Was wäre ein Vatertag ohne Ausflug und Einkehr? Unter freiem Himmel ein Bier oder einen Schoppen zu genießen, gehört einfach dazu. Möglich ist das dank der Corona-Lockerungen, doch die Auflagen für die Wirte sind hoch. Kein Wunder, dass so mancher mit gemischten Gefühlen auf den Donnerstag schaut. Damit alles klappt, müssen auch die Gäste mitziehen. Sonja Scherer hat einige schlaflose Nächte hinter sich. Soll sie den Außenbereich der Weinparadiesscheune in dieser Woche öffnen? Die Frage war nicht leicht zu beantworten. Die Familie hat diskutiert und debattiert, mit dem Gesundheitsamt und dem Landratsamt telefoniert, sich mit der Berufsgenossenschaft zusammengesetzt, die Informationen der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) gelesen.

„Ich habe ein bisschen Angst vor Himmelfahrt.“
Sonja Scherer, Weinparadiesscheune

Das Ergebnis dürfte Wanderer und Radfahrer freuen: Ab Mittwoch dürfen sie wieder auf den Tischen vor der Weinparadiesscheune, inmitten der Weinberge nahe Hüttenheim, Seinsheim und Bullenheim Platz nehmen und sich bedienen lassen. Eine Entscheidung, die der Familie Scherer nicht leicht gefallen ist, vor allem im Hinblick auf den Vatertag, der traditionell mit einem großen Ansturm verbunden ist. „Ich habe ein bisschen Angst vor Himmelfahrt“, sagt Sonja Scherer denn auch.

150 Gäste finden normalerweise auf der Terrasse der Weinparadiesscheune Platz. Am Montagvormittag stellten Vater Helmut und Sohn Markus – mit einem Zollstock bewaffnet – Tische und Stühle auf. Es gilt, ausreichend Abstand zu wahren. 50 bis 70 Leute, so schätzt Sonja Scherer, können nun untergebracht werden. An einem Tisch dürfen sich nur Personen setzen, „denen der Kontakt untereinander gestattet ist”, wie es im Hygienekonzept heißt, das die Staatsregierung für die Gastronomie erstellt hat.

Namen und Kontaktdaten müssen notiert werden, damit im Fall einer späteren Covid-19-Erkrankung Kontaktpersonen ermittelt werden können. Aber ob da wirklich immer nur Angehörige eines Haushalts und eines Kontakthaushalts an einem Tisch sitzen? Da sind die Gastronomen auf die Ehrlichkeit der Gäste angewiesen.

Wer in den Biergarten will, muss beim Betreten und beim Verlassen sowie beim Gang zur Toilette einen Mund-Nasenschutz tragen. Am Tisch darf der Schutz abgenommen werden. Allerdings nur von den Gästen, das Servicepersonal muss ihn die ganze Zeit tragen. Helmut Scherer stellt sich an die Stirnseite eines Tisches. „Wir dürfen nur an dieser Seite bedienen“, sagt er. Wobei „bedienen“ anders aussieht als sonst. „Wir dürfen die Sachen nicht direkt vor die Gäste stellen. Wir stellen Gläser und Teller hier ab, die Gäste holen sie sich“, erklärt der Gastwirt. Abräumen funktioniert genauso: Der Gast stellt seine Sachen an das Tischende, die Bedienung holt es von dort ab.

Beim Bezahlen wird die Rechnung auf einem Tablett serviert, erklärt Helmut Scherer. Dort legt der Gast sein Geld ab, das Tablett wird wieder abgeholt, das Wechselgeld zurückgebracht – wiederum auf dem Tablett. Abstand ist, wie generell zu Corona-Zeiten immer wieder betont wird, oberstes Gebot – auch zwischen Servicepersonal und Gästen. Bevor neue Gäste kommen, müssen der Tisch und die Speisekarten desinfiziert werden. Zumindest in der Küche müssen sich die Scherers nicht umgewöhnen, denn ganz geschlossen war die Weinparadiesscheune in den vergangenen Wochen nicht. Viele Leute holten sich Kaffee und Kuchen, am Wochenende Bratwurst und Steaks „to go” und genossen sie draußen in der Natur, zwischen den Weinbergen, auf den Wiesen. „Tische und Bänke durften wir ihnen nicht hinstellen“, sagt Helmut Scherer, die sind erst seit dieser Woche wieder erlaubt.

