Etwa drei Wochen musste sie warten, dann war das richtige Spenderherz gefunden. In der Uniklinik Würzburg schnitten ihr die Ärzte den Brustkorb auf, verkürzten das Brustbein und setzten das Spenderherz ein. Drei Tage lag Brigitte Fischer im künstlichen Koma. Am 7. April, ihrem Geburtstag, wachte sie wieder auf. „Die Ärzte waren sprachlos“, berichtet sie. „Mein Körper hatte das fremde Herz sofort angenommen.“ Kleinere Komplikationen sind die Regel.
Warum Brigitte Fischer ihr neues Herz so gut annehmen konnte? Sie kann es nur vermuten. „Ich hatte mich schon vorher intensiv mit dem Thema beschäftigt“, sagt sie. Einschlägige Literatur hatte sie gelesen, Gleichgesinnte befragt, an mehreren Kliniken Meinungen eingeholt. „Ich hatte wohl die richtige Einstellung zu dem Eingriff gefunden.“
125 233 Organe wurden seit 1963 in Deutschland transplantiert. Eine beeindruckende Zahl. In den meisten Fällen waren es Nieren, die verpflanzt wurden, gefolgt von Lebern und Lungen. Im letzten Jahr meldet die DSO 286 Herztransplantationen.
Die Empfänger können dank des Spenderherzens weiterleben. Auch wenn sich ihr Leben komplett verändert. Etliche Monate hatte Brigitte Fischer gebraucht, bis sie wieder laufen konnte. Durch die Operation und das lange Liegen waren ihre Muskeln erschlafft. Sie absolvierte eine mehrwöchige Reha, musste Rückschläge verkraften, weil sie manche Tabletten nicht vertrug. Fast ein dutzend Magen- und Darmspiegelungen hat sie überstanden. Ihre Ernährung hat sie umgestellt, sie achtet strikt auf Hygiene. An jedem Waschbecken steht ein Desinfektionsmittel, Handtücher werden täglich gewechselt, selbst Brotzeitbretter kommen in die Spüle. Bloß keine Keime, bloß keine Ansteckung. „Ich gehe auf Nummer Sicher.“
Drei Jahre nach dem Eingriff hat Brigitte Fischer noch ab und zu mit dem Blutdruck zu kämpfen. „Aber ich kann wieder ein normales Leben führen.“ Zu verdanken hat sie das einem anonymen Spender, den sie gerne kennenlernen würde. Laut Transplantationsgesetz ist das aber nicht möglich.
An diesem Sonntag will die 59-Jährige weitere potenzielle Spender gewinnen. Zusammen mit den Mitarbeitern vom Gesundheitsamt steht sie an einem Stand am Kitzinger Marktplatz und wirbt für den Organspendeausweis. „So weit wie möglich wollen wir erreichen, dass sich möglichst viele Besucher des Stadtfestes mit dem Thema auseinandersetzen“, erklärt Dr. Koch.
Laut Umfragen stehen die meisten Bundesbürger der Organspende zwar positiv gegenüber. Aber nur etwa 35 Prozent habenlaut DSO ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis festgehalten. In den Krankenhäusern entscheiden in neun von zehn Fällen die Angehörigen über eine Organspende, weil der Verstorbene seinen Willen nicht mitgeteilt oder dokumentiert hat.
„Viel besser ist es, diese Entscheidung zu Lebzeiten selbst zu fällen“, sagt Brigitte Fischer. „Schließlich kann jeder in so eine Situation kommen wie ich.“
Informationen und Organspendeausweise gibt es an diesem Sonntag am Informationsstand am Marktplatz oder jederzeit im Gesundheitsamt Kitzingen (Tel. 09321/928-3304). Im Veranstaltungssaal der Main-Klinik Ochsenfurt findet am Montag, 6. Juni, um 19 Uhr ein kostenfreier Vortrag zum Thema „Organspende“ statt.