Der Biber ist faszinierend, findet Michaela Gerstner-Scheller. Trotzdem ist es ihrer Ansicht nach falsch, das Tier, das keine natürlichen Feinde hat, kompromisslos zu schützen. An ihren Seen kann die Teichwirtin die Folgen beobachten – sie sind teils lebensgefährlich für den Menschen, aber auch gravierend für Flora und Fauna. „Der Biber macht den Lebensraum anderer geschützter Tiere und Pflanzen zunichte.“

Michaela Gerstner-Schellers Familie betreibt seit Generationen Fischzucht, bewirtschaftet Teiche im nördlichen Landkreis Kitzingen und im südlichen Landkreis Schweinfurt. Im Wasser, in den Dämmen, in der Natur, da fühlt sich der Biber wohl. Aus seiner Sicht mögen die Fischteiche ein geeigneter Lebensraum für den Biber sein. Betrachtet man viele andere Aspekte, gerät die Bilderbuchidylle schnell ins Wanken.

Biber gefährdet Lebensraum von Tieren und Pflanzen

Etwa 100 Hektar Teichfläche bewirtschaftet Michaela Gerstner-Scheller mit ihren Mitarbeitern. Der Betrieb züchtet in vierter Generation Süßwasserfische, das Sortiment reicht von Besatz- und Futterfischen über Zier- und Biotopfische bis hin zu Speisefischen. Optimale Bedingungen sind dem Betrieb wichtig, gutes Wasser, gepflegte Teiche, geringe Besatzdichten, stressfreie Haltung, Hege und Pflege.

„Wir arbeiten so naturnah wie möglich“, sagt die Firmenchefin. Was zur Folge hat, dass sich nicht nur Karpfen und andere Fische in den Teichen wohlfühlen, sondern sich viele andere Tiere angesiedelt haben. „Hier ist viel Platz für Libellen, Kröten, Wasservögel, die Rohrdommel und vieles andere. Und wir haben tausende von Wildbienen an unseren Teichen“, erklärt Michaela Gerstner-Scheller. „In den Teichen sammelt sich das Regenwasser, statt schnell abzufließen, sie halten die Feuchtigkeit zurück, sind wichtig fürs Kleinklima und die Grundwasserbildung.“

All dies gerät durch den Biber in Gefahr. Ein Teich, der nicht bewirtschaftet wird, verschlammt, erklärt die Teichwirtin. Es setzen sich immer mehr Wasserpflanzen und Blätter ab. „Ohne Fischbesatz erstickt der Teich“, so die Obervolkacherin. „Spätestens nach 20 Jahren ist alles tot. Es bleibt nur noch eine stinkende Schnakenkloake.“ Eine Umgebung, in der sich dann auch Insekten und Schmetterlinge, Kröten und andere Amphibien nicht mehr wohlfühlen.

Biber beschädigt Teich: Lkw ist bereits eingebrochen

Dass die Teiche nicht mehr bewirtschaftet werden, ist keine utopische Vorstellung. Einige Gewässer hat der Betrieb bereits aufgegeben und verkauft, weil die Schäden durch den Biber so groß sind. Die Tiere graben Höhlen in die Dämme, und weil sie Luftlöcher brauchen, ist die Decke über den Höhlen nur ganz dünn.

„Da kann man ganz leicht einbrechen“, weiß Michaela Gerstner-Scheller. Vor zwei Jahren ist beim Abfischen eines Teiches ein Lkw eingebrochen. „Da hätten Menschen ums Leben kommen können.“ Es hätten sich auch schon Leute ein Bein gebrochen. Und Lebensgefahr bestehe auch für die Reiter, die gerne entlang der Teiche unterwegs sind. Der Betrieb hat Schilder aufgestellt, die auf die Gefahr aufmerksam machen. „Aber die Leute nehmen das nicht ernst. Und ich als Eigentümerin hafte.“

Schon seit längerem macht sie auch in der Politik immer wieder auf die Problematik aufmerksam, aber Gehör gefunden hat sie bislang nicht. Und so hat Gerstner-Scheller schon oft Löcher auf eigene Kosten füllen lassen. 20.000 Euro hat sie als Unternehmerin dafür investiert, ein Eigentümer von Seen, die sie gepachtet hat, nochmal genauso viel. Insgesamt beziffert sie die durch Biber entstandenen Schäden auf etwa 200.000 Euro. „Und ich habe keinen müden Cent Entschädigung bekommen.“

