Barbara Krämer ist gespannt. „Wir wissen noch nicht genau, was da auf uns zukommt“, gibt die 17-Jährige zu. Aber sie freut sich, dass sich auch die Jugend einbringen darf, wenn ihre Kirchengemeinde digital fit gemacht wird. „Selbstverständlich ist das nicht“, findet sie – obwohl sich in der Evangelischen Jugend Markt Einersheim-Castell (EJ MeiCa) Wenige so gut mit den Sozialen Medien auskennen wie sie. Für Dekan Ivo Huber lag es nahe, solches Expertenwissen für ein neues Projekt zu nutzen – und Markt Einersheim zur „Digitalen Mustergemeinde“ zu machen.

Dabei war man dort bis vor wenigen Jahren noch weit davon entfernt, digital auf dem neuesten Stand zu sein. Es fehlte eine Schaltzentrale für die drei Standorte Markt Einersheim, Hüttenheim und Ippesheim. „Die Pfarrbüros an den verschiedenen Standorten waren unterschiedlich ausgestattet, es gab kein einheitliches Computerprogramm, die Pfarrsekretärin war nicht an jedem Ort gleich auskunftsfähig. Das haben wir schon vor Längerem geändert. Was uns aber fehlte, war der dezentrale Datenzugriff“. Darum beantragte Huber in einem eigenen Projekt bei der Landeskirche einen mobilen Arbeitsplatz, bekam Lizenzen, stattete seine Mitarbeiter entsprechend aus. „Wir haben uns zu dieser Zeit schon intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt“, erinnert sich der Dekan – und war erfreut und verwundert zugleich, als er einen verheißungsvollen Anruf aus München erhielt: Die bayerische Landeskirche wolle Markt Einersheim in einem Modellprojekt, das mit dem Innovationsfonds der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) gefördert wird, zur „digitalen Mustergemeinde“ machen und davon ausgehend die Digitalisierung in allen zugehörigen Dekanatsbezirken gezielt vorantreiben. „Das war eine enorme Anerkennung und ich konnte schlecht 'Nein' sagen“, erklärt Ivo Huber.

Wissenschaftliche Betreuung

Also sagte er zu und versammelte ein Team aus Kirchenvorstehern, Pfarramtsmitgliedern und eben der Evangelischen Jugend um sich. Überlegte sich zusammen mit ihnen, welche Ziele man in Markt Einersheim verfolgen wolle – und in welcher Art und Weise sie umgesetzt werden können. Wissenschaftlich betreut wurde das Vorhaben von Prof. Holger Sievert von der Hochschule Macromedia in Köln. „Alle unsere Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung in Gemeinden nur dann erfolgreich ist, wenn man damit ein klares Ziel, etwa im Rahmen der Gemeindekonzeption, verfolgt“, so der Spezialist für PR und Kommunikationsmanagement. Konkret gehe es etwa um den Aufbau von Online-Gottesdiensten und Podcasts, der Koordination von Ehren- und Hauptamtlich-Arbeitenden und eben der Kommunikation in den Sozialen Medien.

Die wird vermutlich das Steckenpferd von Barbara Krämer sein. Zusammen mit Rebecca Reum, die vor allem die technischen Voraussetzungen inklusive Soft- und Hardware beherrscht, der Verantwortlichen für die Jugendarbeit, Eva Lehner-Gundelach und weiteren Jugendlichen der EJ MeiCa wird sie sich in den nächsten Tagen und Wochen überlegen, wie das Dekanat und die Kirchengemeinde Markt Einersheim präsenter werden kann. „Wir treffen uns zum Brainstorming und wollen bis zum nächsten Termin gerne schon ein bisschen was vorzeigen können“, freut sich die Abtswinderin auf das anstehende Meeting mit dem externen Projektmanager Joachim Stängle.

Umsetzungsphase beginnt

„Bisher haben wir den Ist-Zustand festgehalten, haben geschaut, in welchen Bereichen die Not am größten ist und wie man dem entgegenwirken könnte“, erklärt der Kommunikationsexperte, der sich mit seiner Agentur vor allem die Entwicklung digitaler Prozesse auf die Fahne geschrieben hat. „Jetzt bin ich gespannt, was wir mit diesem Projekt bewirken können.“ Mit Dekan Ivo Huber und seinem Team hatte er bisher noch keinen persönlichen Kontakt, freut sich aber auf die kommenden Workshops zum Einstieg in die Umsetzungsphase. „Wir erarbeiten für jede Gemeinde eine Vorgehensweise, die genau für sie passt“, verspricht Stängle, auf die unterschiedlichen Schwerpunkte eingehen zu wollen. Dabei behält er aber auch das übergeordnete Ziel, ein grundlegendes Konzept für alle Gemeinden zu erhalten, im Blick. „Es wird keinen Zauberkasten geben, der alle in eine digitale Mustergemeinde verwandelt“, weiß der Experte. Er wolle niemandem etwas überstülpen, jede Gemeinde solle nach ihren Stärken und Schwächen, Möglichkeiten und Zielen handeln können.

Podcast unter den Top 100

Ivo Huber wird diese Worte als Prophezeiung verstehen. Auf dem Weg zu seiner digitalen Mustergemeinde sieht er sich auf einem guten Weg. Der Podcast seines Dekanatsbezirkes gehört zu den Top 100 der deutschsprachigen, religiösen Beiträge in diesem Format, inzwischen läuft er sowohl über Apple als auch bei Spotify, über WhatsApp und Telefon, und wird sehr gut angenommen. „Darauf können wir zurecht stolz sein“, sagt er und verweist auch auf die Online-Formate zu Ostern, die mit ihrer modernen Aufmachung und guter Live-Musik für hohe vierstellige Abrufzahlen sorgten. Den klassischen Fernsehgottesdiensten will er allerdings keine Konkurrenz machen. Dafür sei weder das Geld noch die Nachfrage vorhanden. „Da konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir können.“

Und das wird, nicht nur aufgrund des Expertenwissens von Barbara Krämer und Co., eine ganze Menge sein. Die 17-Jährige stapelt zwar noch tief. Trotzdem freut sie sich sehr über die Chance, sich in diesem Projekt einbringen zu können. „Hier können Jugendliche und Erwachsene zusammenarbeiten, es ist einfach eine schöne Möglichkeit zur Kooperation auf Augenhöhe.“ Und ein Thema, das sie interessiert, in dem sie sich auskennt und auf ein breites Wissen zurückgreifen kann. Da macht es nichts, dass sie noch nicht so ganz genau weiß, was auf sie zukommt.