Etwas mehr als eine Woche ist vergangen. Die Aufräumarbeiten sind beendet, endlich haben sie ein wenig Zeit zum Durchschnaufen und für ein Resümee. Das fällt fast durchweg positiv aus.

Die Nacht zum 9. Juli und die darauffolgenden Tage werden viele Landkreisbürger nicht vergessen. Moritz Hornung, Felix Menz und Peter Säger von der Volkacher Feuerwehr auch nicht. „Das war so etwas wie unsere Feuerprobe für den Gerätewagen Hochwasser“, sagt Felix Menz, der in dieser Hochwassernacht als Zugführer im Einsatz war. Peter Säger war Gruppenführer – und Moritz Hornung ist der Pressesprecher und war in der ersten Nacht Gruppenführer. „So viel Wasser hatten auch wir nicht erwartet“, erinnert sich Felix Menz. „In dieser Dimension war der Einsatz für uns schon überraschend“, ergänzt Peter Säger. Wie gut, dass die Abläufe im Vorfeld trainiert wurden. Personal und Material haben die Bewährungsprobe bestanden.

Lehre aus dem Donau-Hochwasser

2017 wurde bei der Volkacher Feuerwehr ein Spezialfahrzeug für Hochwassereinsätze stationiert. „Eine Lehre aus dem Donau-Hochwasser von 2013“, erklärt Moritz Hornung. Damals beschloss die Bayerische Staatsregierung, in jedem Landkreis so ein Fahrzeug mit jeder Menge Spezialgerät zu stationieren: Neun Rollcontainer können auf der Ladefläche untergebracht werden. Jeder Container fasst zwei hochwertige Schmutzwasserpumpen mitsamt Schläuchen und Armaturen. Es gibt drei Rollcontainer mit leistungsfähigen Stromerzeugern und einen mit der nötigen Schutz- und Warnausrüstung, mit Notfallrucksack, Werkzeug und Handlampen. Der Vorteil dieses Systems: Mehrere Stellen können gleichzeitig versorgt werden. Ein Container wird an einem neuralgischen Punkt abgeladen, die Einsatzkräfte nehmen ihre Arbeit auf, während das Fahrzeug den nächsten Container mitsamt Personal an den nächsten Einsatzort bringt.

240 Badewannen pro Minute

Kernstück der Ausrüstung sind die 18 Spezialpumpen. Rund 40.000 Liter Wasser können sie zusammen pro Minuten absaugen. „Das entspricht zirka 240 Badewannen pro Minute“, verdeutlicht Moritz Hornung. 18 vollgelaufene Keller können so parallel mit den Schmutzwasserpumpen ausgepumpt werden. In Wiesentheid war das der Fall. „Diese Spezialpumpen können alle Gegenstände bis zur Größe eines Tennisballs absaugen“, berichtet Hornung und demonstriert die Saugkraft am eigens aufgestellten Pool auf dem Feuerwehrgelände. „Die Pumpen sind nahezu komplett verstopfungssicher“, ergänzt Peter Säger und wirft ein altes T-Shirt in den Pool. Auch Schlamm oder Steine werden zügig abgesaugt. Am Wochenende des Hochwassers waren die Pumpen und das Einsatzfahrzeug ein Segen.

Um kurz vor 20 Uhr ging die erste Meldung ein. Die Volkacher machten sich auf nach Dornheim. „Dort mussten wir aber zum Glück nicht eingreifen“, erinnert sich Moritz Hornung. Wenig später schon: An der Alten Orangerie und anderen Orten in Wiesentheid waren die Kräfte bis früh um 3 im Einsatz. Insgesamt zwölf Feuerwehrleute aus Volkach gaben ihr Bestes, sechs Pumpen liefen parallel. Gegen 4 Uhr sind die Floriansjünger müde und erschöpft in ihre Betten gefallen – um drei Stunden später wieder geweckt zu werden.

Kräftezehrende Arbeit

Die Hochwassersituation hatte sich nicht beruhigt, im Gegenteil. „So etwas haben wir auch noch nie erlebt“, erinnert sich Felix Menz. Zum Glück sind alle 60 Einsatzkräfte der Volkacher Feuerwehr auf die neuen Gerätschaften trainiert. „Nach ein paar Stunden müssen wir uns abwechseln“, sagt Felix Menz. „Die Arbeit ist ganz schön kräftezehrend.“

Kein Wunder: Die schweren Pumpen werden – an einem Seil befestigt – in die vollgelaufenen Keller abgelassen. Vorher sichern sich die Einsatzkräfte selbst mit einer Leine. „Wir sind immer zu zweit unterwegs“, erklärt Felix Menz. Sicherheit geht vor. „Unsere Wathosen können sich bei einem Sturz schnell mit Wasser füllen“, erklärt Peter Säger. Und dann kann so ein Einsatz lebensgefährlich sein. In Nordrhein-Westfalen ist ein Kamerad in einem vollgelaufenen Keller ertrunken. „Bei uns im Landkreis gab es zum Glück nur zwei kleinere Verletzungen“, berichtet Moritz Hornung.

Den ganzen Freitag waren die Volkacher Feuerwehrkräfte im Einsatz: In Prichsenstadt, Geesdorf, Stadelschwarzach und in Volkach selbst. Sie pumpten Keller aus und errichteten Sperren aus Sandsäcken. Am Samstag haben sie das Material aus Wiesentheid abgeholt, gereinigt und wiederaufbereitet. Am Sonntag bauten sie im Auftrag des Staatlichen Bauamtes einen Sandsackwall an der Gaibacher Straße. „An diesem Wochenende mussten die Familien auf unsere Einsatzkräfte weitgehend verzichten“, berichtet Moritz Hornung. Und am Montagmorgen ging es – nach einem strapaziösen Wochenende – wieder zur Arbeit.

Ein paar Kritiker gibt es immer

Nach ein paar Tagen Abstand zogen die Volkacher ihr Fazit des Hochwasser-Wochenendes. Die Zusammenarbeit mit den anderen Feuerwehreinheiten, mit den Kollegen vom THW und BRK hat reibungslos funktioniert, freut sich Moritz Hornung. Die Spezialpumpen haben ganze Arbeit geleistet und die Bevölkerung sei größtenteils dankbar und froh über den Einsatz der Feuerwehrkräfte gewesen. „Ein paar Kritiker gibt es immer“, bedauert Hornung. „Die schauen uns rauchend bei der Arbeit zu und lassen uns nicht einmal bei sich aufs Klo, obwohl wir ihr Haus schützen.“ Ein paar Kleinigkeiten sind verbesserungswürdig. „Das nächste Mal nehmen wir mehr Verpflegung und Wechselklamotten mit“, meint Felix Menz. Verpflegungseinheiten gab es zwar – aber bei all den Einsatzorten im Landkreis war es nicht möglich, überall Verpflegung hinzuschaffen. Neue Regenjacken wären auch keine schlechte Idee. „Nach ein paar Stunden Arbeit im strömenden Regen waren wir alle durchnässt“, berichtet Felix Menz. Für den nächsten Notfall will man bestmöglich gerüstet sein. „Aber natürlich wünschen wir uns alle, dass wir so ein Hochwasser nicht noch einmal erleben“, meint Moritz Hornung.