Harald Gegner zitiert eine schwedische Zeitung: "Wir werden alles tun, um die deutsche Nationalmannschaft zu frustrieren."
Mittsommer ist das wichtigste Fest für die Schweden. Nachts wird es kaum dunkel, ganz Schweden feiert deshalb ein Lichterfest. Heuer gibt es an „Midsommar“ eine Besonderheit: Die traditionsreiche Feier der Sommersonnenwende fällt genau mit dem Fußball-WM-Spiel Deutschland-Schweden zusammen. Alter Schwede! Was das wohl bedeuten mag?
Harald Gegner, ein gebürtiger Casteller, lebt seit 15 Jahren mit seiner Frau Kristin und den beiden Kindern in Höör (Provinz Skaane) in Südschweden. Für die Redaktion dieser Zeitung hat er, der eigentlich kein Fußball-Fan ist, sich bei Bekannten und Verwandten mal ein bisschen umgehört. Er sagt: Die Stimmung in Schweden ist gut. „Seit dem Spiel der Deutschen gegen Mexiko denken viele, dass der Weltmeister zu schlagen ist.“
Generell werde „König Fußball“ in Skandinavien jedoch nicht so „verrückt“ und ausgiebig gefeiert wie in Deutschland. Vor allem während der Gruppenspiele zeige sich: „Schweden ist das Land des 'lagom'. Das bedeutet, es soll nichts übertrieben werden, alles mit Bedacht geschehen – einfach lagom.“ Das gelte für alle Bereiche des schwedischen Lebens und deshalb auch für die WM. Zudem sei Schweden ein Land der Individualisten. „Die WM ist kein Volksfest für die ganze Bevölkerung, sonder nur für die, die Fußball interessiert. Und die feiern auf ihre eigene Art und Weise – jeder so, wie es ihm passt.“
Harald Gegner hat dennoch zwei Trends ausgemacht: „Entweder man trifft sich mit Freunden zu Hause und wenn das Wetter schön ist, wird gegrillt. Oder man geht in eine der vielen Sportkneipen, die es in allen größeren und mittelgroßen Städten gibt, um dort gemeinsam mit anderen Fans zu feiern.“ In einigen Städten gebe es auch Großbildschirme, während der Gruppenspielphase seien die aber eher selten.
Eine Bekannte Gegners, die das erste schwedische WM-Spiel in einer Sportbar gesehen hat, beschreibt die Verhaltensregeln der Schweden beim Fußballgucken in der Öffentlichkeit so: „Applaudieren, wenn der Schiedsrichter oder die eigene Mannschaft etwas richtig macht. Der eigenen Mannschaft Tipps geben – je lauter, desto besser, damit man auch wirklich gehört wird, zum Beispiel 'Schieß doch!“, „Elfmeter!“, „Jetzt aber“...
Da das Gruppenspiel gegen Deutschland dieses Jahr genau auf Mittsommer fällt und „Mittsommer das größte Fest für die Schweden ist, fast größer als Weihnachten“, wird das Spiel gegen Deutschland für viele Schweden sicher ein Teil der Mittsommernachtsfeier werden. „Und deshalb werden auch im ganzen Land schwedischen Flaggen hängen.“ Wahrscheinlich werden das Spiel mehr Männer als Frauen schauen. „Die meisten schwedischen Frauen, die ich wegen der WM angesprochen habe, haben gesagt: 'Was, läuft zur Zeit die WM? Wusste ich gar nicht. Ist Schweden dabei…?'“
Natürlich gibt es aber auch im hohen Norden diejenigen, für die Fußball alles ist. „Ein Freund von mir ist so einer“, erzählt Harald Gegner. „Er hat gesagt: 'Fußball ist wie das Leben, nur viel besser, denn man hat immer die Chance zu gewinnen, auch wenn keiner an einen glaubt.'“ In diesem Sinne bestehe also die Möglichkeit, gegen Deutschland zu gewinnen.