Minigärtner stellen bei der Spargelernte fest: Das königliche Gemüse macht viel Arbeit.
24 Kinder buddeln mit beiden Händen tiefe Löcher in die sandige Erde. Das hört sich nach Spaß am Strand an. Ist es aber nicht, sondern harte Arbeit: Die Minigärtner ernten Spargel.
Erst mal sondiert Udo Hertlein die Lage: Wer hat schon mal Spargel gestochen? Johanna hebt als Einzige die Hand. Wer mag Spargel? Etwa drei Viertel der Kinder melden sich. Und wer hat noch nie Spargel probiert? Jetzt gehen vier Hände in die Höhe. „Ich mag Spargel nicht“, sagen einige halblaut. „Ich ess' nur die Köpfe“, verkündet Marvin lautstark. Und damit gibt er sich als Feinschmecker zu erkennen, denn die Köpfe sind das Allerfeinste am so genannten königlichen Gemüse, das zum Landkreis Kitzingen gehört wie der Wein. Auf 250 Hektar Fläche wird hier Spargel angebaut – in Unterfranken sind es insgesamt 470 Hektar.
Zwei Jahre lang lernen 24 Kinder bei der Aktion „Europa Minigärtner“ die grüne Branche kennen – ein Besuch auf einem Spargelhof darf da nicht fehlen. Und so empfängt Udo Hertlein in seinem Betrieb in Haidt eine quirlige Gruppe, die sich voller Elan an die Arbeit macht, während der Chef alles Wichtige rund um das wertvolle Gemüse erklärt. Weißen Spargel gibt es, das ist der, den die Minigärtner an diesem Tag ernten. Er wächst unter der Erde, momentan verdeckt von weißen Folien. Die haben Hertlein und seine Mitarbeiter über die Dämme gebreitet, damit die Pflanzen nicht so schnell wachsen, wenn es zu warm wird. Die Folien regeln die Temperatur im Damm: dreht man die schwarze Seite nach oben, wird der Boden stärker von der Sonne erwärmt, der Spargel wächst schneller. Die weiße Folie dagegen blockt die Sonne ab.
Der weiße Spargel wächst in Erddämmen und er hat seine Farbe eben weil er unterhalb der Erde gedeiht. Wird es ihm zu warm und kommt er ans Licht, färbt er sich lila. Grüner Spargel dagegen wächst ohne Damm über der Erde. Deshalb muss er auch nicht, wie der weiße, gestochen werden, sondern wird geschnitten. „Der grüne Spargel schmeckt intensiver, so ähnlich wie Broccoli“, sagt Udo Hertlein – was die Begeisterung bei den Kindern, die Spargel nicht mögen, allerdings nicht unbedingt steigert.
Die meisten aber kennen und mögen Spargel und viele wissen auch, dass seine Zubereitung ganz schön viel Arbeit macht, denn jede Stange muss einzeln geschält werden. 25 bis 30 Prozent jeder Stange geht beim Schälen verloren. So viel zu entfernen, fällt nicht jedem leicht, schließlich kostet Spargel ganz schön viel Geld. „Die Omas schälen ein bisschen weniger“, sagt Hertlein, da hat man dann beim Essen manchmal ein bisschen Schale wie einen Faden im Mund. Und er weiß auch, dass die meisten Omas den Spargel gern ein bisschen weicher mögen, Jüngere wollen ihn fester.
Die Geschmäcker mögen sich geändert haben, die Arbeit, die hinter dem Genuss des Spargels steckt, ist die gleiche geblieben. Vor der Pflanzung muss der Boden gut vorbereitet werden, Steinchen oder dichten Boden mag der Spargel nicht, am besten wächst er in sandigem Boden.
Nach der Pflanzung – etwa 18 000 Pflanzen pro Hektar, 17 bis 19 Zentimeter tief, 1,90 Meter Reihenabstand – braucht es Geduld, denn erst nach zwei Jahren kann man zum ersten Mal ernten. Etwa acht Jahre lang kann man dann Spargel von den Pflanzen stechen, bevor neu gepflanzt werden muss. Verschiedene Sorten gibt es übrigens auch, mit so spannenden Namen wie Cumulus und Ramires, Baklim oder Gijnlim.