Landkreis Kt

Bund und Länder beschließen weitgehende Beschränkungen. Im November soll das Leben in Deutschland großflächig heruntergefahren werden. Unter anderem, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Restaurants, Bars, Kneipen, Hotels, Kinos, Konzerthäuser, Saunen, Schwimmbäder, Fitnessstudios, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios: Sie alle werden für einen Monat schließen. Schulen und Kindergärten bleiben auf. Wie reagieren die Betroffenen? Ein Stimmungsbild:

Roxy, Kino:

Sehr, sehr schade!“ Christine Jenike ist hörbar betroffen. „Jetzt hatten wir gerade wieder mehr Besucher und guten Zuspruch im Roxy – und nun müssen wir am Montag schließen“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Roxy Kitzingen e.V., „und das gerade im Herbst, also in der Zeit, in der Kinos eigentlich Umsatz machen“. Die Notwendigkeit, Kinos dicht zu machen, sei „nicht unbedingt ersichtlich“, findet Jenike. „Zwischen den Sitzen haben wir zirka zwei Meter Abstand, zudem wurde Mund-Nasen-Schutz getragen und generell ist das Kino ja ohnehin ein Ort, an dem man sich eher wenig mit anderen Menschen unterhält.“Da die Mitarbeiter des Roxy ehrenamtlich aktiv sind, man also keine Personalkosten zahlen müsse, sei ein einmonatiger Lockdown „noch verkraftbar“. Falls die Schließung jedoch länger andauern würde, bedeute das ernste Existenzsorgen: „Wir dürfen als Genossenschaft ja nicht ins Minus gehen!“, erklärt Jenike, die auch als Vorstandsmitglied der Genossenschaft Roxy Kitzingen e.G. fungiert.

Aqua-Sole, Schwimmbad und Sauna:

Besonders überrascht wirkt Peter Zimmermann nicht. „Es war abzusehen, dass wir wieder schließen müssen“, sagt der Projektleiter des Kitzinger Bade- und Saunabetriebes. Gerade für die Kinder sei die Schließung des Bades in den Herbstferien bedauerlich. Nachdem die Saison eh nicht sehr gut gelaufen sei, sei die Lage langsam dramatisch. „Wir hatten ja eine vertretbare Lösung für die Gäste gefunden.“ Die vier Wochen will er dennoch sinnvoll nutzen: Kleine Reparaturarbeiten stehen an, die Auszubildenden erhalten verstärkt betrieblichen Unterricht. „Wir werden gestärkt aus der Krise herausgehen“, sagt Zimmermann.

Brückeneck, Restaurant:

Auch Theresa Will wirkt nicht besonders überrascht von dem Teil-Lockdown. „Damit haben wir gerechnet“, sagt sie. Noch steht nicht fest, ob die Kitzinger Gaststätte in den vier Wochen wieder Essen „to go“ anbieten wird. „Das hatten wir schon während des ersten Lockdowns“, erinnert sie. „War aber nicht der Renner.“ Immerhin: Der Sommer lief dank der vielen Menschen, die im eigenen Land Urlaub machten, super. „Besser als in den Vorjahren.“ „Die kommenden Wochen werden wir schon irgendwie hinbekommen“, ist Theresa Will sicher. Die entscheidende Frage laute, wie es danach weitergeht. Will: „Es wird verdammt schwierig.“

Esbach-Hof, Hotel und Restaurant:

Lothar Schenk kann den Beschluss von Mittwochabend gar nicht verstehen. „Wir haben so viel in die Hygienemaßnahmen investiert“, erinnert er. Die Gäste hätten das Angebot bis vor eine Woche auch gut angenommen. Dann starteten die Appelle der Politiker an die Bevölkerung, daheim zu bleiben. „Von da an war es wie abgerissen“, berichtet Schenk. Dass er sein Haus jetzt ganz schließen müsse, sei „der Hammer.“ Schenk will in den kommenden Wochen wieder Essen „to go“ anbieten, hofft auf ein letztes starkes Wochenende vor dem Teil-Lockdown. Grundsätzlich sei er optimistisch, dass sein Haus die Krise überstehen wird. „Aber diesem Winter sehen wir mit Schrecken entgegen.“

Gesundheitsamt:

