Bei Busigels dreht sich alles um Gurken. Die Minigärtner packen beim Pflanzen mit an.
Sie stammt eigentlich aus Indien. Man kann Eis daraus machen. Thripse knabbern gern an ihr – und das ist gar nicht gut. Die winzig kleinen Schädlinge fressen Löcher in die Salatgurke. Dann wird sie krumm. Die meisten Erwachsenen wissen das alles nicht. Die Minigärtner schon, denn sie waren zu Besuch im Gewächshaus von André Busigel in Albertshofen.
Zwei Worte und ein großes Herz auf dem Pulli verrieten auf den ersten Blick, wofür das Herz des groß gewachsenen Mannes mit dem Bart schlägt, der 23 Minigärtner in einem seiner Treibhäuser empfing: André Busigel liebt Gurken. Das ist auch gut so, denn sie bestimmen sein Leben. In der Reinhard Busigel GbR in Albertshofen werden alljährlich Millionen von Gurken geerntet. Heuer werden einige von ihnen an Pflanzen wachsen, die von den Minigärtnern gepflanzt wurden.
Zwei Jahre lang erkunden Kinder aus dem Landkreis Kitzingen im Projekt „Europa Minigärtner“ die Gartenbaubranche. Indianerbeete haben sie schon angelegt, Christbäume gepflanzt, Adventskränze gebunden. Bei der ersten Veranstaltung im neuen Jahr ging es um ein Gemüse, das fast alle von ihnen besonders gern mögen: Gurken. Nur ein einziges Mädchen macht sich nicht besonders viel aus der schlanken langen Frucht – doch gut möglich, dass sich das jetzt ändern wird. Denn André Busigel wusste viel Spannendes zu erzählen.
Die erste Überraschung gab es schon beim Betreten des riesigen Glashauses: Die unzähligen noch relativ kleinen Gurkenpflanzen stachen aus einer weißen Fläche heraus. Da war gar keine braune Erde. „Gurken sind wählerisch“, erklärte der Gartenbautechniker. Der natürliche Boden ist nicht gut geeignet für den Anbau. Zu nass, zu steinig, es gibt Krankheiten und Schädlinge. Deshalb wachsen die Pflanzen in seinem Gewächshaus in Substrat.
Bevor es an die praktische Arbeit ging, erzählte Busigel den Mädchen und Jungen erst einmal, dass Gurken ursprünglich aus den tropischen Regenwäldern Indiens kommen, wo es feucht und warm ist, zur Familie der Kürbisgewächse gehören und deshalb mit der Zucchini und der Melone eng verwandt sind. Die Kinder lernten, dass die Römer schon vor knapp 2000 Jahren echte Gurkenfans waren und Kaiser Tiberius sie einst sogar auf Wagen mit auf seine Reisen nahm. Nach Deutschland kamen sie vor etwa 500 Jahren. Heute ist die Salatgurke bei uns die drittbeliebteste Gemüseart nach Tomaten und Möhren. Sie ist ein prima Durstlöscher, weil sie fast nur aus Wasser besteht. Meist wird sie roh verzehrt, man kann aber auch Gurkencocktail oder Gurkeneis daraus machen oder sie in Scheiben geschnitten auf das Gesicht legen. „Das macht weiche Haut“, erklärte der Albertshöfer.
Auf Wagen hatten er und seine Frau Mercedes Pflanzen für die Minigärtner bereitgestellt, die es auf Substratsäcke zu setzen und mit Wasser zu versorgen galt. Vorher schauten sich die Kinder die Jungpflanzen, die am 6. Dezember gesät wurden, erst einmal genau an. 35 Tage brauchen sie im Winter von der Aussaat bis zur Pflanzung, im Sommer sind es nur 23 Tage. Ungefähr sechs etwas stachelige Blätter hat jede Jungpflanze. Das ist wichtig. Hat sie weniger Blätter, wächst sie später zu langsam. Hat sie mehr, ist zu wenig Platz im Jungpflanzenbeet.
Jede Pflanze steht in einem Würfel aus Steinwolle, sie wird mit einem Stab gestützt, damit sie nicht umknickt. Vorsichtig stellten die Kinder jede Einzelne auf das Substrat. Die Pflanze durfte nur am Würfel angefasst werden, damit die empfindlichen Blätter nicht beschädigt werden. „Die braucht sie, um Sonnenlicht aufzunehmen, davon ist im Januar sowieso schon sehr wenig da“, erklärte Busigel. Dann wurde vorsichtig ein Tropfer in den Würfel gesteckt. Die Tropfbewässerung versorgt die Pflanze über die Wurzeln mit Wasser und Nährstoffen. Gurkenpflanzen mögen es nämlich nicht, wenn die Blätter oder die Früchte nass werden. Außerdem sorgt der Tropfer dafür, dass jede Pflanze gleich viel Wasser bekommt. Über ihn werden auch nützliche Bakterien und Pilze an die Pflanzenwurzel gegossen, die bei der Nährstoffaufnahme helfen.