Minigärtner staunen über die Staudenpracht

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Till Hofmann erklärt den Minigärtnern, worauf sie beim Pflanzen des Japanwaldgrases achten müssen.
Fotos: Daniela Röllinger
Eine bereitet vor, die andere setzt die winzige Pflanze ein: Die Mädchen arbeiten Hand in Hand.
Daniela Röllinger
Fine Molz erklärt: Damit es die Stecklinge schön warm und feucht haben, werden sie erst mal ein paar Tage mit einer Tüte bedeckt.
Foto: Daniela Röllinger
Unter der Folie ist die „Babystation“. Hier entwickeln die Stecklinge ihre Wurzeln. „Da unten ist es schön warm und feucht“, erklärt Fine Molz.
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Eine Idylle am Fuße des Schwanbergs: Mittendurch geht's durch die bunte Landschaft der Staudengärtnerei in Rödelsee. Nach der Besichtigung packen die Minigärtner selbst mit an.
Foto: DAniela Röllinger
Vor dem Einpflanzen der Stecklinge schneiden die Kinder erst einmal Triebe ab.
Foto: Daniela Röllinger
Die Taglilie mit ihren gelben Blüten sieht nicht nur schön aus. Die Kinder probieren auch, wie die Blüten riechen und schmecken.
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Luisa und Alina schauen sich die Erdschürfepflanze genau an. Sie zieht im Winter vollständig ein, neue Triebe schürfen dann an der Erdoberfläche.
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Bei den Bäumen finden Stauden ihren Platz, die es eher schattig mögen.
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Mit dem Finger ein Loch in die Erde machen, die Pflanze hineinstecken, festdrücken: Johanna und Lina haben den Dreh schnell raus.
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An den Blättern reiben und schnuppern gehört beim Besuch in der Staudengärtnerei für die Minigärtner dazu.
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Der richtige Standort ist wichtig. Unter den Bäumen finden Stauden ihren Platz, die es eher schattig mögen.
Foto: Daniela Röllinger
Noch ist die „Fette Henne“ winzig klein.
Foto: Daniela Röllinger
Passt wunderbar zur festlichen Frisur: Amelie hat sich eine Blüte ins Haar gesteckt.
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Ganz vorsichtig werden die Stecklinge in den Töpfchen der Anzuchtplatte platziert.
Foto: Daniela Röllinger
Johanna bereitet die Pflanztöpfe vor.
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Fine Molz zeigt die „Kindel“ der Erdbeerpflanze.
Foto: Daniela Röllinger
Den Lavendel kennen die Kinder. Wie andere Halbsträucher ist er unten verholzt, legt im Winter eine Wachstumspause ein und treibt im Frühjahr wieder aus.
Foto: Daniela Röllinger
Das Gruppenbild nach getaner Arbeit darf natürlich nicht fehlen: Die Europa Minigärtner Wiesentheid mit Projektleiterin Margot Burger (links), Fine Molz und Till Hofmann sowie Tochter Sarah.
Foto: Daniela Röllinger
Zoe pflanzt das Kindel einer Walderdbeere ein.
Foto: Daniela Röllinger
Haben die Stecklinge Wurzeln entwickelt und sind die Jungpflanzen groß genug, ziehen sie in den „Kindergarten“ im Freien um.
Foto: D. Röllinger

Von der fetten Henne und der Pflanze, die Kinder kriegt: In der Staudengärtnerei wird erkundet, geschnuppert und gepflanzt

„Welche Staude bekommt Kinder?“ Die Finger schnellen in die Höhe, aber niemand wartet ab, bis einer drangenommen wird. „Die Erdbeere!“ schallt es im Chor über das idyllische Gelände am Fuße des Schwanbergs. Die Minigärtner wissen genau, welche Pflanze ihnen Staudengärtnerin Fine Molz da zeigt.

„Stauden sind Pflanzen mit mehreren, aus einer Wurzel wachsenden kräftigen Stängeln, die im Herbst oberirdisch absterben und im Frühjahr wieder neu austreiben“ – ganz am Anfang des Besuches der „Europa Minigärtner Wiesentheid“ in der Staudengärtnerei in Rödelsee stand die Erklärung, womit es die Kinder an diesem Tag zu tun bekamen. Seit einem Jahr ist die Gärtnerei von Fine Molz und Till Hofmann im Landkreis beheimatet und der neue Standort bekam gleich viel Lob: „Hier wächst und gedeiht alles prima. Und das Wetter ist fast immer klasse für unsere Stauden“, freute sich die Staudengärtnerin. Dass es unzählige Staudenpflanzen gibt, erkannten die Kinder auf den ersten Blick: Etwa 100 000 Töpfe mit Pflanzen stehen auf dem Gelände nahe des Schwanbergs, es grünt und blüht, die großen und kleinen Blüten leuchten in buntesten Farben. Etwa 2000 verschiedene Staudenarten bieten Fine Molz und ihr Mann, Staudengärtnermeister Till Hofmann an.

Mit Stauden wird es nie langweilig

Staunend wanderten die Kinder durch die Pracht, rieben an den Blättern, schnupperten. „Mmh, das riecht gut!“, riefen sie. Die ganz Mutigen probierten sogar aus, wie die leuchtend gelbe Blüte der Taglilie schmeckt.