„Die Kontakt-Einschränkungen werden meiner Meinung nach etwas bringen, denn auch bei uns hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Ansteckungen häufig im privaten Umfeld passieren, wie jüngst bei der privaten Feier in Dornheim mit allein schon aktuell 45 Infizierten in Dornheim“, sagt Landrätin Tamara Bischof. „Wenn die Kontakte eingeschränkt werden, dann werden auch die Listen mit den Kontaktpersonen kürzer, die vom Gesundheitsamt überprüft und gegebenenfalls in Quarantäne gesetzt und dann dementsprechend überwacht werden müssen. Dadurch werden rasch die Infektionsketten unterbrochen. Das wiederum würde zu einer deutlichen Arbeitsentlastung im Gesundheitsamt führen.“

Schulen:

Für die Grund- und Mittelschulen im Kreis Kitzingen steht die Ampel noch auf gelb. „Unterrichtet wird in der Schule mit Maske am Platz“, erklärt der Leiter des Kitzinger Schulamtes, Veit Burger. Zwar habe es in seinem Bereich in fünf Schulen einzelne Corona- und Quarantäne-Fälle gegeben, der Unterrichtsbetrieb lasse sich aber bis auf wenige Ausnahmen noch aufrecht erhalten. Weil zwei Hortkinder positiv auf Covid-19 getestet worden sind, musste der komplette Hort einer Grundschule schließen. Betroffen sind 171 Kinder und vier Lehrer. Ansonsten seien die Grund- und Mittelschulen noch glimpflich durch den Beginn dieser zweiten Welle gekommen. Die Beschwerden über die Maskenpflicht im Unterricht hielten sich in Grenzen. Dem Lockdown, der die Schulen nicht direkt betrifft, kann der Schulamtsdirektor erst einmal gelassen entgegen sehen: „Die Herbstferien verschaffen uns das erste Mal seit September einmal Luft zum Durchschnaufen.“ Danach dürften viele Lehrer und Schüler, die sich noch in Quarantäne befinden, wieder in den Unterricht zurückkehren – und dort auch bleiben, hofft Veit Burger.

Kindergärten:

Den Kindertagesstätten des Landkreises droht hingegen die Luft auszugehen – nicht nur wegen der Maskenpflicht für die ErzieherInnen und KinderpflegerInnen in den Kindergarten- und Krippengruppen. Petra Prokot, im Dekanat Kitzingen verantwortlich für mehrere Kindertagesstätten, muss zwar derzeit keine (Aus-)Fälle beklagen, weiß aber, dass die MitarbeiterInnen am Limit arbeiten. In den Lockdown sind sie nicht eingeschlossen – Gott sei Dank, wie Petra Prokot betont. „Es wird für uns aber auch nicht einfacher.“ Die Verunsicherung sei groß, viele würden sich gerne noch einmal testen lassen, „um mal wieder einen Ist-Stand zu haben“. Zudem wünscht man sich vom Staat mehr Unterstützung, nicht zuletzt, wie auch für die Lehrer, in finanzieller Form. „In den Kindergärten werden die Kleinsten betreut, die halten keinen Abstand, sondern sitzen auf dem Schoss und niesen einem ins Gesicht.“ Trotz allem ist die Infektionsrate in den Kitas relativ niedrig, so dass die Ampel auch hier noch auf Gelb steht. Springt sie auf Rot, müssen die Gruppen wieder verkleinert werden. „Das ist personell nur schwer machbar“, sagt Petra Prokot und hofft darauf, dass ihre Notfallpläne erst einmal noch in der Schublade bleiben können.

Volkshochschule:

„Die gestrige Presseerklärung der Bundeskanzlerin macht deutlich: Wir werden ab dem 2. November mit enormen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu tun haben“, sagt Leiterin Cornelia Rauh. „Wie weit der Lockdown geht und inwieweit außerschulische Bildungseinrichtungen betroffen sind, ist aktuell noch unklar, da es keine Aussagen zur Erwachsenenbildung gab – genauso wenig wie zu den Hochschulen.“ Rechtssicher werden alle bayerischen Volkshochschulen erst Auskunft erteilen können, wenn die neue Infektionsschutzverordnung da ist. Die vhs Kitzingen informiert ab Freitagabend Dozenten und Kunden von betroffenen Kursen per E-Mail und über die Homepage www.vhs.kitzingen.info. „Falls die Volkshochschulen im November schließen müssten, planen wir diesmal keinen kompletten Semesterabbruch“, betont Rauh. Die Kurse würden dann, wenn möglich, im Dezember oder Januar fortgesetzt werden – unter den dann geltenden Hygiene- und Rahmenbedingungen.