Seit Jahren setzen sich Weltläden für mehr Gerechtigkeit im Handel mit den Ländern der dritten und vierten Welt ein. Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Preise sind wichtige Ziele. Der Weltladentag an diesem Samstag ist Anlass für ein Gespräch mit Helma Schug, Teamleiterin des Weltladens Wiesentheid.

Was unterscheidet Ihren Weltladen von einem normalen Supermarkt?

Helma Schug: Im Weltladen gibt es nur Produkte, die ausschließlich fair gehandelt werden, bevorzugt aus der sog. 3. und leider jetzt sogar schon aus der 4. Welt – wenn man Armut in Kategorien einteilen möchte.

Die Erzeuger bekommen faire Preise – was ist darunter zu verstehen?

Schug: Faire Preise bedeutet, dass ein Überleben vor Ort gesichert ist. Neben dem Produktpreis wird ein Entwicklungsaufschlag gezahlt, den die Genossenschaft vor Ort einsetzen kann, wie sie es möchte. Die Kinder können neben dem „Mithelfen“ zur Schule gehen, bekommen dort oft eine warme Mahlzeit. Außerdem wird versucht, überall Gesundheitszentren aufzubauen, die vor allem für sauberes Wasser sorgen.

Wie wird garantiert, dass das Geld bei den Kleinbauern landet?

Schug: Durch die diversen Organisationen wie GEPA, El Puente, DWP und viele andere mehr. Ein ATO-TÜV sorgt für Transparenz und Sicherheit. Orientieren kann man sich auch bei den verschiedenen Labels, die genau beschreiben, wofür sie stehen, zum Beispiel das Fair-Trade-Siegel. Da der Zwischenhandel fast ausgeschlossen ist, hat man den direkten Kontakt mit den Erzeugern und verhandelt vor Ort auf Augenhöhe.

Aber zahlen die Kunden wirklich mehr für ein Pfund Kaffee, wenn es im Discounter doch viel günstiger ist?

Schug: Ja, unsere Kunden sind bereit mehr zu zahlen, weil sie wissen, dass dieses Geld ankommt und ein Überleben vor Ort sichert. Kaffee ist ein Genussmittel und im Weltladen bekomme ich einen Kaffee in der Triple A-Qualität – also Premiumstufe – handverlesen, schonend geröstet und biologisch angebaut.

Wer gehört zu Ihrem Kundenstamm?

Schug: Unsere Wiesentheider und natürlich das gesamte Umfeld. Es kommen Kinder und suchen sich Geschenke zum Geburtstag aus – auch viele Firmen und Vereine denken in Wiesentheid fair. Wir sind ja die erste Faire Gemeinde im Landkreis und darauf sind wir auch ein wenig stolz.

Welche Produkte kann man im Wiesentheider Weltladen kaufen?

Schug: Sämtliche Genussmittel, also Kaffee, Tee, Schokoladen, Näschereien, Nudeln, Reis, verschiedene Soßen und vieles mehr. Ebenso tolle Kunstgewerbeartikel von Schmuck über Töpferwaren bis hin zu fairen Kartengrüßen.

Die Organisation des Ladens wird ehrenamtlich geschultert. Wie viel Leute hat Ihr Team?

Schug: Wir sind zur Zeit zirka 14 Mitarbeiter, die dem Laden wöchentlich Stunden schenken und nochmal so viele, die als „Notfallmann/frauschaft agieren. Natürlich freuen wir uns über weitere Helferinnen und Helfer, bei uns ist jeder willkommen.

Warum engagieren Sie selbst sich für den Fairen Handel?

Schug: Wir leben in Deutschland auf sehr hohem Niveau. Der Faire Handel ist in meinen Augen eine Möglichkeit, mehr Gerechtigkeit in die ärmeren Länder zu bringen. Ich sehe die Not in den Augen der Asylbewerber bei uns, die sich nichts mehr wünschen, als dort zu überleben und zu leben, wo sie geboren sind. Dazu trägt der Faire Handel bei.

Einsatz für den fairen Handel

Weltladen Wiesentheid: Den Weltladen in Wiesentheid gibt es seit 2005 als feste Einrichtung, vorher bestand bereits eine Aktionsgruppe. Etwa 30 Mitarbeiter sind von Dienstag bis Samstag von 9 Uhr bis 12 Uhr und von Dienstag bis Freitag von 14 Uhr bis 18 Uhr in der Bahnhofstraße 9 für die Kunden da. (Während der Pfingstferien bis einschließlich 30. Mai ist der Weltladen geschlossen). Besonders stolz ist der Weltladen laut Helma Schug auf das „Produkt des Monats“: „Hier halten wir die Augen offen und versuchen interessante Lebensmittel und Kunstgewerbeartikel vorzustellen.“ Das Knowhow des Teams wird vor allem von den Vereinen genutzt, die immer mehr die Vorzüge eines Weltladenkaffees zu schätzen wissen.

Weltladen-Tag: Der Weltladentag ist eine Aktion des Weltladen-Dachverbandes in Kooperation mit dem Forum Fairer Handel. Jedes Jahr am zweiten Samstag im Mai engagieren sich deutschlandweit Weltläden mit politischen Aktionen zum Fairen Handel. Zeitgleich feiern weltweit die Mitglieder der World Fair Trade Organisation den Internationalen Tag des Fairen Handels / World Fair Trade Day. 2016 findet der Weltladentag am 14. Mai und zum 21. Mal statt. Im Mittelpunkt steht die Kampagne „Mensch. Macht. Handel. Fair.“ FOrum-Fairer-handel.de/len