Ebrach. „Das neue Besucherkonzept ist gut umzusetzen“, freut sic Barbara Ernwein, die Leiterin des Baumwipfelpfads in Ebrach. Die ersten Wochen nach der Wiedereröffnung mit den erforderlichen Schutzmaßnahmen seien erfolgreich gewesen – einige Veranstaltungen konnten schon wieder stattfinden. Gestartet sind zum Beispiel die Falknereivorführungen, von denen am Mittwoch und Sonntag, 2. und 6. September, jeweils um 15 Uhr noch eine Ausgabe stattfindet. Im Interview verraten Barbara Ernwein und Falkner Milton Reichert, was die Besucher erwartet.

Wie wirken sich die Einschränkungen durch Corona aktuell auf einen Besuch am Baumwipfelpfad aus?

Barbara Ernwein: Durch die einzigartige Bauweise und das großzügige Platzangebot auf dem Gelände sind die Einschränkungen für die Besucher nur geringfügig. Oberste Priorität hat das Abstandsprinzip, das inzwischen alltäglich geworden ist und gut eingehalten wird.

Gibt es Neuerungen in 2020?

Barbara Ernwein: Der große Waldspielplatz wurde für die Saison mit Kiosk ausgestattet und auch mit einem neuen Spielgerät erweitert. Gerade größer Kinder können sich auf dem Klettersechseck austoben. Die Corona bedingte Schließung des Streichelgeheges wurde für eine Erweiterung und Neuausrichtung des Tiergeheges genutzt und es können bereits Sikawild – eine kleinere Hirschart – und bald auch Mufflons bestaunt werden.

Es fanden die Tage auch schon Falknereivorführungen am Baumwipfelpfad statt. Wie kam diese Idee zustande?

Barbara Ernwein: Die Falknereivorführung ist ein Baustein von vielen aus dem Umweltbildungsangebot, das der Baumwipfelpfad in den Bereichen Natur- und Artenschutz anbietet. Nach Ende des Vertrages des bisherigen Dienstleisters habe ich bei verschiedenen Falknern in der Umgebung angefragt. Wichtig war uns: keine zu weite Fahrstrecke, Erfahrung und Angebot. Mit dem neuen Partner „Pirschart“ aus Nürnberg, einem Ableger der Falkner Burg Rabenstein, hat alles gepasst und so können wir nach der „Corona-Pause“ und einem entsprechenden Hygienekonzept jetzt wieder Vorführungen anbieten.

Was erwartet die Besucher bei den Shows?

Milton Reichert: Die Zuschauer bekommen Einblicke in die imposante Arbeit eines Berufsfalkners mit dessen edlen Tieren. Sie erfahren viel über die Geschichte und Entwicklung der Falknerei. Sie lernen dabei, wie sie selbst zum Beispiel einen Turmfalken erkennen und was jeder Einzelne tun kann, um die Bestände von Wanderfalken, Turmfalken, Steinkauz und der Vielfalt der gefiederten Tiere zu fördern. Der Turm wird bei dieser Veranstaltung zum Colosseum. Die Protagonisten befinden sich dabei – für alle gut einsehbar – auf der unteren Plattform.

Welche Tiere sind zu sehen? Und ist es für diese kein Problem, sich in ungewohnter Umgebung zurechtzufinden?

Milton Reichert: In der Vorführung werden heimische und nicht heimische Greifvögel gezeigt, wie zum Beispiel Wanderfalke, Turmfalke und Wüstenbussarde. Die Vögel sind weit vor dem Beginn der Vorführungen mit dem Baumwipfelpfad und der Umgebung vertraut gemacht worden.

Die Falknerei Burg Rabenstein ist eine der letzten ihrer Art. Warum gibt es solche Einrichtungen nur noch so selten?

Milton Reichert: Die Falknerei ist über 4000 Jahre alt und wurde durch die UNESCO sogar als immaterielles Kulturerbe eingestuft. Die Tradition der Falknerei beruht auf der Jagd mit geeigneten Greifvögeln. Geier, Weißkopfseeadler, insbesondere Eulen gehören nicht dazu. Jagdlich geeignete Greifvögel sind aufwendig in der Ausbildung und werden mit vorgenannten Vögeln ersetzt, die leichter zu handhaben sind. Hierdurch wird die Tradition der Falknerei verlassen.

Wie viele Vögel leben bei Ihnen?

Milton Reichert: In der Falknerei Burg Rabenstein sind über 85 Greifvögel und Eulen zu sehen. Darüber hinaus werden von Tierfreunden immer wieder Pflegefälle gebracht, die der freien Wildbahn, wenn möglich, wieder zugeführt werden.

Welche Vögel sind besonders bedroht beziehungsweise schützenswert?

Milton Reichert: Geschützt sind alle Greifvögel und Eulen. Hervorzuheben und auch zu sehen sind im Greifvogel- und Eulenpark der Falknerei Burg Rabenstein der Habichtskauz, der Steinadler und Falklandkarakaras, von denen geschätzt weltweit noch 2500 Exemplare existieren.

Zahlen die Besucher für die Show extra?

Barbara Ernwein: Nein. Für den Besucher entstehen keine zusätzlichen Kosten. Es ist nur der normale Pfadeintritt zu entrichten. Auch eine separate Anmeldung ist nicht nötig.