Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen unterstützen – so lässt sich die Arbeit der „JaSler“ im Landkreis Kitzingen beschreiben. Die Jugendsozialarbeiter an den Schulen sind für sie da, wenn es Probleme gibt, sie hören zu, beraten, vermitteln, bauen Brücken zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten. Der Kontakt ist auch in Zeiten des Distanzunterrichts nicht abgebrochen. Für viele Jugendliche ist er sogar wichtiger denn je.

Doris Friederich ist seit 2017 Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Volkach, seit 2018 Gruppenleiterin der JaSler im Landkreis. Sie kennt die Probleme der jungen Leute aus vielen Gesprächen. Konflikte mit Mitschülern belasten die Schüler, Mobbing, Leistungsdruck und Schulangst, schwierige Situationen zuhause mit Eltern und Geschwistern, Streit mit Freunden, aber auch Probleme im Praktikumsbetrieb oder Zukunftsangst und Krisensituationen.

Dass es sich bei der Coronapandemie um eine Krisensituation handelt, wird niemand abstreiten. Gerade Kinder und Jugendliche leiden besonders unter den Einschränkungen. Seit etwa zwei Monaten dürfen sie nicht mehr in die Schule kommen, sehen weder ihre Lehrer noch ihre Schulkameraden. Der Sport im Verein ist schon lange nicht mehr möglich, treffen darf man sich nur mit jeweils einer Person. An Begegnungen mit der ganzen Clique oder an Partys ist nicht zu denken.

Doris Friederich weiß, wie belastend die Situation für viele Schüler ist. Gerade jetzt sei es wichtig, dass die Jugendlichen merken: Die Jugendsozialarbeiter sind für sie da. Dafür stehen die JaSler aktiv in Kontakt mit den Jugendlichen. „Normalerweise kommen die Schüler zu mir“, erzählt Doris Friederich. Einfach vorbeikommen – so steht es auch auf den Flyern, mit dem die Jugendsozialarbeiter auf ihr Angebot aufmerksam machen. Die Hürden für ein Gespräch sollen möglichst niedrig sein. Lange Anmeldewege, endloses Warten auf einen Termin würde nur abschrecken. Wer nicht persönlich vorbeikommen will, kann auch anrufen oder eine E-Mail schreiben.

Wegen des Lockdowns und des Distanzunterrichts konzentriert sich die Arbeit derzeit auf die beiden letztgenannten Wege. „Wir telefonieren und chatten sehr viel – mit Schülern, aber auch mit Eltern und Lehrern. Wir halten Kontakt über die Cloud, schreiben E-Mails“, erzählt Doris Friederich. Der persönliche Kontakt ist stark eingeschränkt – aber er ist nicht unmöglich. Bei Bedarf trifft sich die Jugendsozialarbeiterin mit einem Schüler zu einem Einzelgespräch. „Dann gehen wir draußen spazieren und reden.“

Normalerweise haben die Jugendsozialarbeiter feste Sprechstunden während der Unterrichtszeit an der Schule, daneben können Termine außerhalb dieses Zeitrahmens ausgemacht werden. „Momentan ist es fast noch mehr Arbeit“, erzählt Doris Friederich aus ihrer Erfahrung und der ihrer Kollegen, mit denen sie sich in regelmäßigen Teambesprechungen austauscht. „Die Schüler sind daueronline – und wir auch.“

Dass die Jugendlichen jetzt noch mehr Unterstützung brauchen als im normalen Schulalltag, liegt unter anderem daran, dass bei Schülern und Eltern Probleme auftauchen, die es sonst nicht gibt. Wie lässt sich aktiv am Online-Unterricht teilnehmen, wenn in der Familie keine oder nicht genug digitale Endgeräte vorhanden sind? Wenn das W-Lan nicht ausreicht? Wenn keiner weiß, wie Teams oder andere Programme eingerichtet werden, die derzeit als Grundlage für den Unterricht dienen?

Es geht an den Kindern nicht spurlos vorüber, wenn die familiären Finanzen wegen Kurzarbeit infolge der Pandemie eingeschränkt sind. Wenn Eltern beruflich stärker unter Druck stehen. Wenn Alleinerziehende verzweifelt versuchen, Arbeit und Homeschooling unter einen Hut zu bekommen. Sind die Kinder immer daheim, ist noch mehr Erziehung gefragt als sonst. Und Versorgung: Viele Kinder essen in der Schule zu Mittag. Jetzt brauchen sie daheim ein vernünftiges Mittagessen – und das ist nicht immer leicht mit dem Beruf der Eltern vereinbar.

