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Kitzingen
Coronavirus

Fränkische Klinik zieht Corona-Bilanz: Keine Spur von Pandemie

Die eigens eingerichtete Isolierstation in der Klinik Kitzinger Land blieb auch während der Corona-Hochphase weitgehend leer. So wie das ganze Haus. Stand heute hätte man sich einiges an Corona-Maßnahmen sparen können.
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Vieles hat sich in den letzten Wochen verändert, eines ist gleich geblieben: Vor dem Betreten der Klinik müssen die Hände desinfiziert werden. Das gilt auch für den stellvertretenden Vorstand, Dr. Uwe Pfeiffle. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Im Rückblick fällt die Bilanz eindeutig aus. „Von einer Pandemie konnte bei uns keine Rede sein“, sagt Dr. Uwe Pfeiffle. Der stellvertretende Leiter der Klinik Kitzinger Land ist sich bewusst, dass das Coronavirus das ganze Land vor nie gekannte Herausforderungen gestellt hat. Eine gewisse Vorsorge sei daher sicher richtig gewesen. Stand heute hätte man sich aber auch einiges sparen können.

Treffpunkt Klinik, Verwaltungstrakt: Hier haben Pfeiffle und Vorstand Thilo Penzhorn den Großteil der letzten Wochen und Monate verbracht. „Abwechselnd war tagsüber immer einer von uns da“, sagt Pfeiffle. Auch an den Wochenenden und Feiertagen. Schon alleine deshalb, weil Statistiken erfasst werden mussten. Wie viele Patienten werden gerade mit Verdacht auf Covid 19 in der Klinik behandelt? Wie viele liegen auf Isolierstation? Wie viele Kapazitäten sind vorhanden?

Klinik Kitzinger Land: Stand heute hätte man sich einiges sparen können

42 Plätze hatte die Klinik ab Ende März in einer eigens eingerichteten Isolierstation bereitgestellt. Das Personal wurde noch einmal extra geschult. Zwischen drei und acht Personen lagen im Schnitt in den Betten. Manchmal auch nur ein Patient, manchmal keiner. Viele hatten gar nicht Covid 19, mussten aber als Verdachtsfall so lange bleiben, bis auch der zweite Test negativ ausgefallen war. „Diese Patienten brauchten gar keine stationäre Behandlung“, sagt Pfeiffle. „Sie waren aber trotzdem da, manchmal bis zu zwei Wochen.“

Statistisch gesehen sterben rund 120 Menschen pro Halbjahr in der Klinik Kitzinger Land. Das erste Halbjahr 2020 macht da keine Ausnahme. An oder mit Corona sind letztendlich zwei Personen verstorben. Beide mit etlichen Vorerkrankungen, beide deutlich über 60 Jahre alt.

Als Kaufmann blickt Pfeiffle mehr als kritisch auf die letzten Wochen zurück. Rund 670 Mitarbeiter stehen in der Klinik in Lohn und Brot. Wegen Corona wurden hunderte geplante Operationen verschoben, die Rückkehr in den Normalbetrieb läuft schleppend an. „Viele haben wohl immer noch Angst“, vermutet der Klinikvorstand.

Klinik blickt kritisch zurück: Corona-Zeiten bedeuteten immense Herausforderungen fürs Personal

Die Bundesregierung hat versprochen, den Kliniken im Land einen finanziellen Ausgleich zu gewähren. Also verschicken Penzhorn und Pfeiffle neue Statistiken. Die Auslastung eines Tages im Jahr 2019 wird mit der Auslastung des gleichen Tages im laufenden Jahr verglichen. Den Differenzbetrag will die Regierung erstatten. Grundsätzlich ein schöner Gedanke. Doch der Teufel steckt im Detail. In welcher Höhe wird die Regierung einsteigen? Wie werden die Bewohner von Altenheimen berechnet, die in der Klinik lagen, ohne tatsächlich behandelt zu werden. „Wir stochern finanziell im Nebel“, sagt Pfeiffle.