Stauden haben drei Arten, um zu überwintern, erfuhren die Minigärtner. Oberflächenpflanzen wie die Bergenie sind das ganze Jahr über der Erde, sind wintergrün und legen nur eine Wachstumsphase ein. Erdschürfepflanzen wie Rittersporn ziehen vollständig in den Boden ein, die neuen Triebe „schürfen“ dann an der Erdoberfläche. Halbsträucher wie der Lavendel sind unten verholzt, legen ebenfalls eine Wachstumspause ein und treiben im Frühjahr wieder aus.

„Einem Staudengärtner wird es nie langweilig“, erklärte Fine Molz. Jede Staude will etwas anderes, einen anderen Standort, auf eine andere Art und zu einem anderen Zeitpunkt vermehrt werden. Denn das ist es, was ein Staudengärtner macht: Er vermehrt Stauden, die beim Kunden dann meist im Freiland, im Garten eingepflanzt werden. Ein Grund, warum in dieser Gärtnerei längst nicht so viele Gewächshäuser stehen wie in den anderen Betrieben, die die Minigärtner schon besucht haben.

Wie vermehrt man denn nun Stauden? Fine Molz stellte den Kindern die Möglichkeiten vor. Bei der Vermehrung durch Samen unterscheiden sich die Nachkommen oft von den Mutterpflanzen. Welche Blütenfarbe oder Maserung sie haben, ist oft eine Überraschung. Stecklinge oder Schnittlinge gewinnt man durch Triebe, Blattstücke oder Wurzelschnittlinge einer Pflanze. Sie sind die exakte Kopie der Mutterpflanze. Andere Stauden bilden Ausläufer, auch Kindel genannt – die Erdbeere zum Beispiel. Man kann sie von der Mutterpflanze entfernen und neu einsetzen. Werden Stauden zu groß, kann man einen Teil der Pflanze ausgraben und an einem anderen Standort wieder einpflanzen – das ist die Vermehrung durch Teilung.

Kindel und Stecklinge gepflanzt

Die Vermehrung durch Stecklinge durften die Minigärtner an diesem Tag gleich selbst ausprobieren. Mit Messern ging es ins Staudenbeet, wo die Köpfe der „Fetten Henne“ abgeschnitten wurden. Die pflanzten die Mädchen und Jungen dann in vorbereitete Pflanzplatten und in Töpfe ein und beschrifteten genau, um welche Pflanzen es sich handelt und wann sie gepflanzt wurden. „Weihenstephaner Gold“ stand auf den Schildern der einen Sorte, „Angelique“ auf den anderen. Die Platten kamen in die „Intensivstation“ im Gewächshaus, wo die Stecklinge unter einer Folie anwachsen können. Die Töpfe nahmen die Minigärtner mit nach Hause. Und weil sie da kein Gewächshaus haben, stülpte jeder eine Tüte über den Topf. „Die Stecklinge müssen es schön warm und feucht haben“, erklärte Fine Molz. In etwa zwei bis drei Wochen kann die Tüte weg und die Pflanzen werden ins Freie gestellt, nach weiteren 14 Tagen können sie eingepflanzt werden.

Wie man mit den durch Samen vermehrten Stauden umgehen muss, lernten die Minigärtner am Japanwaldgras. Die pikierten, also bereits vereinzelten kleinen Pflanzen standen auf Platten bereit und mussten in Töpfe eingepflanzt werden. Wie am Fließband ging die Arbeit von der Hand, „schneller als die Topfmaschine“, lobten die beiden Gärtner. Das Japanwaldgras mag es eher schattig und ein bisschen feucht – im Gegensatz zur Katzenminze, die die Kinder ebenfalls genauer kennenlernten. Sie wächst ziemlich schnell, erklärte Till Hofmann, während das Japangras langsam wächst und eine lange Anpflanzzeit benötigt.

Fünf verschiedene Staudenpflanzen hatten die Kinder also in der zweistündigen Aktion vermehrt und hatten gut zu tun, sich zu merken, wie es denn jetzt welche am liebsten hat: Sonnig oder schattig, feucht oder trocken, wächst sie langsam oder schnell? Wie hatte Fine Molz zu Beginn des Minigärtner-Besuches noch gesagt? „Einem Staudengärtner wird es nie langweilig.“ Wenn das bei fünf Arten schon stimmt, wie schaut es dann bei 2000 Arten und 100 000 Pflanzen aus?

ONLINE-TIPP

Mehr Infos und Bilder unter www.inFranken.de

Die Staudengärtnerei

Seit 2017 gibt es „Die Staudengärtnerei“ in Rödelsee. Sie bietet Stauden und Fachberatung für alle Gartenbereiche. Zuvor hatten Fine Molz und Till Hofmann in Südhessen eine kleinere Staudengärtnerei betrieben und waren dann mit dem gesamten Betrieb und 95 000 Pflanzen an den Fuß des Schwanbergs umgezogen. Der Staudengärtnermeister und die gelernte Staudengärtnerin und Landschaftsarchitektin bieten auf etwa 11000 Quadratmeter Fläche eine riesige Auswahl an Stauden aus eigener Aufzucht in allen Variationen und Größen, insgesamt etwa 2000 Arten. Zum Portfolio gehört zudem individuelle Gartenplanung, gärtnerische Pflanzenverwendung und die Erstellung von Pflegekonzepten für bestehende und zu entwickelnde Gärten. Till Hofmann hat mehr als zehn Jahre an der Heidelberger Fachschule gelehrt, verfasst Artikel in Fachzeitschriften, arbeitet an Fachbüchern mit und hält Vorträge in Fachkreisen sowie unter anderem auch an der Vhs Kitzingen.