Dazu kommt, dass die Eltern ihre Kinder rund um die Uhr motivieren und unterstützen sollen. Das zerrt an den Nerven, wirkt sich auf die Stimmung in den Familien aus, führt vermehrt zu Spannungen. Mal mit einem Außenstehenden zu sprechen, ist da hilfreich für die Schüler. Aber auch für die Erwachsenen. „Für viele Eltern ist es eine Erleichterung, wenn sie mit uns reden können“, so die Erfahrung von Doris Friederich. Mal selbst jemanden haben, der einem zuhört, der vielleicht ein paar Tipps hat, wie es besser funktionieren kann daheim, das hilft. Den Erwachsenen, und damit auch den Kindern und Jugendlichen. Eine sehr große Herausforderung sind Distanz- und Wechselunterricht für Familien mit Migrationshintergrund. Fehlen die sprachlichen Kenntnisse wie beispielsweise in Flüchtlingsfamilien, können die Eltern kaum unterstützen. Die Kinder müssen die Corona-Herausforderungen alleine bewältigen, was vor allem im Grundschulalter extrem schwierig und teils kaum zu schaffen ist. Gerade die Jugendsozialarbeiter an den Grund- und Hauptschulen in Kitzingen Stadt und Siedlung sind hier verstärkt gefordert, da sie die Schüler, die im Innopark und im Corlette-Circle leben, mit betreuen.

Zuhören, reden, beraten, notfalls mal ein Computerprogramm einrichten oder die Aufgaben der Schule vorbeibringen, das sind derzeit die Aufgaben der JaSler. Aber es geht auch um die Freizeit. „Warst Du heute schon draußen?“, ist zur Standardfrage in jedem Gespräch geworden, das Doris Friederich mit ihren Schülern führt. Schließlich sitzen die Jugendlichen Tag für Tag am Vormittag und teils am Nachmittag für den Unterricht am Computer – und oft auch darüber hinaus in der Freizeit. Die Sozialarbeiter versuchen, die Schüler zu motivieren, ihre freie Zeit möglichst sinnvoll zu gestalten, der Aufenthalt im Freien und Bewegung gehören dazu. Wobei die Jugendlichen zumindest zum Telefonieren sowieso oft nach draußen gehen. „Die meisten wollen nicht, dass ihre Eltern und Geschwister mithören können.“ Die Vertraulichkeit der Gespräche ist eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit. Der Inhalt wird nicht verraten, wenn die Jugendlichen das nicht wollen. Verraten können Doris Friederich und ihre Kollegen aber, was in allen Gesprächen durchdringt: Die Schüler vermissen die Schule, den Kontakt zur Klasse, zu den Lehrern, das große Ganze. Sie freuen sich darauf, wenn es endlich wieder normal weitergeht. „Das ist die erste Generation seit langem, die es schätzt, in die Schule gehen zu dürfen“, sagt Friederich. Dass ihnen die Schule fehlt, sind nicht nur leere Worte der Jugendlichen. Das hat direkte Auswirkungen auf den Schulalltag, wie die JaSler beobachtet haben. „Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr gab es längst nicht so viele Streitigkeiten unter den Schülern wie sonst“, erzählt Friederich. „Es war faszinierend.“

Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS)

Die Jugendsozialarbeit an Schulen wurde im Jahr 2000 im Rahmen des Modellprojektes „Schul-Sozialarbeit“ an wenigen Schulen im Freistaat Bayern eingeführt. Die Grund- und Hauptschule Kitzingen-Siedlung war von Beginn an dabei. Jugendsozialarbeiter war damals Thomas Bauereisen.

Mit den Jahren wurde das Projekt ausgeweitet. Inzwischen gibt es die Jugendsozialarbeit an Schulen an der St. Hedwig-Grundschule Kitzingen, der Paul-Eber-Mittelschule Kitzingen, der Grundschule Kitzingen-Siedlung und der Mittelschule Kitzingen-Siedlung, der Mittelschule Wiesentheid und der Mittelschule Volkach sowie an der Staatlichen Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt.

Weitere Schulen haben ebenfalls Schulsozialpädagogen, die aber über andere Förderprogramme finanziert werden. (len)