„Mit Bildern arbeite ich deshalb gerne, vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen.“ Sie seien ungemein wirkungsvoll. Nicht zuletzt deshalb ist die von ihr vermittelte innovative Form des autogenen Trainings stark bildbetont.
Was Renate Polatzek noch wichtig ist: dass man mit wenig Hilfsmitteln auskommt. Teure Spezialhocker oder besondere Kissen, CDs, spezielle Musik, besondere Kleidung: kurz, alle Dinge, ohne die man angeblich nicht auskommt und die den Menschen gerne verkauft werden, noch ehe es losgeht mit der Entspannung, sind nicht ihr Ding. „Man soll sich nicht abhängig machen von bestimmten Dingen, Worten oder Stimmen“, sagt sie. Sich selbst zur Entspannung zu verhelfen, das ist etwas, das immer, überall und mit dem möglich sein sollte, was man gerade vorfindet.“ Also ist es am besten, man braucht nur sich selbst. „Der eigene Geist ist es, der die Entspannung bewirkt, alles andere sind Hilfstechniken.“
Vielen Menschen müsse man erst zeigen, dass sie die geistige Kraft besitzen, ihren Körper und ihr Wohlbefinden positiv zu beeinflussen. „Das ist keine Esoterik“, sagt Renate Polatzek. Lebhaft erzählt sie von den Erfolgen, die inzwischen auch in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurden, etwa von einem US-amerikanischen Herzchirurgen, der vom Operieren abkam und lieber mit einer Diät arbeitet, kombiniert mit Meditation. Und er hat beachtliche Erfolge aufzuweisen in seinem Bemühen, verstopfte Koronargefäße auch ohne Skalpell wieder freizubekommen, mittels Ernährung und Geisteskraft.
Auch eine Patientin fällt ihr ein, mit von der Gicht stark verkrüppelten, chronisch schmerzenden Händen. Die bekam ihre Linke wieder gerade, indem sie sie „annahm“. Sie sah sie nicht mehr als lästiges, schmerzendes Ding, sondern als wertvollen Körperteil, der ihr trotz der Krankheit so viel Hilfe leistete, wie er konnte. „Sie streichelte die Hand und dankte ihr, und das regelmäßig.“
Um ihren Kursteilnehmern zu beweisen, dass so etwas grundsätzlich möglich ist, pflegt Renate Polatzek zu Beginn ihrer Kurse zu pendeln. Das funktioniert nämlich nicht, weil eine höhere Macht im Spiele wäre, sondern weil der Körper das Pendel beeinflusst und lenkt. „Der Körper, das Unbewusste, weiß nämlich so manches, was dem bewussten Verstand nicht klar ist.“ Er führt das Pendel sicher. „Deshalb sind Entspannungstechniken so wirksam bei allen vegetativen Erkrankungen“, meint Renate Polatzek.
Das ist auch der Grund, warum sie im nächsten Semester der Volkshochschule Kurse mit einem bestimmten Thema anbieten wird. Im einen geht es darum, Einschlafstörungen zu überwinden und „Ruhig in die Nacht“ zu kommen. Im anderen wendet sie sich dem Problem Reizdarm zu.
Ist Renate Polatzek noch etwas wichtig? Der Atem, sagt sie. Und das sie wünschte, diese Lektion für sich selbst schon früher gelernt zu haben. In ihren Kursen gibt sie weiter, was ihr half. „Die kürzeste Form der Entspannung funktioniert über Atmen“, sagt sie und lächelt: „Einfach dreimal laut Seufzen.“