Fachgerecht, gesund und lecker

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Der Genuss entschädigt für die lange Zubereitungszeit: Hauswirtschaftsoberrätin Thea Schlesinger, Andrea Werner, Fachoberlehrerin Ruth Halbritter und Maike Musiol.
Fotos: Daniela Röllinger
Andrea Werner und Monika Spiegel vor dem von ihnen zubereiteten Menü. Im Hauptgang verwöhnten sie mit Grillplatte, Fächerkartoffeln, Brokkolisouffle und Kohlrabi-Apfelrohkost.
Foto: Daniela Röllinger
Der Eingangsbereich ist die Visitenkarte des Hauses. Und dekorieren die Kursteilnehmer auch den Eingangsbereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Foto: Daniela Röllinger
Sonja Eichinger präsentiert Lehrerin Ruth Halbritter und ihren Kurs-Kolleginnen ihr Menü.
Foto: Daniela Röllinger
Lecker: Apfelringe an Walnusskaramell.
Daniela Röllinger
Tolle Idee fürs Festmenü: Quarkmousse auf Fruchtspiegel.
Daniela Röllinger
Köstlich: Rhabarberkompott mit Granatapfel in Hippen.
Foto: Daniela röllinger
Gesunde und leckere Produkte aus der Region: Käserolle an Frühlingssalat.
Foto: Daniela Röllinger

Maike Musiol nimmt eine kunstvoll gefaltete Serviette zur Hand. „So etwas habe ich zuhause sonst nie gemacht.“ Jetzt sitzt sie an der festlichen Tafel, die sie selbst gestaltet hat, und genießt ein Fünf-Gänge-Menü, gekocht von ihren Kurskolleginnen. Endspurt im Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung.

Maike Musiol nimmt eine kunstvoll gefaltete Serviette zur Hand. „So etwas habe ich zuhause sonst nie gemacht.“ Jetzt sitzt sie an der festlichen Tafel, die sie selbst gestaltet hat, und genießt ein Fünf-Gänge-Menü, gekocht von ihren Kurskolleginnen. Endspurt im Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung.

Es ist eine Art Generalprobe, die an diesem Vormittag in der Lehrküche und im Speisesaal des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über die Bühne geht. Das Kochen des Menüs, Dekorieren des Tisches passend zum Essen und zur Jahreszeit sowie das richtige Eindecken der Festtafel muss sitzen, wenn in wenigen Wochen die Prüfung ansteht. Und das ist nur ein ganz geringer Teil dessen, was die 14 Frauen in den letzten Monaten gelernt haben.

Der einsemestrige Studiengang zur Fachkraft für Ernährung und Hauswirtschaft wird derzeit zum ersten Mal in Kitzingen abgehalten, er ist intensiver als die Lehrgänge, die es bisher gab, der Abschluss ein anderer. Wer die Prüfung besteht, darf sich nicht nur Fachkraft nennen, sondern erwirbt auch die Ausbildereignung. Die Unterrichtsfächer sind vielfältig: Küchenpraxis und Ernährungslehre, Haushalts- und Finanzmanagement, Unternehmensführung, Haus- und Textilpraxis, Hausgartenbau, Berufs- und Arbeitspädagogik. Es geht um Familie, Persönlichkeit und hauswirtschaftliche Betreuung, Haushaltstechnik und soziale und religiöse Bildung.

Unterrichtete wurden die Teilnehmerinnen – bisher waren es ausschließlich Frauen, aber auch Männer sind willkommen – von Hauswirtschaftsoberrätin Thea Schlesinger und den Fachlehrkräften Ruth Halbritter, Gabriele Schenk und Gabriele Royackers.

Mit umgebundener Schürze und Haube über den Haaren stehen sieben Frauen in der Küche und legen letzte Hand an ihr Menü. Paarweise haben sie jeweils fünf Gänge gezaubert. Ruth Halbritter hat letzte Tipps gegeben, noch einmal das fachgerechte Aufschneiden des Wildbrets gezeigt. Jetzt sind die Platten gerichtet. Lammkeule mit Walnussknödeln und Bohnen im Speckmantel, Grillplatte mit Fächerkartoffeln an Brokkolisoufflé, Rehrückenfilet unter Nusskruste mit Dauphin-Kartoffeln – schon alleine die Hauptgänge lassen keine Wünsche offen. Während die eine Gruppe kocht, ist die andere Gruppe fürs Eindecken und die Deko zuständig. In vier Wochen wird die „Generalprobe“ wiederholt, dann werden die Aufgaben getauscht.

