindest Pokale machen lassen werde.

Wie lange dauert eigentlich so ein Turnier?

Obst: Beim letzten Turnier war ich bis früh um halb 9 im Vereinsheim. Es dauert einfach, bis alle Plätze ausgespielt sind, dann wird gern noch ein bisschen weiter gespielt und letztlich muss ja danach auch wieder alles sauber sein. Früher hab ich immer gesagt: „Putz? möcht ich des Vereinsheim net auch noch“ – aber mittlerweile ist es so (lacht).

Sie sind also die gute Seele des Vereins?

Obst: Vermutlich schon, auch wenn es schon manchmal viel wird neben der normalen Arbeit. Dennoch mache ich es gern – und freue mich immer, wenn Ottos Spendenbox klingelt.