Die ersten Wochen in der Corona-Zeit bedeuteten für das Klinik-Personal eine immense Herausforderung. „Viele hatten verständlicherweise Angst“, erinnert sich Pfeiffle. Tatsächlich haben sich auch Pflegekräfte und Ärzte angesteckt. Sie wurden nach dem positiven Testergebnis sofort in Quarantäne geschickt und berichteten bei ihrer Rückkehr von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. „Manche fühlten sich ein paar Tage richtig schlapp, anderen ging es nach zwei Tagen wieder prima“, so Pfeiffle.

Währenddessen kamen immer weniger Patienten ins Krankenhaus und die Mitarbeiter mussten sich mit neuen Problemen herumschlagen. „Unsere Logistik funktioniert normalerweise fantastisch“, sagt Uwe Pfeiffle. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise nahm die Bundesregierung den Einkauf von Masken, Kitteln und Desinfektionsmitteln in die eigene Hand und verteilte die Produkte an die Kliniken. „Wir bekamen plötzlich Desinfektionsmittel in runden statt in eckigen Flaschen“, erinnert sich Pfeiffle und muss lächeln. „Dabei sind alle unsere Spender für eckige Flaschen ausgelegt.“ Die Konsequenz: Die Mittel mussten aufwändig in die eckigen Behälter umgefüllt werden.

Nicht das einzige Problem. In einer Woche werden normalerweise 27.000 Paar Handschuhe auf den Stationen verbraucht. Der Klinik wurden von der Regierung zweitausend Paar Handschuhe avisiert. „Lachhaft“, sagt Pfeiffle und ärgert sich noch heute. Zu viele Gesetze wurden seiner Meinung nach noch vor der Krise erlassen, die dann ausgesetzt werden mussten, weil sie nicht umsetzbar waren. Zu viel wurde von außen reguliert. Mehr Freiraum hätte sich der Klinikvorstand in dieser Zeit gewünscht.

„Wir bekamen immer wieder Anrufe von Bürgern, die helfen wollten.“
Uwe Pfeiffle lobt die Solidarität im Landkreis

Auch wenn vieles nicht so rund lief in den letzten Wochen und Monaten: Die Solidarität innerhalb der Belegschaft sowie von Privatpersonen und Unternehmen in Stadt und Landkreis Kitzingen haben Pfeiffle mächtig imponiert. Etliche Unternehmen und die Kollegen des Landratsamts Kitzingen haben der Klinik sehr geholfen. Medizinisches Hilfsmaterial und Desinfektionsmittel wurden angeboten und geliefert. „Und wir bekamen immer wieder Anrufe von Bürgern, die irgendwann eine medizinische Ausbildung gemacht haben und helfen wollten“, erzählt Pfeiffle. „Zudem Spenden und Aufmerksamkeiten für unsere Pflegekräfte, auf die wir uns immer voll verlassen konnten.“

Manches Angebot auf Hilfe musste der Vorstand dankend ablehnen. Sein Haus war in den letzten drei Monaten nur geringfügig belegt. Die Pandemie ist nicht nur an der Klinik Kitzinger Land vorbei gegangen. Von etlichen Kollegen in Bayern hat Pfeiffle Ähnliches gehört. Die Warnungen vor einer „zweiten Welle“ hört er deshalb auch mit einer gewissen Vorsicht. „Weil es bei uns gar keine erste Welle gab.“

Aktuelle Besuchsregeln

Besuchszeiten: Allgemeinstation von 9.30 bis 11 Uhr und von 14 bis 17 Uhr (vorzugsweise zum Bringen und Holen von Patienten) Intensivstation: 10.30 bis 11.30 Uhr und 15.30 bis 17.30 Uhr. Väter auf Geburtsstation: 8 bis 20 Uhr Regeln: Alle Besucher müssen sich an der Pforte mit Namen und Adresse registrieren! Es wird pro Tag konsequent nur ein Besucher zum Patienten gelassen.

Für die Besucher und die Patienten gilt während der Besuchszeit Maskenpflicht!

Besucher sollen sich auf Station, bevor Sie in das Patientenzimmer gehen, zuerst bei einer Pflegekraft melden.

Keine Geschenke (Blumen, etc.) mit in die Klinik bringen.

Die Begleitung Sterbender darf wie gehabt stattfinden, sofern keiner der Angehörigen Symptome, wie Fieber, Husten, Übelkeit, etc., aufweist.