Cornelius Schmid ist Geologe. Seit drei Jahren arbeitet er für die Kitzinger Firmengruppe LZR. Künftige Hochwasser könnten durch Kiesgruben abgemildert werden, meint er und wünscht sich, dass die Rohstoffgewinnung vor Ort ausgebaut wird. „Ein Widerspruch ist das nicht“, versichert er.

Die aktuellen Flutkatastrophen werfen auch in Mainfranken die Frage auf, wie es mit dem Hochwasserschutz vor Ort bestellt ist. Überschwemmungen und Überflutungen hat es auch hier gegeben, zuletzt klagten besonders Schwarzach und Wiesentheid über Bäche, die über die Ufer traten und Keller volllaufen ließen. „Wassermengen können immer schneller abfließen“, erinnert Schmid.

Vorsorge betreiben

Es fehlen vielerorts Möglichkeiten, wo sich das Wasser ausbreiten oder versickern kann. Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren: Flächen wurden versiegelt, die Landwirtschaft intensiviert, Bäche und Flussläufe angepasst und begradigt. Zu alldem gesellen sich noch klimatologische Veränderungen wie Starkregenereignisse oder Dürren.

Zurückdrehen lässt sich die Zeit nicht. Aber der Mensch könne Vorsorge betreiben, ohne dabei überall große Flutmauern oder Dämme bauen zu müssen, ist Schmid überzeugt. Eine essenzielle Hilfe böten Kiesgruben. „Von denen haben wir entlang des Mains glücklicherweise einige.“ Etwa 20 so genannte „Altseen“ gibt es im Landkreis Kitzingen, die meisten an der Mainschleife. Dazu kommen vier bis fünf neue Kiesgruben, die noch ausgebaggert werden. Für Cornelius Schmid sind das riesige Auffangbecken bei einem möglichen Hochwasser. Flächen, die den Menschen schützen. Schmid belegt seine Aussagen mit Zahlenmaterial.

Nach seinen Berechnungen sammeln sich in den Kiesgruben rund vier Milliarden Liter Wasser von Volkach/Fahr bis Ochsenfurt. „Im Überschwemmungsfall ist der Wasserpegel des Mains dank der Kiesgruben um einen bis eineinhalb Meter tiefer“, erklärt er. Eine Zahl, die darüber entscheidet, ob ein Keller vollläuft oder nicht, ob eine Straße unterspült wird oder nicht. „Je mehr dieser so genannten Retentionsflächen vorhanden sind, desto eher lassen sich die Spitzen eines Hochwassers entzerren“, erklärt der Geologe. „Und die Fließgeschwindigkeit reduziert sich.“

Zu viele Nutzer

Besteht ein Teil der Lösung also darin, immer mehr Kiesgruben entlang des Mains und seiner Zuflüsse anzulegen? Cornelius Schmid muss grinsen. „Geht leider nicht“, sagt er. Zu viele Nutzer streiten sich um zu wenig Fläche: Die Forstwirtschaft, die Landwirtschaft, die Gemeinden, die neue Bau- und Gewerbegebiete ausweisen wollen und der Naturschutz. Sie alle haben ein Wörtchen mitzureden bei der Nutzung der Flächen. LZR könnte theoretisch den in unserer Region benötigten Rohstoff aus Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt herbeifahren. „Ökologisch sinnvoll ist das aber auch nicht unbedingt“, sagt Schmid und erinnert an die langen Transportwege.

Besser wäre es, die noch vorhandenen Ressourcen vor Ort auszuschöpfen. „Bevor ein Neubaugebiet erschlossen oder eine Solarkraftanlage gebaut wird, sollte der Rohstoff aus dem Boden gewonnen werden“, nennt er das sinnvollere und nachhaltigere Wunschszenario. „Das wird aber leider nicht praktiziert.“

Hochwasser lässt sich abmildern

Um neben der Rohstoffgewinnung noch zusätzlichen Retentionsraum zu schaffen, müssten Kiesgruben renaturiert und nicht verfüllt werden. Das sei auch an den Zuläufen des Mains, im Steigerwaldvorland durchaus vorstellbar. „Ein Hochwasser lässt sich damit nicht verhindern“, betont Schmid. „Aber es ließe sich abmildern.“ Dafür müssten allerdings alle Interessensgruppen vor Ort mitspielen: Die Gemeinden, die Landwirte und nicht zuletzt das Wasserwirtschaftsamt.