Viele Fische sterben durch Biber

Der Biber gefährdet nicht nur den Menschen, auch die Fische leiden. Es gibt Arten, die kaltes Wasser brauchen und nicht damit zurecht kommen, wenn sich das durch den Biber gestaute Wasser erwärmt. Und Fische dürfen in der Winterruhe nicht gestört werden, um nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Doch der Biber schwimmt eifrig durch die Gewässer, weckt die Tiere auf. Viele Fische sterben bereits in der kalten Jahreszeit, andere im Frühjahr, weil sie beim Aufwachen nicht mehr genug Energie haben. Auch bei der Ernte sorgt der Biber für Probleme: Das Wasser wird über mehrere Wochen langsam aus den Teichen abgelassen, um die Fische bei einem ganz bestimmten Wasserstand entnehmen zu können, so dass sie möglichst nicht leiden und keine unnötigen Schmerzen ertragen müssen.

Dem Biber aber gefällt es nicht, wenn das Wasser verschwindet – also baut er Dämme, um es aufzuhalten. Doch stehendes Wasser bedeutet Sauerstoffmangel für die Fische. „Also halten meine Mitarbeiter die ganze Nacht Wache, damit kein Biber kommt.“ Trotzdem schaffe es der Nager immer wieder, Barrieren zu errichten und die müssen mühsam per Handarbeit wieder abgebaut werden. „Mit der Schaufel und den Händen. Das ist körperliche Schwerstarbeit“, weiß Michaela Gerstner-Scheller.

Mit einer Ausnahmegenehmigung ist es erlaubt, den geschützten Biber zu schießen. Die Obervolkacherin hat so eine Genehmigung. Aber die nachtaktiven Tiere zu erwischen, ist schwierig, da muss schon der Zufall es wollen, dass der Biber gerade dort über den Damm läuft, wenn der Jäger in der Nähe steht. Eine Wärmebildkamera bringt wegen des dicken Fells wenig, ein Nachtsichtgerät ist nicht erlaubt. Die Folge: „Wir haben in den letzten sechs Jahren an den Teichketten in Rimbach und Obervolkach je einen Biber geschossen.“ In Gerolzhofen waren es mehr, aber nur, weil ein Mitarbeiter sich wochenlang immer wieder auf die Lauer legte. „Der Zeitaufwand ist riesig, und wir müssen ja auch unsere normale Arbeit machen.“

Kosten für Biber werden immer höher

Ein Karpfen braucht viel Platz und viel Zeit. „Er lebt drei Jahre im naturbelassenen Teich, hat 20 Quadratmeter für sich“, so die Teichwirtin und zieht den Vergleich zu einem Masthähnchen. Das lebt nur 28 bis 42 Tage. Der Ertrag an einem Karpfenteich sei nicht hoch. Werden zugleich die Kosten durch den Biber immer höher, lohne sich die Teichwirtschaft irgendwann nicht mehr. Dazu kommt, dass sie als Unternehmerin in der Verantwortung steht, wenn an ihren Teichen ein Unfall passiert. Deshalb habe sie sowohl der Naturschutzbehörde als auch dem Bund Naturschutz schon angeboten, ihre Teiche in Rimbach, wo es besonders viele Schäden gibt, zu kaufen. „Das wollen die aber nicht. Sie sagen, Eigentum verpflichtet.“ Daraufhin habe sie angeboten, das Wasser abzulassen. „Das darf ich aber auch nicht, weil da Amphibien leben.“

Michaela Gerstner-Scheller fühlt sich ratlos und hilflos, aufgrund der Folgen, die die Unterschutzstellung eines einzelnen Tieres hat – für die Existenz ihres Betriebes, aber auch für die Biodiversität. „Die gibt es bei uns an den Teichen. Und sie wird durch falsch verstandenen Naturschutz zerstört.“

Ihrer Meinung nach sollte man anerkennen, dass der Biber nicht überall in jeder Menge sinnvoll ist. „Da er keine natürlichen Feinde hat, muss in unserer Kulturlandschaft der Mensch eingreifen“, betont Gerstner-Scheller. Und da die Allgemeinheit den Biber wünsche, müsse auch die Allgemeinheit dafür sorgen, dass die Schäden für Privatpersonen nicht zu hoch werden. Hierfür wären bezahlte Jäger nötig, die die Überpopulation entnehmen.

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