Auch in der Küche des Woodland Inn in Kitzingen gab es keinen Stillstand, der Lieferservice wurde rege in Anspruch genommen. Seit Montag hat nun auch der Biergarten geöffnet. „Gott sei Dank geht es los“, sagt Inhaberin Andrea Maier. Ein großes überdachtes Plateau im Garten bietet viel Platz für die Gäste, selbst wenn die weiter auseinander sitzen müssen als gewöhnlich. Dass um die Terrasse herum kleine Pavillons platziert sind, in denen die Besucher idyllisch sitzen können, kommt der Situation natürlich zugute. „Da ist sowieso genug Abstand.“ Und weil die meisten Gäste ihren Tisch vor dem Besuch im Woodland Inn telefonisch oder online reservieren, um auch wirklich einen Platz zu bekommen, liegen die Kontaktdaten in der Regel bereits vor. „Wenn nicht, schreiben wir sie eben am Tisch auf“, so Andrea Maier.

Kritisch sieht sie eher die eingeschränkten Öffnungszeiten, denn die Gäste dürfen nur bis 20 Uhr in den Biergärten sitzen.

„Wir können die Auflagen nicht erfüllen.“
Irmi Vogel, Zum Bergla

Was, wenn das Wetter schlecht wird? Für Andrea Maier ist das wegen der vorhandenen Überdachung kein Problem. Anders bei Johannes Schwab vom „Augustiner am See“ in Birklingen – ebenfalls beliebtes Ziel für Ausflügler, Wanderer und Radfahrer.

„Weil das Wetter nicht so super werden soll, haben wir am Samstag entschieden, dass wir jetzt noch nicht öffnen“, sagt er.

„Wenn es regnet, sammeln sich alle unter den Schirmen und halten den Abstand nicht mehr ein“, befürchtet der Gastwirt. Wobei das nur einer von mehreren Punkten sei, die gegen eine Öffnung des Biergartens zum jetzigen Zeitpunkt gesprochen hätten. Etwas mehr als eine Woche müssen die Gäste daher noch warten. Am 29. Mai macht der „Augustiner am See“ wieder auf und bewirtet sowohl außen als auch innen.

Mit dem „Bergla“ in Sickershausen betreibt Irmi Vogel einen reinen Biergarten. Er wird zu den schönsten in Franken gezählt, doch davon haben derzeit weder die Betreiber noch die Gäste etwas. „Wir können die Auflagen nicht erfüllen“, bedauert Irmi Vogel. Einer von mehreren problematischen Punkten ist dabei der vorgeschriebene Abstand. Um den einzuhalten, könnten auf dem terrassenförmig angelegten Gelände nur ganz wenige Tische aufgestellt werden. Das „Bergla“ bleibt daher geschlossen, bis die Vorschriften gelockert werden.

Auch wer auf den Schwanberg fährt, wird derzeit nicht im Biergarten bewirtet. Was aber nicht an Corona liegt, sondern daran, dass das Café geschlossen ist. Derzeit wisse man noch nicht, wie es mit der Bewirtung auf dem Schwanberg weitergehe, sagt Schwester Dorothea Krauß. „Auf Dauer muss es etwas geben.“ Momentan bleibe nur die Möglichkeit, sich selbst etwas mitzubringen und im Schlosspark, am Spielplatz oder am Kapellrangen zu picknicken, so Schwester Dorothea. Beliebtes Ausflugsziel in der Region ist die Mainschleife. Die Terrasse der Vogelsburg hat seit Montag wieder geöffnet, ebenso viele Außenbereiche der Gaststätten, was von Menschen aus der Region und von Tagestouristen gut genutzt wird. Auch bei der Tourist-Info gibt es wieder viele Anfragen. „In der Stadt ist Leben“, sagt Marco Maiberger. Für die Öffnung der Gastronomie hat er gemeinsam mit den Betrieben ein Bewirtschaftungskonzept erarbeitet, das bei Runden Tischen besprochen wurde. Seiner Erfahrung nach seien die Betriebe froh über den Input und das gemeinsame Vorgehen, vor allem diejenigen, die nicht in der Dehoga organisiert seien. Man werde sich so eng wie möglich an die Vorgaben halten, verspricht Maiberger und weiß um die großen Bemühungen und den riesigen Aufwand, den die Gastwirte betreiben. „Alle knien sich rein.“ Er hofft, dass die Gäste das auch würdigen oder zumindest verstehen werden. „Die größte Angst der Gastronomen ist, dass sie mit uneinsichtigen Gästen diskutieren müssen.“