Im Rosengarten wird am Donnerstag eine besondere Installation eingeweiht
Es soll ein Ort des Nachdenkens werden. Ein Ort gegen das Vergessen. Und ein Ort, der bleibt. Sechs Schüler des Armin-Knab-Gymnasiums haben sich mit ihrem Kunstlehrer Dr. Harald Knobling dafür Monate lang ins Zeug gelegt. Am Donnerstagnachmittag wird das Erinnerungsmal im Kitzinger Rosengarten seiner Bestimmung übergeben. Die Bevölkerung ist eingeladen.
Ein paar Fußabdrücke im Beton werden zu sehen sein – und ein Koffer aus grauem Betonguss. Schlicht, einfach, grau und hart. „Ganz ohne Pathos“, sagt Dr. Knobling. Der Koffer wird auf einem niedrigen Sockel angebracht. „Die Passanten sollen den Eindruck haben, als würde er getragen“, erklärt der Stadtheimatpfleger. Und zwar in Richtung Hauptbahnhof.
Dorthin mussten während des NS-Regimes 94 jüdische Mitbürger Kitzingens laufen. In drei Schüben wurden sie deportiert, wurden zunächst nach Würzburg und von dort in die Konzentrationslager gebracht. „Der Rosengarten bietet sich für dieses Erinnerungsmal an“, ist Dr. Knobling überzeugt. Mitten in der ruhigen Rasenfläche wird die Installation für das wache Auge der Passanten wahrnehmbar sein. Etwas entfernt wird eine schmale Informationstafel mit kurzem Text und einem QR-Code aufgestellt. „Über den Code lassen sich weitere Informationen abrufen“, erklärt der Kunstlehrer, der vom Johanna-Stahl-Institut in Würzburg auf das unterfrankenweite Projekt aufmerksam gemacht wurde.
In Würzburg ist eine Gedenkstätte für jüdische Opfer des Nationalsozialismus geplant. Am ehemaligen Güterbahnhof Aumühle sind noch Reste der alten Bahngleise, des originalen Kopfsteinpflasters sowie der Zugrampe erhalten. Hier wurden zwischen 1941 und 1943 insgesamt 2068 jüdische Mitbürger in die Vernichtungslager im Osten gebracht – nur 60 von ihnen überlebten.
109 jüdische Gemeinden gab es im „Gau Mainfranken“. Alle wurden sie aufgefordert, an dem Projekt teilzunehmen. Die Stadt Kitzingen hat sich als eine der ersten dafür entschieden. Der Stadtrat stimmte im November des letzten Jahres dafür, der „Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen“ wurde einbezogen
„Wir schaffen mit dieser Installation einen Ort gegen das Vergessen.“
Dr. Harald Knobling, Kunstlehrer und Stadtheimatpfleger
. „Alle Beteiligten sprachen sich dafür aus, Jugendliche in das Projekt einzubinden“, erinnert sich Knobling. Es lag nahe, die sechs Schülerinnen des diesjährigen Kunstadditums am AKG einzubinden. Und so machten sich Linda Öttinger, Luca Plomitzer, Charlotte Drenkard, Anneliese John, Maren Fahmer und Laura Schultheis an die Arbeit. Zwei Koffer mussten aus Betonguss modelliert werden. Einer für das Würzburger Denkmal, einer für den Kitzinger Rosengarten.
Der Historiker Dr. Elmar Schwinger hatte im Vorfeld alle rund 120 Schüler der Oberstufe in zwei Vorträgen über die Geschichte des Judentums und speziell ihrer Deportation informiert. „Das war sehr beeindruckend“, erinnert sich Maren Fahmer. „Und die Grundlage unserer Arbeit.“ Relativ schnell kam die Gruppe überein, je einen Koffer als Symbol für die Deportation zu gestalten. Als Anschauungsmodell diente ein alter Koffer aus dieser Zeit, nach dessen Vorbild eine rund 200 Kilogramm schwere Installation aus Modellierton geformt wurde. „Der Herstellungsprozess ist in Worten schnell beschrieben“, sagt Dr. Knobling. Es dauerte allerdings mehrere Wochen bis das Kunstwerk tatsächlich fertig- gestellt war. Einen Gipsmantel schaffen, aushärten lassen, auseinandernehmen und den feuchten Ton vorsichtig vom Gips lösen. Die Tonform immer wieder luftdicht einpacken, damit der Ton nicht trocknet und porös wird. Eine dünne, feinkörnige Betonschicht auftragen und die noch vorhandenen Hohlräume schichtenweise mit Beton füllen. All das kostet Zeit.