"Wenn ich etwas will, dann muss ich auf die Leute zugehen." In mehr als 20 Jahren Auslandserfahrung hat Torsten Block eines gelernt: Wer Erfolg haben will, muss die Menschen erreichen und Geduld haben.
Rund 75 000 Menschen arbeiten weltweit beim Kabelhersteller Leoni. Rund 80 Produktionsstandorte in 32 Ländern sind seit der Firmengründung im Jahr 1917 entstanden. Leoni produziert in Europa, Nordafrika, in Nord- und Südamerika und in Asien. Torsten Block kennt die meisten Standorte nicht nur vom Hörensagen. Mal war er „nur“ ein paar Wochen vor Ort. Mal ein paar Jahre. „Es ist immer wieder ein neues Abenteuer“, sagt der Mann, der in der Nähe der Nordseeküste geboren wurde. Neugierde ist sein Antrieb. Fußball sein Türöffner.
Nach der Schule absolvierte Block eine Kfz-Elektriker-Lehre bei der Firma Lilienthal in Bremen und arbeitete anschließend in der Produktion bei Mercedes in Bremen. Von Auslandsaufenthalten war damals keine Rede. Geschäftsessen in China oder Marokko? Zu diesem Zeitpunkt undenkbar. Doch den jungen Mann zeichneten zwei Eigenschaften aus, die eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Berufsleben im Ausland sind: Flexibilität und Fleiß.
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Schnell wurde Torsten Block die Arbeit am Band im Bremer Werk langweilig, auch wenn er dabei gutes Geld verdiente. Er wechselte zu einem Kabelwerk in Lilienthal, das später von Leoni aufgekauft wurde. Block knüpfte Kontakte, scheute kein Risiko, war neugierig und spontan. Als er Anfang der 90er-Jahre gefragt wurde, ob er im damals neuen Werk in Portugal arbeiten wolle, sagte er zu. Von dort aus half er bei den Expansionen in die arabische Welt, nach Tunesien und Marokko – seine ersten Kontakte mit einer völlig anderen Kultur. „Die Araber taten sich in der Vergangenheit schwer, Nein zu sagen und würden es auch nicht zugeben, wenn sie etwas nicht verstanden haben“, erzählt er. Dahinter steckt keine böse Absicht. Viel mehr die Angst, sein Gesicht zu verlieren. Das hat Torsten Block in vielen Begegnungen auch erst mal erfahren müssen.
„So etwas muss man wissen und respektieren“, sagt Block. So wie die Tendenz der Südamerikaner das Leben zu genießen und die Arbeit leicht zu nehmen, frei nach dem Motto: „Morgen ist auch noch ein Tag.“ Oder das strenge Hierarchie-System der Chinesen, die sich allerdings von einer ausländischen Führungskraft auch nicht unbedingt alles sagen lassen. Vor allem nicht, wenn die Sprachkenntnisse nicht ausreichen. „Dann muss man schon einen guten Chef vor Ort haben“, sagt Block.
Integrationskurse hat der 52-Jährige anfangs nicht belegt. „So etwas gab es zu Beginn meiner Zeit noch nicht.“ Learning-by-doing war angesagt. Später hat ihm Leoni das interkulturelle Verständnis auch in der Theorie nahe gebracht. Aber zunächst hieß es: Erfahrungen vor Ort sammeln. Und dabei ist nicht immer alles gut gelaufen, wie Block zugibt. Auf eine Methode konnte er sich immer verlassen: Die Menschen vor Ort kennenlernen – nicht per Chat oder Mail – sondern ganz persönlich. „Man muss die Mitarbeiter sehen, direkt mit ihnen sprechen“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Dann ist zumindest eine Grundlage für ein gutes Zusammenarbeiten gelegt.
Die vielleicht wichtigste Erfahrung aus all seinen Auslandsaufenthalten lautet: Nach Gutsherrenart geht gar nichts voran. In ein fremdes Land kommen und deutsche Werte wie Disziplin, Fleiß und Pünktlichkeit einfach so den dortigen Fachkräften überstülpen? „Das kannst Du vergessen“, sagt Block. Trotz aller kulturellen Unterschiede sind Veränderungsprozesse aber durchaus möglich. Voraussetzung: Man hat Geduld und beschäftigt sich mit den Menschen.