Ein Vormittag Theorie in der Woche, ein Vormittag beziehungsweise Nachmittag Praxis – so sah das Lernprogramm in den vergangenen Monaten aus. Viele Frauen haben mit ihrer Teilnahme die Basis für eine neue berufliche Aufgabe gelegt, andere haben nur aus privatem Interesse mitgemacht. Monika Spiegel, fünffache Mutter, hat sich in der Elternzeit für die Weiterbildung entschieden. Vorher hat sie im Kindergarten gearbeitet, jetzt ist sie im Sozialdienst tätig. „Das passt wunderbar“, sagt sie. Die neuen Kenntnisse kommen ihr bei der Arbeit zugute. Spannend findet sie vor allem die Ernährungslehre. Wie ist das Essen zusammengesetzt, welche Mineralstoffe sind enthalten, was ist gut für den Körper? Wissen, das sich zuhause und in der Arbeit umsetzen lässt. Auch Andrea Werner kann die neuen Erkenntnisse gut für ihre Arbeit nutzen. Sie ist in der Altenpflege tätig. „Ich habe gedacht, das lässt sich gut kombinieren. Und das hat sich auch bestätigt.“

In die Hauswirtschaft „mal reinschauen“ wollte Maike Musiol. Ihr gefällt vor allem, dass auch der Hausgartenbau zum Lehrstoff gehört. Jetzt will sie auf dem Balkon Salat und Gemüse anbauen. „Darauf wäre ich früher nie gekommen.“

An diesem Tag hat sie mit anderen Teilnehmerinnen die Tische mit eingedeckt und dekoriert. Fachlehrerin Gabriele Schenk hat mit prüfendem Auge auf die drei Tafeln geschaut, in der Schlussbesprechung gibt es nichts zu beanstanden. „Gestaltung ist ein wichtiger Faktor“, weiß Schenk. Nicht nur bei Tisch, beispielsweise auch im Eingangsbereich – das ist die Visitenkarte des Hauses. Und so haben die Kursteilnehmerinnen regelmäßig für die jahreszeitlich passende und frische Deko im Eingangsbereich des Amtes gesorgt. „Es ist faszinierend, was Frau Schenk aus Sachen dekoriert, von denen man erst denkt, sie passen überhaupt nicht zusammen“, findet Maike Musiol.

Wer den eigenen, kleinen Haushalt, den der Großfamilie oder den in einer Einrichtung wie einem Seniorenheim im Griff haben will, muss viel wissen. Schon alleine deshalb ist die Bandbreite im Studiengang riesig. Wie bereitet man Wild richtig zu? Wie wird Porzellan gepflegt, wie Leder gereinigt? Was kann man im eigenen Garten anbauen? Wie ernährt man sich gesund? Da wird genäht und gepflanzt, gekocht und gebacken, geschnitten und dekoriert. Da wird die hochwertige Dampfbügelstation modernster Generation in der Praxis mit dem Bügeleisen aus dem Discounter verglichen, es gibt Informationen über die Großhaushaltsküche. Auch das Management spielt eine Rolle. „Eine Hauswirtschafterin muss die vorhandenen Ressourcen – Zeit, Geld, Arbeitskraft, Arbeitsmittel – so effizient wie möglich einsetzen“, sagt Thea Schlesinger. „Vorausschauend planen, effizient arbeiten und immer Zeit und Geld im Blick haben“, lauten drei Tipps, die die Haushaltsführung erleichtern.

Voraussetzung für eine Teilnahme an dem eineinhalbjährigen Teilzeit-Lehrgang ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Abschlusszeugnis einer Berufsschule. Direkt nach der Schule einzusteigen, dafür sei er nicht geeignet. „Eine gewisse Lebenserfahrung sollte man schon haben“, sagt Thea Schlesinger.

Neuer Studiengang Hauswirtschaft in Teilzeitform

Der Kurs: Mitte September 2017 beginnt am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen ein neuer Studiengang Hauswirtschaft in Teilzeitform. Er ist interessant für alle, die richtig gut kochen lernen möchten, ohne Fertigprodukte, für den Alltag und besondere Gelegenheiten, für alle, die einen gepflegten Haushalt führen möchten, aber wenig Zeit haben, weil sie Beruf, Familie und eventuell einen landwirtschaftlichen Betrieb unter einen Hut bringen müssen, aber auch für Menschen, die nach neuen beruflichen Möglichkeiten suchen. Vermittelt werden praktische Fertigkeiten und Fachwissen rund um die Bereiche Hauswirtschaft, Familien- und Haushaltsmanagement. Die Teilnehmer eignen sich außerdem Grundlagen zur Unternehmensführung an und erwerben die Ausbildereignung.

Abschluss: Der Kurs schließt mit dem Titel „Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung“ ab. Nach Ende des Lehrgangs im Frühjahr 2019 kann die Prüfung zum/zur staatlich geprüften Hauswirtschafter/in abgelegt werden – bei ausreichender Praxiszeit im eigenen Haushalt. Der Schulbesuch ist kostenfrei, die Kosten für Materialien, Lehrfahrten und Verpflegung sind von den Studierenden zu tragen.

Info-Abend: Für Interessierte findet am Mittwoch, 10. Mai, um 18 Uhr ein unverbindlicher Info-Abend im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Mainbernheimer Str. 103, in Kitzingen statt. Allgemeine Informationen und Unterlagen zum Studiengang Hauswirtschaft unter www.aelf-kt.bayern.de. Weitere Informationen und Anmeldung zum Info-Abend bei Thea Schlesinger, Tel. (0 93 21)3 00 91 33, Ruth Halbritter, Tel. (0 93 21)3 00 91 34, Gabi Schenk, Tel. (0 93 21) 3 00 91 31 oder per Mail unter poststelle@aelf-kt.bayern.de