KITZINGEN

Warum tun wir uns das bloß an? Jahr für Jahr die gleiche Frage – und die gleiche Antwort: Es soll eben nicht alles bleiben, wie es ist. Mit Beginn der Fastenzeit wollen wir – die Redaktionsmitglieder der KITZINGER – unsere Komfortzone verlassen und aufbrechen zu innovativen persönlichen Zielen. Neuer Input im Tausch gegen alten Ballast. Also los.

Daniela Röllinger

(Achtsamkeit): Achtsamkeit. Ist das nur ein Modewort oder bringt mir das wirklich was? Das werde ich in den nächsten sieben Wochen erkunden. Es ist ehrlich gesagt eine Notlösung. Ich habe mir lange den Kopf darüber zerbrochen, welches Ziel ich mir heuer für die Fastenzeit setzen soll. Ich rauche nicht, trinke kaum Alkohol, greife fast nur zu Mineralwasser, bin wenig in den sozialen Medien unterwegs. Das Thema Sport rückt der Kollege nicht raus. Dass ich in der Fastenzeit kein Fleisch und weniger Süßes esse, ist nicht mehr erwähnenswert, das mache ich schon seit Jahren. Autofasten bringt auch wenig, im Homeoffice bin ich sowieso kaum unterwegs. Dann also Achtsamkeit. Bewusst essen, statt den Teller nebenher im Turbotempo zu leeren – und mehr darauf achten, was ich da überhaupt zu mir nehme. Mit dem Surfen runterfahren, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung beim abendlichen Internetkonsum eh schlecht ausfällt. Den Stresslevel senken. Mal meditieren. Öfter raus in die Natur gehen. Stille genießen. Dankbar sein für Gutes. Mich nicht über Unveränderbares aufregen. Vielleicht werd? ich auch mal einen Baum umarmen. Wird meine Notlösung womöglich mein Leben verändern? Ich bin gespannt.

Julia Volkamer

(Fit und gesund leben): Ich musste nicht lange überlegen. Nach einem Winter im Lockdown, den ich zuletzt nur noch mit viel Essen und Trinken, dafür ohne Sport und geregelten Schlaf ertragen konnte, habe ich mich dafür entschieden, ein neues Leben zu beginnen. Hört sich drastisch an – und wird es garantiert auch werden.

Die Spitze des Eis(creme)berges war erreicht, als wir bei einem, nach den geltenden Kontaktbeschränkungen (zumindest zahlenmäßig) legalen Pärchen-Treff eine halbe Kiste Bier, eine Kiste Secco und mehrere Flaschen Sahne-Likör und Eisbonbon-Schnaps sowie Bratwurstbrötchen, mehrere Tüten Chips und drei Tafeln Schokolade vernichteten. Da wusste ich: Jetzt ist es Zeit für die Kehrtwende. Darum habe ich mir nicht nur ein Expertenteam aus Ernährungscoach, Personal-Trainer und Drill-Instructor zur Seite geholt, sondern auch einige meiner liebsten Freundinnen um mich geschart, um das Wohlfühlprogramm „Body & Soul“ anzugehen. Entwickelt hat es Diana Schmidt vom Kitzinger Fitnessstudio „Bodypower“. Jeder Teilnehmer wird exakt ausgemessen, das Verhältnis von Muskelmasse, Wasser und Fett im Körper errechnet und dementsprechend der tägliche Kalorienwert, den ich zu mir nehmen darf und muss, um abzunehmen. Der größte Trugschluss ist nämlich, dass man nichts essen darf, wenn man sein Gewicht reduzieren will. Entscheidend ist, was, wie oft und wie pur man isst. Na dann. Los geht es mit drei Basentagen. Die einzigen erlaubten Nahrungsmittel werden eine salzfreie Brühe aus Kartoffeln, Gemüse und Wasser sowie Obst und Gemüse in der Rohkostvariante sein. Echt jetzt? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich das durchhalte.

Und die restlichen sechs Wochen? Ich und Kalorien zählen? Ich hasse Zahlen! Und ich hasse es, Hunger zu haben! Vor allem im Lockdown... Ob ich am Ende trotzdem mit einem besseren Gefühl und mit einem besseren Körper aus dieser Fastenaktion herausgehe?

Nina Grötsch

(Heilfasten): Noch nie war ich auf die Fastenzeit so gut vorbereitet wie in diesem Jahr – sogar meine Artikel sind weitgehend schon geschrieben. Im Gegensatz zu meinen Kollegen habe ich meine Entbehrungen nämlich schon hinter mir. Mein Thema: Heilfasten – ein spontaner Entschluss beim Durchblättern des Vhs-Hefts im Herbst. Da sich diese Mission nicht über Wochen, sondern eher über Tage aushalten lässt, habe ich das Projekt direkt im November durchgezogen und täglich einen Erfahrungsbericht geschrieben.

Woche für Woche gibt's an dieser Stelle also einen Tag „Heilfasten mit Nina“. Worauf ich mich eingelassen habe, wurde mir erst beim Infoabend bewusst, bei dem ich irgendwie die Einzige war, die ständig ungläubige Fragen stellte. Ölziehen? Leberwickel? Basenbad? Das alles hatte ich zuvor noch nie gehört – geschweige denn gemacht. Auch das Skript war angsteinflößend: „Der Körper scheidet Giftstoffe aus allen Öffnungen aus. Unangenehmer Körpergeruch, Mundgeruch, Zungenbelag etc. können die Folge sein…“ Am besten, Sie stellen sich schon mal auf ein paar sehr appetitliche Wochen ein!...

Diana Fuchs

(Jeden Tag eine gute Tat): Wegen Corona entfallen seit Monaten mein heiß geliebtes Volleyballspiel, der Dienstagssport, die Mädelsabende, Freundetreffs und vieles mehr. Was sein muss, muss sein, schon klar. Aber wenn man mir jetzt auch noch Essen und/oder Trinken wegnehmen würde, könnte ich leicht, äh, fuchsteufelswild werden. Da sich das keiner wünscht – und es ja auch niemandem etwas bringen würde –, habe ich mir für heuer eine Herausforderung gesucht, die durchaus Potenzial hat, unser aller Leben ein bisschen schöner und besser zu machen. „Jeden Tag eine gute Tat“ ist ab heute mein Motto. Gute Tipps zur Umsetzung sind jederzeit willkommen (d.fuchs@infranken.de).

Ralf Dieter

(nichts Süßes, dafür täglich Sport): Es klingt, als hätte Roland Kaiser gerade seine zehnte Abschiedstournee angekündigt: „Oh nein!“ rufen die Kolleginnen und „Nicht schon wieder!“ Eine reißt sich (wieder mal) zu einer Beleidigung hin. „Du Dödel!“ Dabei übe ich mich nur in einer Kunst, die den Damen in der Redaktion fehlt. „Konstanz ist die Basis jedes erfolgreichen Fastens“, belehre ich die Kolleginnen und ernte verständnislose Blicke, als hätte ich über eine Stadt am Bodensee referiert. Natürlich werde ich auch in diesem Jahr meinen Körper zu sportlichen Höchstleistungen antreiben und die Ernährung auf (beinahe) zuckerfrei umstellen. All die Naschereien, die in den Redaktionsräumen herumliegen, werde ich jedenfalls missachten und stattdessen Obst und Cerealien in mich hineinschaufeln. Die Fastenzeit kann kommen. Ich gehe sie mit einem konstant guten Gefühl an.